Winzer aus dem Siebengebirge trafen sich, um den Jahrgang 2024 zu probieren.
SiebengebirgeDieser neue Winzer wird auf sich aufmerksam machen

Auch noch unfiltrierte Weine wurden getestet. Sie sind trüb, was Winzer als „blind“ bezeichnen.
Copyright: Ralf Klodt
Europaweit klagen die Winzer über Umsatzrückgänge. Im Siebengebirge ist das nicht so. Dort gibt es andere Sorgen: Durch den Frost im Frühjahr vorigen Jahres wurden große Teile der Ernte vernichtet. Besonders hart hat es das Weingut Blöser getroffen. „An manchen Lagen gab es nur drei Eimer Trauben zu ernten“, sagte Bernd Blöser über die verheerenden Folgen des Frostes auf einem Treffen der Siebengebirgswinzer. Entsprechend wenig neuen Wein gab es vom Erntejahr 2024.
Die Weinbauern hatten sich aber nicht beim Kollegen Pieper in seiner Vinothek Am Domstein 2 in Bad Honnef-Rhöndorf getroffen, um zu klagen. Es ging vielmehr darum, gemeinsam den neuen - wenn auch in Teilen sehr gering ausgefallenen - Jahrgang 2024 zu probieren und zu beurteilen. Eigentlich finden diese Treffen ohne Öffentlichkeit statt. Diesmal durfte die Redaktion dabei sein. Und es wurde ein Abend, der neue Einblicke in das kreative Schaffen der Winzer brachte. Gleich zu Beginn gab es ein Glas Crémant Brut Sekt aus dem Hause Pieper. Ein guter Start.
Noch nicht filtrierte und abgefüllte Weine aus dem Siebengebirge wurden zusammen verkostet
Es ging nicht um große Mengen aus bekannten Lagen. Verkostet wurden zum größten Teil noch nicht fertig filtrierte und abgefüllte Weine. Die Feinheiten waren Thema des Abends. Da wurde auch schon mal über die Dauer der Lagerung in einem Barriquefass mit 225 Litern Inhalt gesprochen. Je älter das Fass ist, desto weniger Geschmack gibt das Holz an den Wein ab. „Nach der sechsten oder siebten Belegung muss das Fass dann spätestens gewechselt werden“, berichtete Pieper. Je nach Qualität koste so ein Eichenfass bis zu 1300 Euro.
Alles zum Thema Drachenfels
- Traditionsbetrieb Warum vor 20 Jahren die Talstation der Drachenfelsbahn in Königswinter umgebaut wurde
- Mehr als 500 Mal Warum Catherine Eschweiler jeden Tag auf den Drachenfels in Königswinter läuft
- Sanierung Vereine halten Drei-Meter-Turm im Freibad Königswinter für verzichtbar
- Wander-App Digitaler Begleiter auf dem Bergischen Weg
- Identität geklärt Der Tote vom Drachenfels war ein 26 Jahre alter Mann aus Köln
- Cold Cases Diese ungeklärten Morde gibt es im Rhein-Sieg-Kreis – Akten werden nicht geschlossen
- Toter vom Drachenfels Nach den Knochenfunden in Königswinter gibt es noch keine neuen Erkenntnisse

Katrin Sensenschmidt, Mitinhaberin Weingut Kay, und Karl Heinz Broel (v.l.) im gespräch mit Winzerkolleginnen und -kollegen.
Copyright: Ralf Klodt
Kay Thiel war mit Katrin Sensenschmidt, Mitinhaberin seines Weingutes, gekommen. Sie schenkte aus unetikettierten Flaschen ein. Ein frisch aus dem Holzfass entnommener Rosé wurde probiert, dann ein Riesling, zuletzt ein Elbling feinherb. Kundig wurde das Glas geschwenkt, um Aromen freizusetzen, ein Schluck nach einigen Sekunden in bereitstehende Näpfe gespuckt. Der Wein sollte getestet werden. Die Kolleginnen und Kollegen zeigten sich zufrieden. Thiel berichtete von seinen Ausfällen durch den Frost. Auch die Nässe habe ihm als Biowinzer zu schaffen gemacht. Der Elbling aus der Lage in Dollendorf sei zum größten Teil für den Sekt reserviert worden. „Nur wenig kommt in Weinflaschen.“
Der Muscaris Spätlese vom Weingut Bloeser geht mit seinem Mostgewicht durch die Decke
Oliver Krupp aus Bruchhausen schenkte unter anderem einen Riesling trocken vom Unkeler Sonnenberg aus. „Der ist ja noch blind“, stellte Winzerkollege Karl-Heinz Broel fest - soll heißen: Der Tropfen war noch unfiltriert. „Die Trauben hingen lange am Stock, und die Mostgewichte konnten dadurch steigen“, erläuterte Krupp. Altwinzer Joseph Blöser schmeckte „klar den Riesling durch“.
Vater und Sohn Bloeser hatten einen Muscaris Spätlese mitgebracht. Die Rebe gehört zu den pilzresistenten Sorten, kurz Piwi genannt. „Die gehen mit dem Mostgewicht durch die Decke“, so Bernd Blöser. Ein Zeichen für gute Qualität. Der Muscaris habe einen ähnlichen Reifezeitpunkt wie der Weißburgunder. Ein frisches, fruchtiges Trinkerlebnis im Glas.

