Meine RegionMeine Artikel
AboAbonnieren

Asselbach in TroisdorfWasser aus dem Sumpf steigt in Keller

Lesezeit 4 Minuten

Der Asselbach führt wieder Wasser, nachdem er lange Jahre trocken gefallen war.

Troisdorf – Die Siedler, die in den 1950er-Jahren in Spich, unterhalb der Wahner Heide, die Ärmel hochkrempelten, hatten es nicht leicht. Es war eine höllische Plackerei, die Grundstücke rund um den Asselbach trockenzulegen. Der Bach selbst landete in einer Röhre. Das sumpfige Wasser, so sagte man, habe die Menschen krank gemacht.

Heute machen die Siedlerhäuser viele Spicher krank – vor Sorge. Das Wasser ist seit gut vier Jahren wieder da, in manchen Kellern steigt es bis zu mehreren Zentimetern Höhe an, manche Häuser haben schon Risse davongetragen. Ältere Menschen sehen ihre Altersvorsorge in Gefahr. Teure Sanierungen sind mit einer schmalen Rente nicht zu finanzieren.

Inzwischen taucht das schädliche Nass auch in Straßenzügen auf, die bislang nicht betroffen waren. An der Josef-Frank-Straße laufen Keller voll, und am Birkenweg schaut Peter Oppermann bangen Blicks in einen Revisionsschacht im Keller seines Hauses, in dem das Wasser bedenklich hoch steht. Er ärgert sich über Stockflecken in den Ecken der feuchten Räume. Das Problem kennt er erst seit Anfang des Jahres: „Zuvor war es hier immer trocken“, sagt Oppermann, der mit den Problemen von Nachbarn seit langem vertraut ist. Er ist zweiter Vorsitzender der Siedlergemeinschaft, die heute zum Verband Wohneigentum NRW gehört.

Der tägliche Blick in den Schacht gehört auch zum Alltag von Dieter Belling, der seit 50 Jahren an der Telegrafstraße wohnt. Er machte 1965 beim Bau seines Hauses die Erfahrung, dass der sumpfige Boden seine Tücken hat. Als Wasser in die Baugrube drang, ließ er eine Entwässerung (Drainage) mit Betonröhren bauen. Lange Jahre hörte er das Wasser in den Rohren, doch als 2010 ein Kanal am Siedlerweg saniert wurde, verstummte das Rauschen. Die Ursache ist für Belling klar. Die Drainage wurde einem Gutachten zufolge beschädigt und abgeklemmt.

Auch Gerd Heuser bekam das steigende Wasser am Kastanienweg zu spüren. Bis zu 20 Zentimeter hoch stand es in einem Kellerraum, unablässig lief eine Pumpe. Schimmel und muffiger Geruch bildeten sich dennoch. Seit gut vier Jahren drückt das Wasser nun gegen Bodenplatte und Kellerwände. Ein Freizeitkeller wurde unbrauchbar, Möbel und ein Klavier wanderten auf den Müll. Verschimmelten Putz schlug Heuser ab, eine elektrische Pumpe steht stets bereit. In einem Gutachten hat er schwarz auf weiß, dass zwischen Dezember 2010 und Mai 2011 das Grundwasser um rund 70 Zentimeter anstieg.

Der städtische Abwasserbetrieb versuchte bislang vergeblich, ein altes Drainagesystem der Siedlergemeinschaft wiederzufinden und erklärte die steigenden Wasserpegel folgendermaßen: Kaputte Kanalrohre hätten über Jahre Wasser aufgenommen, das zuvor durch die Drainage abgeleitet wurden. Durch den sanierten Kanal entfalle diese Möglichkeit, während die alte Drainage versandet sei.

Der Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Achim Tüttenberg (SPD) will jetzt genauer wissen, woher das Wasser kommt, zumal ihm Arbeiten an der Deponie ins Auge gefallen sind. Betreiber Mineralplus baut derzeit im Wald über der Siedlung ein Regenrückhaltebecken, aus dem Wasser weiter in den Wald geführt wird, wo es versickern kann. Auch massive Baumfällungen oberhalb der Josef-Frank-Straße, just dort, wo der Asselbach in sein Rohr und weiter durch Spich fließt, sind ihm aufgefallen. „Diese Bäume fehlen jetzt, um Wasser zu speichern.“ Und der lange trocken gefallene Asselbach führt wieder Wasser. Aufklärung verspricht sich Tüttenberg von einem Antrag seiner Fraktion, das Thema in den Sitzungen von Umwelt- und Verkehrsausschusses und Abwasserbetrieb zu beraten.

Anwohner Gerd Heuser hält von Einzelaktivitäten der Betroffenen nichts: „Wir brauchen eine zentrale Lösung, sonst schiebt nur einer dem anderen das Wasser zu.“ Ihm wäre am liebsten, wenn quer durch den Roten Weg eine neue Drainage gelegt würde. „Aber es passiert einfach nichts.“

Tüttenberg geht davon aus, dass sich das Wasser weiter ausbreiten wird. „Die Stadt darf sich nicht vor der Verantwortung drücken.“ Im Dezember 2012 lehnte eine Mehrheit von CDU, Grünen und FDP es ab, 100 000 Euro für ein umfassendes Gutachten zur Verfügung zu stellen. Eine Debatte blieb aus, Gründe wurden nicht genannt. Leere Kassen waren es wohl nicht: Damals war davon, anders als heute, keine Rede.