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„Trete an, um zu gewinnen“Kölner SPD nominiert Torsten Burmester als OB-Kandidaten

Lesezeit 5 Minuten
Der OB-Kandidat der Kölner SPD, Torsten Burmester (M.), mit den beiden Parteivorsitzenden Claudia Walther und Andre Schirmer.

Der OB-Kandidat der Kölner SPD, Torsten Burmester (M.), mit den beiden Parteivorsitzenden Claudia Walther und Andre Schirmer.

Die Kölner SPD hat Torsten Burmester einstimmig als Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 14. September nominiert.

Es gab keine Gegenkandidaten, keine Nein-Stimmen und keine Enthaltungen. Bei seiner Nominierung als Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters erhielt Torsten Burmester (61) am Samstag beim Parteitag der Kölner SPD im Bürgerzentrum Chorweiler in offener Abstimmung 100 Prozent Rückhalt von der Basis. Sie bestätigte das Votum des Parteivorstands, der Burmester im November einstimmig nominiert hatte. Allerdings findet seine endgültige Wahl erst auf einer Wahlkreiskonferenz am 3. Mai statt. Dann werden auch die SPD-Kandidaten für den Stadtrat offiziell nominiert.

Burmester hat an der Kölner Sporthochschule studiert, lebt seit fast 40 Jahren in Köln und war bis Dezember 2024 Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes. Nach seiner Nominierung jubelten ihm die Genossen begeistert zu. Viele hielten rote Schilder hoch, mit Slogans wie „Macher mit Herz“ und „(O)Bürgermeister - Burmester“.

Der OB-Kandidat zeigte sich siegesgewiss: „Wir werden als SPD nach zehn Jahren wieder den Oberbürgermeister in unserer Stadt stellen. Und gemeinsam werden wir Köln sozialer, sicherer und stärker machen.“ Der Rundschau sagte er: „Das einstimmige Votum ist ein Zeichen großer Geschlossenheit der Kölner SPD, über das ich mich sehr freue. Damit können wir jetzt gestärkt in den Wahlkampf gehen.“

Burmester: SPD soll wieder stärkste politische Kraft in Köln werden

In seiner rund 30-minütigen Rede zeigte sich Burmester teils betont sachlich, aber auch kämpferisch. „Es ist mir eine Ehre, heute vor euch zu stehen. Ich verspreche euch, dass ich mit Leib und Seele kämpfen werde, mit Leib und Seele diese Wahl mit euch zusammen gewinnen will und dass wir wieder die stärkste politische Kraft in Köln werden“, rief er den 252 Delegierten zu. Die SPD hatte zuletzt bei der Kommunalwahl 2014 die meisten Stimmen geholt, sie war 2020 erstmals von den Grünen überholt worden.

Mit dem Ergebnis der SPD bei der Bundestagswahl könne niemand in der Partei zufrieden sein, sagte Burmester. „Aber wir hier in Köln haben bewiesen, dass wir nicht verzagen, auch wenn der Wind uns ins Gesicht bläst. Wir haben bewiesen, dass es sich lohnt zu kämpfen“, sagte er mit Verweis auf die von Sanae Abdi und Karl Lauterbach gewonnenen Direktmandate.

Burmester dankte der Partei für das in ihn gesetzte Vertrauen. Er werde alles, was ihm möglich sei, tun, „um eurem Vertrauen gerecht zu werden“. Zuletzt war mit Jürgen Roters von 2009 bis 2015 ein Sozialdemokrat Oberbürgermeister von Köln. Zu Roters gewandt, sagte Burmester, nach zehn Jahren werde die SPD im Herbst wieder den Oberbürgermeister in Köln stellen. 

Man lebe „in einer Zeit großer Umbrüche, Gefahren und Verunsicherungen“, betonte Burmester. Er erinnerte an den Krieg in der Ukraine und die Wahl von Donald Trump. „Was für ein schrecklicher Präsident. Was für eine furchtbare Truppe im Weißen Haus“, sagte er. Und es sei ein Schock gewesen, als am Mittwoch der Bürgermeister von Kölns Partnerstadt Istanbul verhaftet wurde. „Ich fordere Freiheit für Ekrem Imamoglu“, rief Burmester unter großem Applaus der Delegierten.

Kölner SPD will Förderprogramm für bezahlbaren Wohnraum

Dann umriss der Kandidat die Themen, die er als OB anpacken wolle: bezahlbares, Wohnen, Bildung, Arbeit, Wirtschaft, Mobilität, Sicherheit, Sauberkeit und vieles mehr. „Mein Herz schlägt für Köln und seine Menschen. Und weil das so ist, will ich, dass es Köln und seinen Menschen gut geht“, betonte Burmester. Es gehe um „das Machen - mit Herz und mit Leidenschaft“.

