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Otto „Ostra“ StraznickyAus dem Tagebuch eines Dampflok-Fans

Lesezeit 3 Minuten

Otto Straznickys Herz schlägt für die Eisenbahn . Nun hat der „Wiener aus Erftstadt“ Auszüge aus seinem Tagebuch veröffentlicht, die diese große Leidenschaft dokumentieren.

Erftstadt – Das „Abenteuer Eisenbahn“ hat Otto Straznicky von Kindesbeinen an gefesselt. Der gebürtige Wiener, der seit 67 Jahren in Kierdorf zu Hause ist, sammelte im Laufe seines nunmehr fast 91-jährigen Lebens ausrangierte Eisenbahnen, Schilder von Maschinenfabriken, Modellbahnanlagen und baute eine Miniatur-Dampflok-Eisenbahn namens „Ostra“, auf deren Gleisen er fast ein Vierteljahrhundert lang unzählige Kinder und auch Erwachsene herumfuhr. „Ostra“ nennt sich Otto Straznicky, seit er unter diesem Kürzel Beiträge in der Modell-Eisenbahn-Zeitschrift „MIBA“ veröffentliche.

In Tagebüchern hält Ostra gerne seine Erlebnisse und Eindrücke fest. Aus den Kapiteln, die mit seinem „Abenteuer Eisenbahn“ verbunden sind, hat der Kierdorfer nun ein 26-seitiges bebildertes Büchlein auf Hochglanzpapier gemacht und herausgegeben.

Restaurierte Lok im Freien ausgestellt

Das Wort „Glück“ taucht in verschiedenen Kombinationen mehrmals in den Lebenserinnerungen auf. Eine „Glücksreise“ nennt der heute 90-Jährige, der am 16. Mai seinen 91. Geburtstag feiert, sein ganzes Leben. Die Liebe fand Ostra in Köttingen, wohin es ihn als Soldaten verschlagen hatte. Nach seiner Frau Änne benannte der spätere Schlossermeister die Humboldt-Lok, seine erste Errungenschaft Ende der 1960er Jahre, die er rund 20 Jahre lang im Freien ausstellte.

Leser von Ostras Tagebuchauszug erfahren, dass die Geschichte der Leidenschaft für Eisenbahnen in seiner Heimatstadt Wien begann. In seiner Sammlung ist noch das Foto der Märklin-Eisenbahn erhalten, die 1928 unter dem Weihnachtsbaum lag. Bundesweit bekannt aber wurde Straznicky in den 1970er Jahren, nachdem er für den Personentransport eine Miniaturbahn gebaut hatte, die erstmals bei einem Kinderfest in einem Neubaugebiet von Liblar fuhr und schnell zum Publikumsmagneten wurde. Eine der vier Loks taufte er auf den Namen seines Enkels Ralph.

In die Fernsehshow „Am laufenden Band“ mit Rudi Carrell wurden Ostra und sein Bahn eingeladen, ebenso zu den Spielwarenmessen in Nürnberg, wo sich zwar nicht der damalige bayrische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß, dafür aber ein Gast aus Japan traute, mit Lokführer Ostra auf der dampfbetriebenen Mini-Bahn eine Runde zu drehen.

Für die Kinder vor allem hielt Ostra seine Bahn betriebsbereit; auf eine Viertelmillion schätzt er seine Fahrgastzahl. Doch die Freizeitvergnügungen änderten sich. Zum letzten Mal setzte Straznicky am 23. August 1997 die Lokführermütze auf, um mit einer Fuhre kleiner Fahrgäste über die Gleise zu dampfen. Zwei der Ostra-Bahn-Loks, darunter „Ralph“, behielt der Kierdorfer für seine Sammlung, zwei fanden eine Bleibe in seinem „immer noch geliebten“ Wien, schreibt Straznicky in seinem Leseheft.

Mit Freude und Dankbarkeit blickt Otto Straznicky auf die Zeit zurück, als er noch Lokführer seiner Ostra-Bahn war. Wehmut ist seine Sache nicht: Er hat den Sitz auf dem Kohlentender der Bahn mit der Bühne getauscht, spielt beim Freien Werkstatt-Theater Köln, und im Stil des klassischen Theaters beginnt er sein Buch mit einem Prolog und schließt mit einem Epilog. „Liebe Freunde, das war meine Story! Servus, habe die Ehre – Euer Ostra“, lautet der charmante wienerische Abschiedsgruß nach der Lektüre.

„Abenteuer Eisenbahn – aus Ostras Tagebuch“ ist in den Buchhandlungen Köhl im Einkaufszentrum Liblar und an der Bonner Straße 17 in Lechenich sowie in der Buchhandlung Pier an der Carl-Schurz-Straße 98 in Liblar erhältlich.