Nach Mord in Kerpen-Horrem„Was hat meine Frau getan?“
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In Gedenken an die getötete Mutter: Vor der Haustür des Mietshausesund der Wohnungstür legten Anwohner Blumen nieder. (Foto: Schubert)
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KERPEN-HORREM – KERPEN-HORREM. Mit schaukelnden Ranzen traben vier Kinder den Parkplatz entlang, feine Schneeflocken haften auf den übergestülpten Kapuzen. Als sie die unheimliche Stelle ihres Heimwegs erreichen, zeigt ein Mädchen auf den Strauß roter Rosen. Eine welke Blüte hängt vom Fensterbrett herab. Dann marschiert die Gruppe an jenem Badezimmer vorbei, in dem genau vor einer Woche ein Unbekannter den Kopf einer Mutter von den Schultern trennte.
In den Abendstunden des vergangenen Dienstags sind ihre vier als Halbwaisen zurückgebliebenen Kinder in psychologischer Betreuung, der Witwer ist von den Angehörigen nicht mehr zu erreichen, und die Ermittler einer Mordkommission bergen den Leichnam aus einer Lache von Blut.
Wo ist der Täter? Weshalb flüchtete er am helllichten Tag mit dem abgeschlagenen Kopf aus dem Horremer Wohngebiet? Wie konnten ihm Enthauptung und Flucht gelingen, ohne eine verräterische Spur zu hinterlassen? Es sind Fragen, auf die Polizei und Staatsanwaltschaft sieben Tage nach der Bluttat keine Antwort zu geben vermögen.
Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera wurden entsandt, eine Hundertschaft von Polizisten zum Durchstöbern eines angrenzenden Waldstücks zusammengeschart - aber Erfolgsmeldungen blieben trotz dieser spektakulären Suchmethoden aus. Während die Mordkommission erst den Witwer, dann Angehörige und Anwohner vernahm, wurden alle Presseanfragen abgeblockt.
Am Montag ist der Familienvater, der zur Tatzeit in einer Werkstatt gearbeitet hat, selbst vor Fernsehkameras getreten. Nach dem Niederlegen der Rosen am Tatort bestätigt er die bisher als Gerüchte verbreiteten Details. Er habe versucht, den kopflosen Körper seiner Frau wiederzubeleben, und seine Kinder hätten bis heute nicht realisiert, dass ihre Mutter nie wiederkehrt.
Geld, Wertsachen, Schmuck? All das hätte er dem Täter überlassen. „Nehmt das Geld, lasst meine Frau“, ruft er in einem rückwirkenden Flehen. „Was habe ich falsch gemacht?“ „Was hat meine Frau getan?“ Die Ratlosigkeit, die Fragen, die aus dem Trauma erwachsenen Selbstvorwürfe - in den wenigen Fernsehbildern wird deutlich, was sein Leben erfüllt. Und es ist ungewiss, ob ihn diese Gedanken verlassen, wenn die Polizei den Täter fasst.