Meine RegionMeine Artikel
AboAbonnieren

Projektstart in KölnICE-Wartung mit Künstlicher Intelligenz und Robotern

Lesezeit 3 Minuten
Ein ICE der Deutschen Bahn fährt durch ein Kamerator zur Fehlererkennung. Die Deutsche Bahn automatisiert die ICE-Instandhaltung.

Ein ICE der Deutschen Bahn fährt durch ein Kamerator zur Fehlererkennung. Die Deutsche Bahn automatisiert die ICE-Instandhaltung. 

Im ICE-Werk in Köln werden die Züge auch mithilfe von Robotern und Künstlicher Intelligenz (KI) gewartet. Dort überprüft ein mit 32 Kameras bestücktes Tor die bis zu 375 Meter langen Züge auf Schäden.

Köln-Nippes macht den Anfang, dann folgen Berlin, Dortmund, Hamburg und München. 55 Millionen Euro investiert die Bahn in ihr neues „E-Check“-Programm. Gemeint ist damit ein Verfahren, das die ICE-Wartung deutlich beschleunigen und gleichzeitig vorhandene Kapazitäten besser nutzen soll. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) machte sich vor Ort ein Bild der neuen Technik. 

Die Züge werden vor der Einfahrt in die Wartungshalle von 32 hochauflösenden Kameras von allen Seiten sowie von unten wie oben gescannt. Das so entstehende Datenvolumen von etwa 7,3 Billionen Pixel pro Nacht wird per Glasfaser in die Hallen-Zentrale geschickt, dort ausgewertet und auf Fehler überprüft. Abweichungen bis in den Zehntel Millimeter vom Originalzustand werden erkannt und überprüft. Die Art der Beschädigung spielt keine Rolle, die Technik ist in der Lage, sowohl falsch sitzende Schrauben als etwa auch beschädigte Piktogramme zu benennen. 

Abweichungen im Millimeter-Bereich

Hat das System eine Abweichung entdeckt, wird über eine App eine entsprechende Mitteilung an das Tablet der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschickt. Die entscheiden dann, wie es weitergeht. Dabei gibt es drei Szenarien: Das System hat sich geirrt, alles in Ordnung. Zweite Möglichkeit: Ein kleiner Fehler, der vor Ort sofort behoben werden kann. Oder aber der Fehler ist groß genug, dass das entsprechende Teil aussortiert und in die Reparatur gegeben werden muss.  

Wichtig war Bahn-Vorstand Michael Peterson zu betonen, dass die neue Technik kein Personal abbauen, sondern im Gegenteil die Ressourcen besser nutzbar machen soll: „Durch den E-Check werden unsere Leute von Standardtätigkeiten entlastet und können sich auf anspruchsvolle Aufgaben wie Reparaturen konzentrieren.“ Eine Reduzierung der Arbeitskräfte sei nicht angedacht, viel eher wolle man so dem Fachkräftemangel etwas entgegen setzen. 

Wir schaffen unsere Ziele nur, wenn wir innovative Technologien einsetzen.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing

Die Fahrt eines 374 Meter langen XXL-ICE mit dreizehn Wagen durch das Kamerator nimmt knappe fünf Minuten in Anspruch, der gesamte E-Check mit Wasserver- und Entsorgung dauert anderthalb Stunden und damit nur halb so lang wie bisher. Die Befüllung wurde gleich ebenfalls auf digitale Füße gestellt: Ein Roboter, eigens im 3-D-Druckverfahren entwickelt, übernimmt das Öffnen, das Ent- und Bewässern sowie das Schließen der Stutzen. 

„Die Mitarbeitenden werden entlastet und gleichzeitig steigt die Wartungskapazität des Standorts um 25 Prozent. Mit Blick auf unsere schnell wachsende ICE-Flotte ist das auch absolut nötig. Wir schaffen als Gesellschaft unsere ambitionierten Ziele nur, wenn wir innovative Technologien in großem Stil einsetzen“, betonte Wissing.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (r, FDP), und Michael Peterson, DB-Vorstand Personenverkehr, steuern in der Wartungshalle einen Unterflurroboter.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (r, FDP), und Michael Peterson, DB-Vorstand Personenverkehr, steuern in der Wartungshalle einen Unterflurroboter.

Innovativ ist die Technik tatsächlich, denn die KI - künstliche Intelligenz - spielt eine große Rolle bei dem Projekt. Meldet das System mehrfach Fehler, die von den Mitarbeitern verworfen werden, spuckt es diese Fehlermeldung irgendwann nicht mehr aus. Umgekehrt lernt das Programm, mit neuer wie mit alter Technik umzugehen, ein Teil der ICE-Flotte hat immerhin schon 30 Jahre auf dem Buckel. 

Einen kleinen Seitenhieb auf die Politik konnte sich Bahn-Vorstand Peterson bei aller Dankbarkeit für die Finanzierung des Projekts allerdings nicht verkneifen: Die Infrastruktur, im Wesentlichen Brücken und Gleise also, sei komplett veraltet und heillos überlastet, weil zu viele Jahre nichts investiert worden sei. Ein Eindruck, den auch die neuen Unterflurkamers bestätigen: Der mit Abstand größte Teil aller verdächtigen Geräusche, die von Mitarbeitenden während der Fahrt gemeldet werden, entpuppen sich bei der Wartung nicht als technischer Fehler der Wagen, sondern der Gleise.