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Neubaugebiet „Weinberger Gärten“Die Meckenheimer fürchten einen Verkehrs-Gau

Lesezeit 5 Minuten

Nur ein schmales Sträßchen führt ins neue Baugebiet „Weinberger Gärten“ in Meckenheim, das die Baufahrzeuge nutzen müssen. Die Anlieger fordern die Politik auf, sich eine Alternative zu überlegen.

Meckenheim – Noch biegt nur der kleine Traktor des Meckenheimer Landschaftsgärtners Günther Wiederhold früh am Morgen von der Straße „Auf dem Stephansberg“ in den Brentanoweg ein, um von dort aus Richtung Rosenkultur zu rumpeln.

In absehbarer Zeit jedoch soll der schmale, zwischen Kinderspielplatz und Bolzplatz liegende Weg, zur Baustraße werden und mit dem Straßenzug „Auf dem Stephansberg“ ins Neubaugebiet „Weinberger Gärten“ führen. Die Anwohner des Stephansbergs befürchten „monatelangen Gestank und Dreck durch Erschließungs-Lastverkehr im Minutentakt“ – und sie wehren sich.

Anwohner fürchten Verkehrslärm durch Baustelle

Gegründet wurde eine Bürgerinitiative, deren Mitglieder ihrem Unmut während der jüngsten Ratssitzung Luft gemacht und Bürgermeister Bert Spilles 30 Unterschriften gegen die geplante Verkehrsführung überreicht hatten. In einem an Verwaltung und Rat gerichteten Brief gab man zu bedenken, dass durch den „enorm aufkommenden Schwerlastverkehr ein Verkehrs-Gau droht und eine Umweltbelastung von außerordentlichem gesundheitlichen Gefahrenpotenzial“.

Alles zum Thema Bonner Straße (Köln)

Die Planung mit nur einem Zuweg ins Neubaugebiet nennt Christian Seidler, Sprecher der Bürgerinitiative „Stephansberg“, eine „sehr unglückliche Idee“. Für die Anwohner bedeute das eine Belastung durch Sattelschlepper und sonstigen Baufahrzeuge direkt vor ihren Türen. Es graue allen davor, führt der 37-Jährige vor Ort aus.

Christian Seidler spricht für die Initiative.

Zur Planung: Vorgesehen ist momentan eine über den Stephansberg führende Baustraße ins rund 51.000 Quadratmeter große Plangebiet, das im Norden von der Bonner Straße und der Gudenauer Allee umschlossen wird und im Süden an den nördlich der Straße „Auf dem Stephansberg“ liegenden Altbestand angrenzt. Eine unmittelbare Anbindung an die Bonner Straße oder die Gudenauer Allee ist während der Bauphase nicht geplant, nach Fertigstellung wiederum sind nur für Radfahrer und Fußgänger Verbindungswege zu den zwei großen umgrenzenden Straßen vorgesehen.

Eine Baustraße sei jedoch zu wenig, führt Familienvater Seidler aus, der sich um die Sicherheit sowohl seiner eigenen Tochter als auch um die der Schüler auf ihrem Weg zu den Grundschulen in der Altstadt Sorgen macht. „Wir fordern eine weitere Zufahrt ins sowie eine Ausfahrt aus dem Baugebiet, um den Stephansberg zu entlasten.“

Die Formulierung der Verwaltung, dass ein zweiter Zuweg „nicht vorgesehen“ sei, könnten die Anlieger nicht akzeptieren, denn dieser Ausdruck begründe nicht, warum nicht zumindest während der Bauzeit beispielsweise eine Schotterstraße für den Bauverkehr eingerichtet werden könne, erläutert Sprecher Seidler und fordert im Namen der Anwohner Stadt- und Verkehrsplaner auf, „sich etwas mehr Gedanken über die Verkehrsanbindung und den Baustellenverkehr zu machen“.

Bauvorhaben wird grundsätzlich begrüßt

Während der Ratssitzung habe man „den Widerspruch der Anlieger schon einmal anmelden wollen“. Bürgermeister Bert Spilles hatte im Rat zum Unwillen einiger Betroffener darauf hingewiesen, dass Beiträge zu Tagesordnungspunkten grundsätzlich während der Sitzungen nicht gestattet seien, die Bürger jedoch später noch die Gelegenheit bekämen, ihre Meinung kundzutun: „Im Laufe des Verfahrens wird das sicherlich noch berücksichtigt werden.“

Einem großen Teil der Anwohner bereite ebenfalls das höhere Verkehrsaufkommen Sorge, das von den geplanten 145 Wohneinheiten zu erwarten sei, so Christian Seidler weiter. Entstehen sollen auf 43.000 Quadratmeter Wohnbaufläche 42 Wohnungen in Geschossbauweise, 24 Einzelhäuser, 36 Doppel-, 37 Reihen- und sechs Kettenhäuser. „Geht man pro Wohneinheit von zwei Pkw aus, so kommt man auf eine Belastung von rund 300 Pkw“, ist im Brief der Bürger zu lesen.