Nur ein Stempel auf dem Etikett zeigt, dass der Wein von Familie Bloeser kommt, mit einem blauen Kugelschreiber ist Muscaris Spätlesen darunter notiert worden.
Copyright: Ralf Klodt
Martin Sturm aus Leutesdorf bei Bad Hönningen hatte enorme Ausfälle durch Frost und Pilze. Er stellte den Winzerkollegen eine ungewöhnliche Kreation vor: Das Cuvée besteht aus Riesling, Rivaner, Kerner und Spätburgunder. „Tante Rosa“ soll auf der Flasche stehen. Ein schlanker Sommerwein mit Mineralität im Charakter für laue Sommernächte. Die Winzerkollegen fanden daran Gefallen.
Das Weingut Broel aus dem Siebengebirge hat mit Henry Heibach einen neuen Co-Winzer
Karl-Heinz Broel nutzte den Abend, um Henry Heibach vorzustellen. „Ich habe mich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen.“ Der 30-jährige Betriebswirt hat auch zwei Semester Weinbau in Geisenheim studiert. Er präsentierte den neuen Kollegen einen noch blinden Wein, der mit Stiel auf der Maische gestanden ist. „Nicht entrappt“ nennen die Winzer dies. Ein wenig wie herber Orange-Wein, lautete das Testat der Winzer. Er müsse noch einige Zeit im Fass lagern.

Ein neues Gesicht im Siebengebirge: Karl-Heinz Broel (l.) stellte seinen neuen Co-Winzer Henry Heibach (M.) vor.
Copyright: Ralf Klodt
Im Gespräch mit der Redaktion berichtete Heibach, dass er im Sommer 2025 die Menschen mit seinem neuen Konzept in den Räumen des Weingutes an der Karl-Broel-Straße 3 in Bad Honnef überraschen werde. „Mehr möchte ich noch nicht verraten.“ Man sah dem 76-jährigen Alt-Winzer Karl-Heinz Broel an, dass er mit der Wahl seines Nachfolgers zufrieden ist. Lange hatte er gesucht. Auch Winzerkollege Felix Pieper freute sich über „neue und junge Verstärkung der Winzer am Mittelrhein“.
Eine Flasche alkoholfreier Wein aus dem Siebengebirge müsste mindestens zehn Euro kosten
Auch das Thema alkoholfreier Wein wurde diskutiert. Pieper als größter Winzer aus dem Siebengebirge brachte es im Gespräch mit der Redaktion auf den Punkt: Für eine Flasche müsse aufgrund der aufwendigen Produktion und Entalkoholisierung im Verkauf mindestens um die zehn Euro genommen werden. Deswegen halten sich die Siebengebirgswinzer noch zurück.
Für ihn sei dies generell ein Markt mit Potenzial. „Aber sobald die Discounter mit billiger Massenware an den Start gehen, bleibt man wahrscheinlich auf den teuren produzierten und nicht besonders lang haltbaren alkoholfreien Weinen sitzen“, vermutet Pieper.
Der Gris de Gris aus der Lage am Drachenfels vom Weingut Pieper bekommt noch etwas Feinschliff
Felix Pieper stellte seinen Grünen Veltliner vor. Der leichte Pfeffergeschmack wurde sofort erkannt. Aktuell darf er noch weiter im Holzfass reifen. Und auch ein Gris de Gris aus der Lage am Drachenfels kam in die Gläser. „Der ist zurzeit noch hinten weg ein wenig bitter und braucht ebenfalls etwas Feinschliff im Holzfass“, urteilte der Winzer über den kräftigen Grauburgunder, der in seiner Farbe an Rosé erinnert.