Delegierte der Kölner SPD halten rote Schilder mit politischen Forderungen hoch.

Mehr als 250 Delegierte kamen zum SPD-Parteitag in Chorweiler.

Es sei „ein Armutszeugnis für die Politik“, wenn Menschen in Köln keine bezahlbare Wohnung mehr fänden, sagte Burmester und zitierte aus Anzeigen, wonach etwa ein 14 Quadratmeter großes WG-Zimmer 955 Euro im Monat kosten solle. Diese Entwicklung dürfe man nicht hinnehmen. Deswegen werde die SPD „ein städtisches Förderprogramm auflegen, damit bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird“.

Dem Ratsbündnis warf er Untätigkeit vor. „Die Stadtpolitik ist unter Grün-Schwarz blockiert. Eigene Lösungen für drängende Probleme? Fehlanzeige.“ Die SPD sei „die einzige Partei, die die ganze Stadt im Blick hat“. Man werde gemeinsam für den Industriestandort Köln kämpfen, insbesondere an der Seite der Beschäftigten von Ford. „Ich trete an, um Köln besser zu machen, um zu gewinnen“, sagte Burmester. Bis zur Wahl seien es noch 176 Tage. Die werde er nutzen.

Ex-OB Jürgen Roters: Traue Burmester viel zu

Neben Wahlkampfauftritten, Diskussionsveranstaltungen und vielen Gesprächen mit Bürgern plant Burmester ab Anfang April ein neues Format, das er „Veedelsschicht“ nennt. Er will in Betriebe gehen und jeweils vier Stunden mitarbeiten, die Menschen dort kennenlernen und erfahren, welche Sorgen und Nöte sie umtreiben.

Der frühere SPD-Oberbürgermeister Jürgen Roters (76) sagte der Rundschau, er traue Burmester viel zu. „Er ist jemand, der die Dinge sehr pragmatisch angeht. Der nicht riesige Versprechungen macht, die man nicht einhalten kann, sondern der klare Schwerpunkte benennt und versucht, Dinge umzusetzen. Seine Rede war wirklich passend für die heutige Zeit. Ich bin sehr zuversichtlich, muss ich sagen. Es herrscht Aufbruchstimmung.“

SPD Köln wählt neue Doppelspitze mit Claudia Walther und Andre Schirmer

Am Nachmittag beschloss der Parteitag das Programm der SPD für die Kommunalwahl am 14. September. Bei der Wahl des neuen Vorstands wurde die Vorsitzende Claudia Walther mit 87,8 Prozent Zustimmung wiedergewählt. Ihr neuer Co-Vorsitzender Andre Schirmer kam auf 82,8 Prozent der abgegebenen Stimmen. Er folgt auf Florian Schuster, der aus persönlichen Gründen nicht für eine zweite Amtszeit kandidiert hatte. Zu neuen stellvertretenden Parteivorsitzenden wurden Sercan Bars, Berit Blümel und Heidi Irlenbusch gewählt.

Köln, RSK, SPD-Parteitag in Chorweiler

Der bisherige Kölner SPD-Vorsitzende Florian Schuster (2.v.r.) kandidierte nicht mehr. Zu seinem Nachfolger wurde Andre Schirmer (r.) gewählt.

Aus der Basis wurde Kritik laut, dass sich der Vorstand dagegen ausgesprochen hatte, die SPD-Abgeordneten Lena Teschlade und Karl Lauterbach als stellvertretende Parteichefs einzubinden, beide hätten ihr Interesse bekundet. Claudia Walther argumentierte, die Abgeordneten seien ohnehin als ständige Gäste in den Vorstand eingebunden. Würde man sie zu Parteivize wählen, würden die ehrenamtlichen Bewerber für dieses Amt leer ausgehen.

Der Parteitag traf auch eine Vorentscheidung darüber, wer bei der Kommunalwahl in den 45 Wahlkreisen für die SPD kandidiert. Die Delegierten stimmten einer Liste mit den Namen der Bewerber zu, die von ihren Ortsvereinen nominiert wurden. Den endgültigen Beschluss über die Ratskandidaten trifft die Wahlkreiskonferenz am 3. Mai. Im Wahlkreis Kalk 1 kam es zu einer Kampfkandidatur von Sercan Bars und Christian Robyns. Einer der beiden zuständigen Ortsvereine hatte für Bars votiert, der andere für Robyns. Im ersten Wahlgang gab es für keinen von beiden eine absolute Mehrheit, worauf ein zweites Mal abgestimmt werden musste. Dabei setzte sich Robyns ganz knapp mit 84 zu 83 Stimmen durch.