Immer wieder überqueren Personen in Köln die Gleise der Deutschen Bahn und begeben sich in Lebensgefahr. Bundespolizei und Bahn wollen mit Präventionsarbeit dagegenwirken.
Vor allem an KarnevalLebensgefahr auf den Kölner Gleisen - „Keine Abkürzung ist die Gefahr wert“

Wer die Schienen am Kölner Südbahnhof überquert, begibt sich in Lebensgefahr.
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Die Frage, was die junge Frau an den Gleisen an der Aacher Straße wollte, blieb unklar. Die 18-Jährige verschwand am Rosenmontag 2022 hinter einer Lärmschutzwand, wurde von einem Zug erfasst und starb. Wollte sie ihre Notdurft verrichten? Wollte sie den Weg zum Aachener Weiher abkürzen? Unklar. Auch am Elften Elften im Jahr davor geriet ein 25-jähriger kostümierter Mann in Vingst zu nah an die Gleise und wurde mitgerissen. Er überlebte schwer verletzt. Immer wieder kommt es zu solchen Unfällen. Allein am vergangenen Weiberfastnacht gab es in Köln zwölf Gleissperrungen. Immer waren Personen auf den Gleisen.
„Lebensgefahr – Betreten der Gleisanlagen verboten“ steht auf einem Banner von Bundespolizei und Deutscher Bahn am Bahnhof Süd. Der Standort ist ganz bewusst gewählt. „Hier haben wir beim Thema Gleisüberquerungen einen Schwerpunkt“, sagt Kathrin Stoff, Sprecherin der Bundespolizei. Das liegt vor allem an den ungewöhnlich weiten Wegen, die die Fahrgäste hier zurücklegen müssen.
Wer den Aufgang von der Zülpicher Straße nimmt, erreicht nur Gleis 2. Nur der lange Weg am Bahnsteig entlang, eine Treppe runter und eine wieder rauf, führt die Fahrgäste zum Gleis 1. Die einzige Abkürzung: der lebensgefährliche Weg über die beiden Gleise zwischen den Bahnsteigen. Eine Option, die hier nicht selten genutzt wird. Insbesondere wenn die Zeit knapp ist.
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„Keine Abkürzung ist es wert, sein Leben aufs Spiel zu setzen“, sagt Stoff. Der Sprung auf die Schienen ist eine Ordnungswidrigkeit, wer vom Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn erwischt wird, zahlt 25 Euro. Strafbar machen sich Personen, die dabei eine Notbremsung eines Zuges auslösen. „Wir setzen auf die Präventionsarbeit“, sagt Bahn-Sprecher Stefan Deffner. „Wir müssen den Menschen eine Schranke in den Kopf setzen.“
Vor allem, wenn Alkohol im Spiel ist, könne diese Schranke oft wieder verschwinden. Deswegen gebe es an den Karnevalstagen besonders viele Vorfälle. „Es muss jedem klar sein, dass der Zug bei einem Bremsweg von einem Kilometer nicht einfach so halten kann“, sagt Deffner. „Einfach vor einem Zug über die Gleise huschen, funktioniert einfach nicht.“
Sogwirkung der Züge wird unterschätzt
Alle Vorfälle zu verhindern, ist sowohl für die Bundespolizei als auch für die Deutsche Bahn kaum möglich. „Überall Bauzäune aufzustellen, ist bei dem riesigen Streckennetz einfach nicht möglich.“ Denn logischerweise überqueren Menschen die Gleise nicht nur in den Bahnhöfen. Allein zwischen Bahnhof Süd und Bahnhof West gibt es mehrere Möglichkeiten, an die Gleise zu gelangen. Immer wieder kommt es sogar vor, dass Menschen versuchen, den gesamten Weg zwischen den beiden Haltestellen an den Gleisen entlangzulaufen. „Sie fühlen sich dabei sicher. Doch was häufig unterschätzt wird, ist die Sogwirkung der Züge“, weiß Stoff. Selbst bei geringen Geschwindigkeiten sei der Sog eine große Gefahr, selbst bei einfahrenden Zügen im Bahnhof.
Die Lebensgefahr für die Personen ist nur die eine Seite des Problems. Was oft vergessen wird: Wenn ein Zug warten muss, bis die Gleise wieder geräumt sind, hat das Folgewirkungen auf den gesamten Bahnverkehr.