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„Es ist jeder Tag noch ein Kampf“Einblick in die Baustelle der Kölner Oper

Lesezeit 4 Minuten
Ein Bauzaun trennt derzeit noch Bühne und Zuschauerraum im Kölner Opernhaus.

Ein Bauzaun trennt derzeit noch Bühne und Zuschauerraum im Kölner Opernhaus.

Die Fertigstellung der Kölner Oper ist für Ende 2025 geplant. Ob es mit der Wiedereröffnung zum Beginn der Spielzeit 2026/27 klappen wird, steht aber noch nicht fest.

Im Kino kann man zurzeit im Spielfilm „Köln 1975“ den magischen Moment nachempfinden, als der amerikanische Jazzpianist Keith Jarrett am 24. Januar 1975 auf der Bühne des Kölner Opernhauses vor ausverkauftem Saal den ersten Ton seines legendären „Köln Concert“ spielt. Damals hätte sich wohl niemand träumen lassen, dass die Bühnen am Offenbachplatz einmal für rund 14 Jahre geschlossen sein werden.

Im Juni 2012 begannen die Generalsanierung von Oper und Schauspielhaus sowie der Neubau von Kleinem Haus und Kinderoper. Bis heute sind die Bauarbeiten nicht vollendet, das Kölner Bühnendesaster um geplatzte Fertigstellungstermine und explodierende Baukosten (siehe Infobox „Chronik“) machte bundesweit Schlagzeilen.

Im Foyer der Oper mit der blauen Lochdecke gibt es noch einiges zu tun.

Im Foyer der Oper mit der blauen Lochdecke gibt es noch einiges zu tun.

Wann das Publikum endlich wieder Oper- und Theateraufführungen am Offenbachplatz wird genießen können, ist weiterhin unklar, auch wenn die Verantwortlichen der Bühnensanierung inzwischen ziemlich selbstbewusst das nahe Ende der Bauarbeiten verkünden. Man sei sich „zu 90 bis 95 Prozent sicher“, dass der Bau im vierten Quartal 2025 fertiggestellt sein wird, erklärte Projektleiter Jürgen Marc Volm am Mittwoch vor Journalisten bei einem Rundgang mit Baudezernent Markus Greitemann auf der Baustelle. Demnach müssten die Bauarbeiten also spätestens Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Der Zuschauersaal des Schauspielhauses ist bereits zu großen Teilen fertiggestellt. Hier laufen die Restarbeiten seit Ende November. Sie sind zu 16 Prozent erledigt.

Der Zuschauersaal des Schauspielhauses ist bereits zu großen Teilen fertiggestellt. Hier laufen die Restarbeiten seit Ende November. Sie sind zu 16 Prozent erledigt.

Daran schließen sich sogenannte „Wirkprinzipprüfungen“ an, für die Volm weitere vier bis sechs Monate einkalkuliert hat. Dabei wird getestet, ob die eingebaute Haustechnik reibungslos zusammenarbeitet. Das ist insbesondere beim Brandschutz von entscheidender Bedeutung. Ohne entsprechende Abnahmen durch Sachverständige ist ein Bühnenbetrieb nicht möglich. Diese Testphase könnte nach Volms Zeitplan also im schlimmsten Fall bis Ende Juni 2026 dauern.

Die Logen in der Kölner Oper

Die Logen in der Kölner Oper

Falls es so kommen sollte, wäre eine glanzvolle Wiedereröffnung der sanierten Bühnen zum Start der Theatersaison 2026/27 im September 2026 ein recht sportliches Unterfangen. Dann blieben zwischen der letzten Abnahme und dem ersten Vorhang keine drei Monate Zeit für den Umzug der Bühnen vom Interim im Rechtsrheinischen zurück an den Offenbachplatz.

Mit Klebezetteln an den Wänden werden die noch zu erledigenden Arbeiten koordiniert.

Mit Klebezetteln an den Wänden werden die noch zu erledigenden Arbeiten koordiniert.

Allerdings könnten Teile der Bühnen bereits früher einziehen, sagte Volm. Mit der baulichen Fertigstellung werde man die rund 2200 Räume am Offenbachplatz staubfrei übergeben. Dann könnten die Bühnen beginnen, ihre spezielle Technik, wie Scheinwerfer, Regiepulte und ähnliches einzubauen. Außerdem finden bereits technische Abnahmen für Teilbereiche der Haustechnik statt. Auf die Frage, ob man eine Eröffnung zum Beginn der Spielzeit 2026/27 anstrebe, wollte sich Greitemann nicht äußern. Dafür sei es noch zu früh und das sei ohnehin Sache der Intendanten. Mit denen spreche man jede Woche über den Fortgang der Arbeiten.

Das neue Kostümlager im Opernhaus, in dem künftig die Kostüme für die aktuellen Bühnenproduktionen aufbewahrt werden.

Das neue Kostümlager im Opernhaus, in dem künftig die Kostüme für die aktuellen Bühnenproduktionen aufbewahrt werden.

Bei dem Rundgang wirkten Teile des riesigen Bühnenbaus schon sehr weit gediehen, während andere noch nach viel Arbeit aussahen. Der große Saal in der Oper macht schon wieder wieder etwas her, obwohl die Polster der Bestuhlung noch fehlen. Im Foyer stehen große Gerüste, die blaue Lochdecke in elf Metern Höhe ist bereits gestrichen. Der Denkmalschutz habe vorgeschrieben, dass alle 140.000 Löcher innen schwarz ausgemalt werden mussten, berichtete Mitarbeiter Mark Mettelsiefen. Die originalen Fensterrahmen im Foyer wurden restauriert und mit Wärmeschutzglas neu verglast.

Blick auf das künftige Kleine Haus der Kölner Bühnen am Offenbachplatz.

Blick auf das künftige Kleine Haus der Kölner Bühnen am Offenbachplatz.

In den renovierten Büros in der achten Etage mit Blick auf die Innenstadt ringsum werden zurzeit die letzten Deckenverkleidungen aus Stahlgittern montiert und Teeküchen aufgebaut. Handwerker bekamen die Journalisten auf dem Rundgang nur wenige zu sehen, laut Volm sind derzeit im Schnitt täglich rund 240 Arbeiter auf der Baustelle tätig. Bald wolle man ihre Zahl auf 260 bis 280 steigern.

Im Schauspielhaus warten Stühle auf ihre Montage.

Im Schauspielhaus warten Stühle auf ihre Montage.

„Es ist jeder Tag noch ein Kampf, und es tauchen täglich noch unvorhergesehene Dinge auf, mit denen wir umgehen müssen, aber ich habe das Gefühl, dass wir es im Griff haben“, betonte der Projektleiter. Dass die Baustelle jetzt besser funktioniert als früher und nicht etwa ein Handwerker etwas fertigstellt, was ein anderer später wieder zerstört, um eine fehlende Leitung zu verlegen (wie es zuvor so oft der Fall war), führt Volm auf die neue Organisation zurück. Im Chorsaal, wo später Chorproben stattfinden werden, treffen sich jeden Morgen die Verantwortlichen der elf Teilprojekte und der ausführenden Firmen. Sie koordinieren die noch zu erledigenden Arbeiten mit unzähligen bunten „Post-it“-Klebezetteln an den Wänden und planen dabei jeweils drei Wochen im Voraus. Diese Art der Visualisierung funktioniere sehr gut, meinte Volm. Greitemann sagte, man müsse sich weiterhin anstrengen, um das Ziel der Fertigstellung bis Jahresende zu erreichen.