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„Es wird zu wenig gebaut“Wohnen wird im Rheinland immer teurer

Lesezeit 3 Minuten
Die Preise für Immobilien haben zum Jahresende in den meisten Gegenden zugelegt (Archivbild)

Die Preise für Immobilien haben zum Jahresende in den meisten Gegenden zugelegt (Archivbild)

Die Kaufpreise für Wohnungen und Häuser bewegen sich in NRW seitwärts. Die Mieten werden aber immer teurer. In Köln kosten Objekte mit mittlerem Wohnwert pro Quadratmeter 14 Euro Miete.

Nach teils heftigen Turbulenzen haben sich die Preise für die eigenen vier Wände in NRW stabilisiert. Das ist das Ergebnis des Preisspiegels des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Die Nachfrage habe sich in den letzten Monaten „etwas belebt“ nach dem Preisverfall des Vorjahres, sagte Peter Wallisch, 1. Stellvertretender Vorsitzender des IVD in der Region West, in einer Online-Pressekonferenz am Montag.

 „Es wird ganz einfach viel zu wenig gebaut“, sagte Wallisch. Zähe Neubautätigkeit führe zu knappem Angebot. Das stabilisiere die Preise. Allerdings sorgen die hohen Bauzinsen von knapp vier Prozent, die erneut gestiegenen Baufertigstellungskosten sowie die wieder sinkenden Baugenehmigungszahlen dafür, dass von einer echten Marktbelebung keine Rede sein könne.

Es dauert länger, bis eine Immobilie verkauft wird

Die Vermarktungszeiten von Immobilien verlängerten sich, heiß es weiter. Dafür verantwortlich machten die Makler auch die Banken, die restriktiv bei der Vergabe von Immobilienkrediten seien und immer neue Papiere einforderten. Kaufen könne nur, wer die Finanzierung sicher hinbekomme. Und dafür ist dann vergleichsweise viel Eigenkapital erforderlich. Eigenheime sind laut IVD heute deutlich weniger erschwinglich als vor drei oder vier Jahren. Letztlich seien die Immobilienpreise weiter auf hohem Niveau.

Der Immobilienmarkt ist äußerst heterogen. Dabei ist das Rheinland ein teures Pflaster. Für das freistehende Eigenheim in Köln oder Düsseldorf in mittlerem Wohnwert müssten Käufer zwischen 640.000 und 720.000 Euro investieren. Dabei wird in Düsseldorf der höhere Preis bezahlt. Hier kostet das freistehende Haus in gutem Wohnwert auch über eine Million, während es in Köln noch knapp unter der Marke zu bekommen ist.

Da lohnt ein Blick ins Umland.
Peter Wallisch, IVD West

„Da lohnt ein Blick ins Umland“, sagte Wallisch. In Mettmann und Karst kosten vergleichbare Häuser mit mittlerem Wohnwert 435.000 beziehungsweise 470.000 Euro. Im Speckgürtel von Köln werden in Pulheim, traditionell ein teurerer Standort, 600.000 Euro fällig, in Frechen 500.000 und in Leichlingen 385.000 Euro. In weiter entfernten Kommunen gibt es auch Häuser für unter 300.000 Euro. Reihenmittelhäuser sind etwas günstiger. Sie kosten etwa in Köln stabil 580.000 und in Bonn 450.000 (2024: 470.000) Euro.

In mittleren bis kleineren Kommunen seien bereits wieder Preissteigerungen zu beobachten, so Wallisch. Auch in Bedburg oder Rheinbach hätten die Preise in den vergangenen Monaten um durchschnittlich zwei bis vier Prozent zugelegt. Einen generellen Trend „raus aus der Stadt“ gibt es laut IVD aber nicht. Dem setzten oft schlechte Bahnverbindungen oder volle Straßen Grenzen, auch wenn tageweise im Homeoffice gearbeitet werden kann.

Preis von Eigentumswohnungen in Köln hat sich seit 2015 mehr als verdoppelt

Ähnlich ist laut IVD die Entwicklung bei Eigentumswohnungen. Neue Wohnungen kamen kaum auf den Markt. In Köln kletterten so die Quadratmeterpreise von 2650 Euro im Jahr 2005 über 3440 Euro in 2015 auf aktuell 7030 Euro. Sie haben sich in den letzten zehn Jahre also mehr als verdoppelt. In Duisburg stiegen sie dagegen in 20 Jahren eher gleichmäßig von 1810 auf 3760 Euro.

Wenig Wohnungsbau und kaum finanzierbare Wohnungen und Häuser – das lässt die Mieten steigen. Zumal auch und Unsicherheit wegen der aktuellen politischen Krise oder Modernisierungsanforderungen etwa durch das Heizungsgesetz Mieter nicht den Schritt ins Eigenheim wagen. Im Schnitt legten die Mieten in den vergangenen zwölf Monaten zwischen zwei und fünf Prozent zu. Und das ist laut IVD unabhängig davon, ob es sich um Altbauten, Wohnungen im Bestand oder Neubauwohnungen handelte.

14 Euro pro Quadratmeter in Köln für mittlere Wohnungen

In Köln müssen Mieter für Wohnungen im Bestand mit mittlerem Wohnwert 14 Euro pro Quadratmeter kalt bezahlen. Das ist laut IVD ein Euro mehr als vor einem Jahr. Bei gutem Wohnwert werden 16 (15) Euro fällig, bei sehr gutem Wohnwert sogar 18 (17) Euro. Bei Neubauwohnungen in Köln müssen Mieter eine Netto-Kaltmiete von 18,00 (17,00) bei gutem Wohnwert zahlen, bei sehr gutem Wohnwert seien es 20,00 (19,00) so der IVD. Eine Verbesserung der Situation ist für Braschoß in naher oder mittlerer Zukunft nicht in Sicht.