Die Stadt Rheinbach beteiligt sich an drei Bürgerenergie-Genossenschaften in der Region. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss mit gr0ßer Mehrheit beschlossen.
Umweltfreundliche ProjekteRheinbach tritt drei Bürgerenergie-Genossenschaften bei

Energie aus Wind und Sonne soll auch in der Region eine größere Rolle spielen.
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Sei es die Umsetzung gemeinsamer Projekte wie Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden, Beteiligungen an Windparks und Photovoltaik-Freiflächenanlagen, oder die Mitgestaltung der Energiewende – die Mitgliedschaft in einer Energiegenossenschaft kann Vorteile bieten. Das sah auch die Mehrheit der Lokalpolitiker im jüngsten Rheinbacher Haupt- und Finanzausschuss so und beschloss mit großer Mehrheit die Beteiligung der Stadt an drei Energiegenossenschaften. Insgesamt entstünden dadurch Kosten in Höhe von 2530 Euro, rechnete Bürgermeister Ludger Banken vor. Die einzige Gegenstimme kam, wie schon im Februarausschuss für Umwelt und Mobilität, von der FDP.
„Projekte von regionaler Tragweite“
Beschlossen wurde der Beitritt zur eegon Eifel Energiegenossenschaft mit zwei Geschäftsanteilen von je 500 Euro, zur BürgerEnergie Rhein-Sieg mit bis zu zwei Geschäftsanteilen von je 250 Euro zuzüglich 30 Euro Eintrittsgeld und der Beitritt der 2024 gegründeten BürgerEnergie Rhein-Voreifel (BERV) mit einem Geschäftsanteil von 1000 Euro. Die endgültige Entscheidung fällt der Rat am 7. April. Das Gremium hatte in der Vergangenheit bis zu 10.000 Euro für die Beteiligung an einer Energiegenossenschaft bereitgestellt. Die drei ausgewählten regionalen Energiegenossenschaften weisen Projekte von einer „sichtbaren regionalen Tragweite auf“, heißt es in der Unterlage. Und weiter steht dort: „Durch die Mitgliedschaft in einer Bürgerenergiegenossenschaft kann die Stadt Rheinbach die regionale Zusammenarbeit stärken und ihren Beitrag zur Energiewende leisten, indem sie aktiv erneuerbare Energieprojekte unterstützt und den Anteil nachhaltiger Energieversorgung in der Region erhöht.“
Die Verwaltung war 2022 einstimmig vom Rat beauftragt worden, die Möglichkeiten der Beteiligung an einer Bürgerenergiegenossenschaft zu prüfen. Im darauffolgenden Jahr gab es eine Informationsveranstaltung dazu. Für eine fundierte Entscheidungsgrundlage stünden nun drei ausgewählte regionale Genossenschaften zur Disposition. Rheinbachs Technischer Beigeordneter Torsten Bölinger hatte auf Nachfrage des sachkundigen Bürgers Dr. Thomas Niedrig (FDP) im Ausschuss für Umwelt und Mobilität im Februar bereits die Vorteile einer Mitgliedschaft erläutert. Es sei ein Zeichen, wenn eine Stadt wie Rheinbach Mitglied in einer Energiegenossenschaft sei: „Wir zeigen damit unsere Verbundenheit: Wir sind dann Genossen und wir können gemeinsame Projekte in Rheinbach umsetzen, auf den Dächern unserer Gebäude und auf anderen Flächen.“
Kommune kann mitverhandeln
Außerdem gab der Dezernent zu bedenken, dass, sollten „in naher oder mittlerer Zukunft hier größere Energieerzeugungsanlagen entstehen, Windräder oder Flächen-PV-Anlagen“, die Kommune nun die rechtliche Handhabe besäße, mit dem Betreiber zu verhandeln, inwieweit eine Bürgerbeteiligung möglich sei. „Und eine gute Beteiligungsform, die sich bewährt hat, ist die Kooperation mit einer Energiegenossenschaft.“ Niedrig fragte: „Was bringt es für Rheinbach, was ich nicht sonst auch kriegen könnte?“ Bölinger: Eine Mitgliedschaft in Energiegenossenschaften sei „ein Zeichen, die Energiewende voranzubringen auf Augenhöhe mit den Partnern“. Die Stadt sei auf diese Weise per Ratsbeschluss mit ihren Partnern verbunden worden: „Das macht Verhandlungen für uns einfacher, weil wir die Rückendeckung des Rates haben.“
CDU-Ratsherr Joachim Schneider wollte wissen, warum die bewilligte und zur Verfügung stehende Summe nicht voll ausgeschöpft wird? Ludger Banken erläuterte, dass die Höchstsumme bei zwei Genossenschaften bereits erreicht sei und es bei der dritten Genossenschaft nicht zwingend erforderlich sei, dass die Beteiligung erheblich über der jetzigen Summe läge. „Die Musik spielt ja nicht in der Beteiligung, sondern in den einzelnen Projekten, an denen wir uns gegebenenfalls beteiligen könnten.“
BERV
Die BürgerEnergie Rhein-Voreifel (BERV), wurde 2024 gegründet mit dem Ziel, die Erzeugung von Ökostrom zwischen Ahrweiler und Bornheim für den Eigenbedarf sicherzustellen. Die Genossenschaft hat aktuell 34 Mitglieder und verfolgt zurzeit vier Projektansätze außerhalb von Rheinbach. Zukünftig möchte die Genossenschaft Projekte wie die Errichtung und den Betrieb von PV-Anlagen auf Dachflächen städtischer Gebäude initiieren. Mitglied kann jeder werden, der in der Region ansässig ist und einen Anteil im Wert von mindestens 1000 Euro zeichnet, die Grenze liegt bei 20.000 Euro je Mitglied.
BürgerEnergie Rhein-Sieg
Die 2011 gegründete BürgerEnergie Rhein-Sieg eG hat ihren Sitz in Siegburg. Sie zeichnet sich durch eine starke regionale Verankerung im Rhein-Sieg-Kreis aus und hat über 400 Mitglieder. Bedingungen für eine Mitgliedschaft sind im Fall einer Kommune der Erwerb eines Geschäftsanteils von mindestens 250 Euro und ein einmaliges Eintrittsgeld von 30 Euro. Die Anzahl der Anteile ist abhängig von der Freigabe des Vorstandes. Im vergangenen Jahr wurden 200 Anteile freigegeben und aufgrund der hohen Anfrage auf 300 erhöht. Es besteht die Möglichkeit einer Beteiligung ohne Mitgliedschaftsbindung.
eegon Eifel
Die eegon Eifel Energiegenossenschaft eG wurde 2009 gegründet und hat ihren Sitz in Wiesbaum (Rheinland-Pfalz). Sie ist eine der führenden Genossenschaften in der Eifelregion und vereint circa 1300 Mitglieder aus Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen. Die Höhe der Dividende wird in der Generalversammlung beschlossen und an die Mitglieder ausgeschüttet. In den vergangenen Jahren lag sie zwischen vier und sechs Prozent. Rheinbach kann durch die Mitgliedschaft eigene Projekte wie Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden und Nahwärmenetze in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft realisieren. Mit eigenproduzierter Energie aus Projekten der eegon Eifel Energiegenossenschaft eG können Energiekosten für kommunale Einrichtungen gesenkt werden.