Der 1. FC Köln geht als Favorit in das Heimspiel am Samstag gegen Hertha BSC, trifft aber auf eine wiedererstarkte und top besetzte Berliner Mannschaft.
1. FC KölnDer nächste Moment heißt Hertha BSC

Doppelter Doppelpacker: Herthas Fabian Reese ist nach seiner langwierigen Verletzung wieder in Topform.
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Wenn der Tabellenführer den 18 Punkten schlechter gestellten 13. des Klassements an einem Samstagabend vor 50.000 Zuschauern im ausverkauften, eigenen Stadion empfängt, sind die Rollen eigentlich klar verteilt. Zumal sich das Feld sieben Spieltage vor Ende der Saison aussagekräftig sortiert hat. Die Platzierung ist nicht irgendeinem Zufallsprodukt entsprungen. Der 1. FC Köln befindet sich als Primus der 2. Fußball-Bundesliga gegen Hertha BSC Berlin demnach auf dem Papier in der Rolle des Favoriten.
Im Fall des anstehenden Duells zwischen den beiden gefühlten Erstligisten ist das Papier allerdings nur die eine Sache und die aktuelle Realität eine andere. Die durch die Spielzeit taumelnden Hauptstädter scheinen sich nämlich nach dem Trainerwechsel von Christian Fiél zu Stefan Leitl endlich stabilisiert zu haben und reisen mit breiter Brust nach Müngersdorf. Ursächlich sind die beiden überzeugenden Siege in Braunschweig (5:1) und gegen Karlsruhe (3:1) sowie die Tatsache, dass der Ausnahmespieler nicht nur wieder gesund ist, sondern sich auch in Topform befindet.
Fabian Reese schnürte bei den beiden jüngsten Erfolgen jeweils einen Doppelpack und dürfte nicht nur deshalb bei den Geißböcken alle Alarmglocken auslösen. „Ich halte von der Hertha sehr, sehr viel. Speziell die Ausrichtung nach vorne ist on top in der Liga. Sie haben Dynamik, Spielwitz, Durchschlagskraft und Fabian Reese“, sang FC-Trainer Gerhard Struber ein Loblied auf den nächsten Gegner und drückte mit Blick auf den Berliner Kader aus, was alle schon die ganze Zweitliga-Saison über denken: „Das ist eine Mannschaft, die aus meiner Sicht überraschenderweise hinten drinnen sitzt – was auch immer dafür die Gründe sind. Rein von der individuellen Qualität müssten sie in anderen Regionen herumturnen.“
Drittes Duell mit der Hertha in dieser Saison
Die Berliner Probleme sind aber nicht die des Österreichers. Sein Team konnte die „Alte Dame“ im Hinspiel (1:0) besiegen und auch im Achtelfinale des DFB-Pokals (2:1 nach Verlängerung). Was vor der dritten Begegnung am 28. Spieltag der Zweitliga-Saison 2024/25 laut Thomas Kessler auch Einfluss auf die Erwartungshaltung an den FC mit sich bringt: „Uns erwartet nach Paderborn, ein unfassbar schwieriges Spiel gegen Berlin, weil wir diese Mannschaft schon zweimal diese Saison geschlagen haben und die Erwartungshaltung hoch ist, dass wir nach dem Auswärtssieg dieses Spiel zu Hause gewinnen“, sagte der Lizenzspielerleiter.
Kessler kennt die Macken seiner Mannschaft längst und weiß, welch große Bedeutung die mentale Verfassung für ein solches Spiel einnimmt, mit dem der Spitzenreiter den nächsten Schritt Richtung Wiederaufstieg gehen kann: „Wir brauchen einen brutalen Fokus auf das Spiel am Samstag. Der Tabellenplatz zeigt natürlich, wo wir hinwollen und wir wollen ihn auch nicht verlieren. Das geht aber nicht übers Erzählen, was sein könnte, sondern darüber, dass wir das Spiel gegen die Hertha gewinnen.“
Für unseren Tabellenstand am Ende müssen wir im Hier und Jetzt alles tun, was uns zur Verfügung steht.
Gerhard Struber ist auch nicht entgangen, dass der FC nach dem 2:1 in Paderborn viel Lob eingeheimst hat. Der Coach will sich aber überhaupt nicht in „irgendwelchen Gedankenspielen verzetteln“ oder sich zu „mathematischen Meisterleistungen“ aufschwingen. Etwa das Rechenbeispiel, dass die Geißböcke nur die Serie aus der Hinrunde wiederholen müssen, um den Aufstieg klarzumachen. Da holten sie aus den letzten sieben Spielen 19 von 21 möglichen Punkten.
„Wir sind sehr fokussiert in unserem täglichen Tun. Für unseren Tabellenstand am Ende müssen wir im Hier und Jetzt alles machen, was uns zur Verfügung steht und was wir beeinflussen können, um den nächsten Sieg zu landen“, entgegnete Struber, für den solche Vergleiche wenig Wert besitzen: „Die Mannschaften, gegen die wir noch spielen, haben sich auch entwickelt oder eine neue Führung. Da kommt es darauf an, was gerade in dem Moment eine Trumpfkarte gegen diese Teams sein könnte.“ Und der nächste Moment für den 1. FC Köln heißt Hertha BSC Berlin.
Timo Hübers und Neo Telle fallen krank aus
Dem 48-Jährigen stehen mit den Innenverteidigern Dominique Heintz und Julian Pauli sowie Dejan Ljubicic drei Spieler wieder zur Verfügung, die in Paderborn gefehlt haben. Auch bei Luca Waldschmidt sieht es so aus, als ob er nach der in Paderborn erlittenen Blessur und zwei Tagen Trainingspause wieder mitmischen kann.
Den an Magen-Darm erkrankten Timo Hübers hat es dagegen schlimmer erwischt als zunächst angenommen. Der Kapitän fällt am Samstag genau wie Neo Telle (krank) und Damion Downs aus. Für den mit neun Treffern erfolgreichsten FC-Stürmer kommt ein Einsatz gegen die Hertha nach seiner Operation am gebrochenen Handgelenk noch zu früh.
Es braucht nicht allzu viel Fantasie, um zu sehen, dass er möglicherweise auch mehr draufhat.
Fabian Reese wird dagegen am Samstag auf dem Platz stehen, obwohl er am Mittwoch beim Training fehlte. Nach seiner langwierigen Sprunggelenkverletzung sei er erst wieder bei „85 Prozent“ seines Potenzials und benötige noch eine Steuerung der Belastung, ließ der 27-Jährige wissen. Er wäre auch für den FC ein sehr interessanter Spieler. „Ich kann mich nicht erinnern“, antwortete Thomas Kessler am Donnerstag lächelnd auf die Frage, ob die Kölner Reese vor zwei Jahren verpflichten wollten. Er hätte ihnen auf jeden Fall gut zu Gesicht gestanden.
„Warum er noch 2. Liga spielt, muss man ihn fragen. Es braucht nicht allzu viel Fantasie, um zu sehen, dass er möglicherweise auch mehr draufhat“, sagte Gerhard Struber. Vielleicht kommen beide Seiten erneut ins Gespräch, obwohl Reese noch bis 2028 in Berlin unter Vertrag steht. Dafür müsste der FC allerdings am Samstag gewinnen — und im Mai aufsteigen.