Neue Produktion in MönchengladbachC&A setzt auf nachhaltige Jeans aus Deutschland

Das Logo des Modeunternehmens C&A
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Mönchengladbach – Jahrelang ließ Moderiese C&A seine Jeans in Asien fertigen. Doch jetzt holt das Unternehmen einen Teil der Produktion nach Mönchengladbach, obwohl das teurer ist. Ab März werden die Jeans made in Germany verkauft – zu einem erschwinglichen Preis.
Wer die weitläufige, helle Halle betritt, hört, dass hier gearbeitet wird. Das Surren der Nähmaschinen schlägt einem ebenso entgegen wie das Zischen der Hydraulik der Maschinen. Die Halle gehört zur „Factory for Innovation in Textiles“ des Textilunternehmens C&A (kurz C&A FIT). Sie steht nicht in Bangladesch oder einem anderen Standort in Asien, sondern in der Ruhrstadt Mönchengladbach. Mitten im Herzen Europas will C&A nachhaltige Mode entwickeln und produzieren. Im Mittelpunkt: Die Jeans.

„Das hier ist mein Ding“: Ramez Ahmandi hat schon im Iran genäht.
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Leiter der Fabrik ist Hans-Uwe Gansfort. Der 57-Jährige ist seit mehr als 30 Jahren für den Textilhersteller und -händler aus dem nordrhein-westfälischen Mettingen tätig. Nun ist er Chef der gut 70 Mitarbeiter, die C&A bereits für die Fabrik in Mönchengladbach eingestellt hat. Etwa 100 sollen es insgesamt werden, damit in einem ersten Schritt gut 400 000 Jeans im Jahr den Standort verlassen. Das bedeutet: Etwa 2000 Jeans pro Tag müssen produziert werden. Für den Anfang sind es etwa 700. Später sollen einmal 800 000 Jeans pro Jahr produziert werden.
Eine der Mitarbeiterinnen, die bereits an Bord ist, ist Jana Peters. Die 21-Jährige hat eine Ausbildung zur bekleidungstechnischen Assistentin abgeschlossen. Aktuell bedient sie den sogenannten „Pocket setter“, der relativ weit vorne in der Halle steht. Die Maschine näht die Taschen auf die Hosenbeine.
Vieles läuft hier in Mönchengladbach digital ab
Viele Arbeitsplätze in der Jeansfabrik sind eine Kombination aus Digitalisierung und manueller Arbeit. Das beginnt schon bei der Auswahl der Stoffe und dem Zuschnitt. Das kleine Stofflager zum Beispiel funktioniert vollautomatisch. Ein Roboter wählt aus den rund 30 aufgereihten Ballen Stoffen den für die Produktion richtigen aus, sagt Gansfort. „Jeder Ballen hat andere Einlaufwerte. Für die Fertigung einer Jeans müssen immer Teile gleicher Werte genommen werden“, erklärt der Fabrikleiter. Etwa 1,40 Meter Stoff werden pro Jeans gerechnet.
Direkt an das Lager angeschlossen ist ein langer Tisch. Dort liegen bereits mehrere Stapel mit Stofflagen. Aus ihnen schneidet ein Roboterarm die Jeansteile zu. Der Roboter arbeitet deutlich präziser als ein Mensch es könnte, erklärt Gansfort. Und er ist schneller. In 17 Minuten entstehen alle Teile, die für 350 Hosen benötigt werden.
Nachhaltigkeit ist besonders im Fokus
Die Produktion steht unter dem Gedanken der Nachhaltigkeit. So werden etwa die Reste vom Zuschnitt gesammelt: „Wir erforschen zusammen mit der Hochschule, was wir daraus machen können“, so Gansfort. Auch bei der Art und Weise, wie die Jeans ihren „used-look“ bekommen, setzt C&A auf nachhaltigere Verfahren. Ein Laser sorgt für die Schattierungen. Durch das Abbrennen der oberen Farbschichten braucht es keine Chemikalien. Auch bei der Waschung der Jeans setzt die Fabrik auf Nachhaltigkeit. Normalerweise werden dafür 50 bis 60 Liter benötigt. In Mönchengladbach sind es zehn. „Die Jeans werden in einer Art Nebel gewaschen“, erklärt Fabrikleiter Gansfort das Verfahren.
Mitarbeiter Ramez Ahmandi: „Das hier ist mein Ding“
Neben aller Automatisierung sind Näherinnen und Näher trotzdem unverzichtbar. Einer von ihnen ist Ramez Ahmandi. Der 28-Jährige ist seit fast sechs Jahren in Deutschland. Er ist in Kabul geboren, jedoch im Iran aufgewachsen, erzählt er. „Im Iran habe ich in der Textilbranche gearbeitet.“ Er habe genäht, viele Jahre lang. In Deutschland hatte er eigentlich eine Ausbildung zum Erzieher angefangen. Die hat er abgebrochen. „Das hier ist mein Ding“, sagt er. Nur 20 Prozent der Mitarbeiter sind Fabrikleiter Hans-Uwe Glasfort zufolge Quereinsteiger, die in der Textilakademie Nordrhein-Westfalen geschult werden. 80 Prozent haben Vorkenntnisse wie Ramez Ahmandi.
Kaum noch Produktionen in Deutschland
Eine deutsche Produktion, das ist in den vergangenen Jahrzehnten zur Seltenheit geworden. Der Kosten wegen hatte es Hersteller in Richtung Osten gezogen. Von der Rückkehr der Produktion nach Deutschland erhofft sich C&A Fabrikleiter Gansfort zufolge auch, schneller auf Trends reagieren zu können. Das gelte für Farben wie Styles. „Unsere Branche ist schnelllebig. Da ist der Lieferweg von Asien nach Deutschland viel Zeit. Jedes vierte Teil in der Branche erreicht den Endverbraucher nicht“, sagt Gansfort. Dieser Überproduktion entgegenzuwirken gehöre zum Nachhaltigkeitsgedanken, den man mit der Mönchengladbacher Produktion verfolge.
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Möglich sei eine Fertigung in Deutschland auch aufgrund des hohen Automatisierungsgrad. Allerdings: „Ohne Mitarbeiter geht es nicht“, betont der Fabrikleiter. Sie werden im Übrigen nach den örtlichen Tarifen der Textil- und Bekleidungsindustrie Niederrhein bezahlt. Der Kunde muss nicht viel tiefer in die Tasche greifen für eine Jeans aus Deutschland. 59,99 Euro kostet die Hose.
Im Herbst ist der Testbetrieb in Mönchengladbach angelaufen. Bislang ist Gansfort zufrieden. Nur wenige Fehler finden Klaudia Falkenhagen und ihr Team bei der Kontrolle. Durch die Produktion in Deutschland erhofft sich Gansfort auch, mehr junge Menschen für den Beruf begeistern zu können.