SPD entscheidet sich einstimmigDas ist OB-Kandidatin Lissi von Bülow

Für Lissi von Bülow als OB-Kandidatin hat sich der Vorstand der Bonner SPD (im Hintergrund) einstimmig ausgesprochen. Sie wird nun den Mitgliedern vorgeschlagen.
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Bonn – Die Genossen saßen zufrieden an einem großen massiven Holztisch, die Stimmung im Café Kurt in der Clemens-August-Straße war optimistisch bis geradezu euphorisch: Gerade hatte sich der Vorstand der Bonner SPD einstimmig dafür ausgesprochen, dass die Bornheimer Dezernentin Lissi von Bülow bei der Oberbürgermeisterwahl im nächsten Jahr gegen Amtsinhaber Ashok Sridharan antreten soll.
Wie angetan die Sozialdemokraten dabei von ihrer Kandidatin sind, machte Thomas Herrmann, Mitglied der Findungskommission, deutlich: „Wir sind sicher, dass sie die nächste Oberbürgermeisterin wird.“ Die Kandidatin sieht in Bonn vor allem in vier Bereichen Handlungsbedarf: Wohnen, Verkehr, Schaffung von Kita- und OGS-Plätzen sowie Investitionen in Schulen und Sportstätten.
Vier Top-Bewerber für Kandidaten-Posten
„Wir hatten das große Glück, dass wir vier Top-Bewerber hatten“, berichtete Herrmann. Einstimmig habe sich die Kommission schließlich für von Bülow ausgesprochen. Der Vorstand werde die 43-jährige Mutter dreier Kinder nun den Mitgliedern vorschlagen, erläuterte der Vorsitzende Gabriel Kunze. Nach der Sommerpause werde sie in fünf Veranstaltungen im Stadtgebiet den Bonnern vorgestellt. „Sie bringt alles mit, was man für eine OB braucht. Sie hat Verwaltungserfahrung und sagt klar, wohin sich die Stadt entwickeln soll“, lobte Kunze.
Man brauche jemanden, der anpackt, meinte die Fraktionsvorsitzende Angelika Esch. Von Bülow sei da genau die Richtige: „Als sie keinen Kindergartenplatz für ihre Tochter fand, hat sie kurzerhand selbst einen aufgemacht und ihn einige Jahre geleitet.“ Die gebürtige Bonnerin, die mit ihrer Familie auf dem Venusberg lebt, hatte sich 2005 für die Gründung der Kita Liliput in der Kaiserstraße eingesetzt. Weil die 43-Jährige auch bei einer Wirtschaftskanzlei gearbeitet habe, so Esch, verfüge sie auch über die Wirtschaftskompetenz. Die Bürger hätten das Gefühl, es müsse sich etwas tun: „So wie uns wirst du auch die überzeugen.“
Optimale Strukturen in der Verwaltung
Bonn bezeichnete von Bülow in drei Stichworten als „mein Zuhause, charmant dezentral und rheinisch/international“. Sie selbst charakterisiert sich als antriebsstarker Familienmensch, der am Gemeinwohl orientiert sei. Ein OB muss aus ihrer Sicht vor allem Initiator und Moderator sein, Rückgrat zeigen, wenn es um seine Verwaltung geht, und stets ein offenes Ohr für Vertreter von Wirtschaft und Kultur sowie für Initiativen und Bürger haben. Unendlich viele Gespräche müssten geführt werden, auch um Vertrauen aufzubauen.
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„Die Ausgangssituation ist angesichts der Lage der SPD schwierig, aber es geht um eine Persönlichkeitswahl, und ich glaube schon, dass ich Bürger überzeugen kann“, sagte von Bülow. Sie kandidiere auch aus einer großen Solidarität gegenüber der Partei, die „stärker ist, als man es zurzeit wahrnimmt“. Problemfelder sieht die Dezernentin genug: „In der Verwaltung müssen angesichts der äußerst dünnen Personaldecke optimale Strukturen geschaffen werden.“ Auch fehle es an Kommunikation und Moderation beispielsweise in Form von interfraktionellen Gesprächen. „Es ist mehr ein Gegeneinander“, sagte Esch und kritisierte die Jamaika-Koalition: „Unsere Anträge werden abgelehnt und später dann komplett oder in Teilen als eigener Antrag beschlossen.“ Ihre Stellvertreterin Gabi Mayer sprach in dem Zusammenhang von einer „Art der Nichtzusammenarbeit, die die Stadt nicht voranbringt“.
Die Zusammenarbeit von Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis sieht von Bülow als „verbesserungswürdig“ an. Überhaupt setzt sie auf interkommunale Teamarbeit: „Bei Themen wie Verkehr, Schulen und Wohnen müssen wir regional denken.“ Weil die Kandidatin für starke Stadtteile eintritt, will sie das Frankenbad erhalten. In der Bonn-Berlin-Frage müsse eine faire Arbeitsteilung gefunden werden. „Ich will Bonn als Uni-Stadt noch mehr in den Fokus nehmen und mehr für Studenten tun. Das Nachtleben könnte attraktiver sein“, so die Kandidatin. Doch zuerst steht ein kräftezehrender Wahlkampf an, wenn die Mitglieder sie wählen.