Der UNA-Kandidat arbeitet bei der Stadt Wesseling und will den Nettersheimern bei der Wahl mehr bieten als die Alternativen Ja oder Nein.
UNA-KandidatSebastian Schubert fordert in Nettersheim Bürgermeister Norbert Crump heraus

Seit zwei Jahren lebt Sebastian Schubert in Nettersheim. Nun will er dort für die UNA Bürgermeister werden.
Copyright: Stephan Everling
Nach der Wahl ist vor der Wahl, ließe sich in Anlehnung an eine Weisheit Sepp Herbergers sagen. „Wir haben extra mit der Bekanntgabe meiner Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Nettersheim den Tag nach der Bundestagswahl gewählt, damit das Thema nicht von Bundespolitik überschattet wird. Jetzt geht es um Nettersheim“, sagte Sebastian Schubert.
Tatsächlich ist Schuberts Kandidatur für Nettersheim fast so etwas wie eine kleine Revolution. Denn Schubert tritt als Vertreter der UNA (Unabhängige Nettersheimer Alternative – Grüne und Unabhängige) an und fordert Amtsinhaber Norbert Crump (CDU) heraus. Daran, dass es einen Gegenkandidaten zum CDU-Mann gegeben hat, kann sich kaum einer erinnern.
Nettersheim: 1999 traten zuletzt mehrere Bürgermeister-Kandidaten an
Nur Edwin Poth, ehemaliger Vorsitzender der UNA und schon lange in der Kommunalpolitik, erinnert an Rudolf Rüscher von der SPD, der vor vielen Jahren mal angetreten sei. 1999, als die hauptamtlichen Bürgermeister in NRW eingeführt wurden, gab es tatsächlich Kandidaten von CDU, SPD und FDP. Seitdem ist keiner mehr gegen den jeweiligen CDU-Kandidaten angetreten – egal, ob es sich um Wilfried Pracht oder Norbert Crump gehandelt habe. „Wir haben schon immer versucht, einen Kandidaten zu finden“, sagt Poth. Das sei bisher nie gelungen.
Schon allein um das zu ändern, sei er angetreten, sagt Schubert. „Ich habe schon oft gehört: Endlich macht es mal einer“, beschreibt er die positive Resonanz auf seinen Entschluss. Er trete an, damit am 14. September mehr als nur ein Ja oder Nein zur Wahl stehe. Intensive Gespräche seien dem vorausgegangen, eine Mitgliederversammlung habe sich für ihn als Kandidaten ausgesprochen. Amtlich ist die Kandidatur aber erst nach der noch ausstehenden Aufstellungsversammlung.
Sebastian Schubert saß für die Grünen im Euskirchener Stadtrat
Schubert stammt aus Großbüllesheim, ist 37 Jahre alt und vor zwei Jahren mit Frau Miriam und Hund Emil in ein Haus in der Nähe des Genfbachs gezogen. Er hat einen Bachelor of Laws, Bachelor in Sozialwissenschaften und einen Masterabschluss in Politikwissenschaften. Seit über zehn Jahren ist er im Öffentlichen Dienst bei Land und Kommunen tätig und arbeitet aktuell bei der Stadt Wesseling, wo er Abteilungsleiter im Amt für Soziales und Wohnen ist.
Von 2009 bis 2023 saß er für die Grünen im Stadtrat in Euskirchen. Einen Konflikt mit seiner Mitgliedschaft in der Partei gebe es durch die Kandidatur in Nettersheim nicht, betont er: „Wir haben in unserer Gemeinde eine Sondersituation, da die Grünen hier nicht antreten.“
In Sachen Bürgerbeteiligung sieht Schubert Verbesserungspotenzial
Vieles sei richtig gemacht worden in Nettersheim, doch mit der Bürgerbeteiligung und der Information der Anwohner stehe es nicht zum Besten, so Schubert: „Statt die Bürger zu beteiligen und mitzunehmen, wurden nur Informationsveranstaltungen abgehalten.“ Deshalb sei ein Haltungswandel in der Verwaltung wichtig. Er habe das Gefühl, dass die Verwaltung sich von der Stimmung in der Bevölkerung entfernt habe.
„Wenn ich mir die Wahlergebnisse in den Orten ansehe, wird das deutlich“, stellt er fest. So sei in Marmagen frühzeitig informiert worden, während in Tondorf, als es um die Umwandlung des „Haus Nikolaus“ in eine Geflüchtetenunterkunft gegangen sei, viel zu spät mit der Bevölkerung geredet worden sei. „Die Wahlergebnisse sind die Folge“, sagt er mit Blick auf die höchsten Prozentwerte, die die AfD im Gemeindegebiet in Tondorf verzeichnete.
Er wolle in den kommenden Monaten in Haustürgesprächen herausfinden, wo die Menschen der Schuh drückt und was sie erwarten. Auch solle es mehrere Termine bei den Vereinen geben. „Ohne Ehrenamt geht es nicht, das ist ein Schatz, den wir haben“, sagte er. Ein Riesenthema sei weiterhin der Hochwasserschutz, an dem weitergearbeitet werden müsse. Die Pläne zur Zukunft der Eifelhöhen-Klinik trage die UNA mit, doch die Einwendungen von Bürgern müssten ernst genommen werden. „Da gibt es etliche naturschutzwürdige Bereiche, da müssen die Bürger mitgenommen werden“, fordert er.
Kritik der UNA: „Auf den Dörfern passiert wenig“
„Jeder kleine Ort hat seine eigenen Probleme“, ergänzt Andreas Funke, Vorsitzender der UNA. So sollten etwa nicht nur die Zentralorte Marmagen, Zingsheim und Nettersheim tolle Spielplätze haben. „Auf den Dörfern passiert wenig“, hat er festgestellt. „Wir müssen wieder an die Menschen ran und ihnen sagen: Wir kümmern uns“, so Schubert. Eines aber sei klar: „Die Lage ist schwierig, und sie wird schwierig bleiben“, so der Kandidat zur Haushaltssituation.
Auch Nettersheim müsse sich die Frage stellen, ob manche Standards zu hoch seien. „Die Kommunen sind in der Finanzausstattung das letzte Glied in der Kette“, sagt er. Um die Bürger mitzunehmen, sei es möglich, einen Bürgerhaushalt aufzustellen, in dem ein Betrag für die Beteiligung bereitstehe.
Zur Wahl im September will die UNA nicht nur einen Bürgermeisterkandidaten stellen, sondern auch Optionen für die Orte bieten. Die Kandidatenliste, inklusive der gebundenen Vertreter zu füllen, werde kein Problem sein, so Funke.