Hinzu käme der tägliche Autoverkehr, zu dem ebenfalls Paketzusteller, Lieferdienste, Handwerker und Besucher zählten. Als bedenklich knapp bemessen erachten die Anwohner ebenfalls die Anzahl der zusätzlich zu den Privatparkplätzen geplanten 50 Besucherparkplätze. Befürchtet wird, dass diese nicht ausreichen und die an der Straße liegenden Parkbuchten am Stephansberg belegt werden könnten: „Wir sind aber froh, Ausweichparkplätze zu haben.“

Er macht gleichzeitig deutlich, dass man das Bauvorhaben grundsätzlich begrüße: „Es ist gut, dass dort neue Wohneinheiten entstehen und junge Familien nach Meckenheim ziehen.“

Das sagen die Parteien

Die Ratsfraktionen von SPD, BfM und FDP haben sich zum Thema Baugebiet „Weinberger Gärten“ und zur Bürgerinitiative zu Wort gemeldet:

„Das Baugebiet hat alles, was für die Errichtung in Meckenheim dringend benötigten zusätzlichen Wohnraums für die Meckenheimer Bürgerinnen und Bürger spricht: günstige, zentrale Lage, fußläufige Erreichbarkeit von Nahversorgung, Bus und Bahn, viel Grün, auch öffentlich geförderte Wohnungen“, so SPD-Fraktionssprecherin Dr. Brigitte Kuchta. (...) Einige Anwohner des an die Weinberger Gärten angrenzenden Wohngebiets befürchten einen „Verkehrs-Gau“ und Umweltbelastungen mit außerordentlichem gesundheitlichem Gefahrenpotenzial. „Hier muss Überzeugungsarbeit geleistet werden – überall in Meckenheim hat der Bau von Häusern für Neubürgerinnen und -bürger Lärm und zusätzlichen Verkehr erzeugt, wird dies auch künftig tun und damit andere belasten. Es gilt allerdings auch darauf zu achten, dass den Anwohnern der an die Weinberger Gärten angrenzenden Wohngebiete vermeidbare Belastungen während der Bauzeit erspart und nur unvermeidliche Belastungen zugemutet werden.“ Es gehe insbesondere um die Frage gehen, ob während beziehungsweise nach der Bauphase die gesamte Erschließung über die Straße Am Stephansberg geführt werden muss oder ob Lösungen möglich sind, die den Verkehr von der Bonner Straße oder der Gudenauer Allee her anders organisieren.“

Die Bürger für Meckenheim (BfM) halten angesichts der Meckenheimer Verkehrsprobleme einen Umbau der Kreuzung Gudenauer Allee/Bonner Straße/Lüftelberger Straße in einen großzügigen Kreisverkehr für sinnvoll. „Die Ampeln mit ihren langwierigen Schaltphasen könnten abgeschaltet werden und der Verkehr häufiger ohne Halt diesen Verkehrsknotenpunkt passieren.“ Dabei fließe das Neubaugebiet „Weinberger Gärten“ als aktueller Gesichtspunkt mit ein, das mit einem fünften Arm an den Kreisverkehr angebunden werden könnte, teilt Pressesprecher Joachim Behne mit.

Nach bisheriger städtischer Planung soll das neue Baugebiet ausschließlich über den Stephansberg angebunden werden. Aus Sicht der BfM wäre ein Haupt-Anschluss an den neuen Kreisel eine elegantere Lösung. Die BfM ist sich bewusst, „dass dieser Kreiselbau die alleinigen Zuständigkeiten der Stadt überschreitet, da wegen der Landesstraße 158 und der Kreisstraße 53 die Behörden des Landes und des Kreises einzubinden sind. Das wäre wahrscheinlich mühsam und langwierig. Dennoch sollte einer solchen Lösung auf lange Sicht der Vorzug gegeben werden.“

Die Meckenheimer Liberalen haben angekündigt, die Initiative zu unterstützen und gemeinsam mit der Verwaltung nach Lösungen zu suchen, „die möglichst allen Interessen gerecht werden können und eine breite Akzeptanz bei den betroffenen Bürgern finden“, so der Orts- und Fraktionsvorsitzende Heribert Brauckmann „Wir nehmen die Sorgen der Bürger ernst“, unterstreicht Brauckmann. Die FDP hat Vertreter der Bürgerinitiative zum Gespräch eingeladen. (jr)