Vor Gericht45-Jähriger wohnte in seinem Renault am Trerichsweiher
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Der Trerichsweiher (Archivbild)
Copyright: Quentin Bröhl
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Siegburg/Troisdorf – Für 900 Euro kaufte sich ein Mann ein „Mobilheim“, suchte sich für den Renault Laguna einen idyllischen Stellplatz im Siegburger Wald am Trerichsweiher. Doch da ihm das Geld für Kfz-Steuer und -Versicherung fehlte, schraubte er auf einem Betriebsgelände in Spich zwei Kennzeichen von einem Firmenfahrzeug ab. Eine Videokamera zeichnete den Diebstahl auf. Das sei wohl letztlich sein Glück gewesen, konstatierte Richter Ulrich Wilbrand im Prozess.
„Sie sehen schon viel besser aus“, begrüßte er den Angeklagten und erklärte: „Uns verbindet eine lange, dienstliche Freundschaft, leider ausschließlich vor dem Strafgericht.“ Der 45-Jährige nickte. Aufgegriffen Anfang April, sitzt er seitdem in Haft, hatte dort das erste mal seit Jahren wieder Kontakt zu seinen Kindern. Ihnen habe er versprochen: „Ich lasse die Finger von den Drogen“, führte sein Verteidiger aus. Sein Mandant befinde sich in Therapievorbereitung und habe sogar schon eine Kostenzusage für eine Drogentherapie. „Das ist eine Leistung“, würdigte das Gericht.
„Die Zelle ist größer“
In einem Pkw zu leben sei doch „eine Katastrophe“, meinte Richter Wilbrand, „die Zelle ist größer“. Doch habe der Angeklagte, rausgeflogen aus dem Obdachlosenheim wegen Randale, wohl nur eine Alternative gesucht zum Schlafplatz auf der Straße.
Das Urteil, fünf Monate Haft, ist nur vorläufig. Gegen den geschiedenen Mann, der zahlreiche Vorstrafen im Bereich Beschaffungskriminalität gesammelt hat, wartet noch ein weiteres Verfahren wegen Sachbeschädigung, unerlaubten Waffenbesitzes und Widerstands gegen die Staatsgewalt.
Damit wird dann ebenfalls Richter Ulrich Willbrand befasst sein. Bei einer Gesamtfreiheitsstrafe bis zu zwei Jahren kann diese zurückgestellt werden, wenn der Angeklagte eine Drogentherapie erfolgreich durchläuft.