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Hilfsverein in KölnKölner Opferhilfe wird zur Stiftung umgebaut

Lesezeit 5 Minuten

Rheinlandtaler Fritz und Ulla Schramma Opferhilve e.v.

Die "Kölner Opferhilfe" wurde vom Kölner Ex-Oberbürgermeister Fritz Schramma und seiner Frau Ulla gegründet. Nun ist sie in einem tiefgreifenden Wandel.

Seit mehr als 20 Jahren sind Ulla und Fritz Schramma ehrenamtlich für den Verein „Kölner Opferhilfe“ aktiv. Im Herbst 2024 waren sie dafür feierlich mit dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) ausgezeichnet worden.

Wer die bisherige Internetadresse des Vereins aufruft, konnte sich bis Ende vergangenen Jahres einen Überblick über die Aktivitäten anschauen. Zugleich fand sich an prominenter Stelle eine Telefonnummer, unter der sich Opfer von Straftaten melden konnten. Wer die Nummer wählte, sollte rund um die Uhr Unterstützung bekommen.

Ehrenamtliche Helfer geschult

Mehrere ehrenamtliche Helfer waren darin geschult worden, mit den teils traumatisierten Hilfesuchenden umzugehen. Häufig waren auch Ulla oder Fritz Schramma selbst erreichbar. Sie nahmen sich viel Zeit, manchmal auch mitten in der Nacht. Mit zunehmendem Alter hatte der umtriebige Alt-Oberbürgermeister aber darauf hingewiesen, dass das auf Dauer kaum zu bewältigen sei.

Nun ist die Webseite verschwunden. Wer sie trotzdem ansteuern will, wird auf eine Seite der „Stiftung Kölner Opferhilfe“ umgeleitet. Im Gespräch mit der Rundschau sorgt Fritz Schramma für Aufklärung: Selbstverständlich helfe man weiterhin Betroffenen, aber die Zeiten hätten sich geändert.

Gegründet worden war die „Kölner Opferhilfe“ vom Ehepaar Schramma im Jahr 2002. Zuvor war am 31. März 2001 ihr gemeinsamer Sohn Stephan Schramma als unbeteiligter Fußgänger bei einem Autounfall am Rudolfplatz getötet worden. Zwei Männer, die den Unfall verursacht hatten, waren später wegen eines illegalen Straßenrennens mit Todesfolge zunächst zu Haft-, in zweiter Instanz dann aber zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Mehrere Hundert Menschen betreut

Das Ehepaar Schramma brauchte in dieser Situation selbst Unterstützung, um das Trauma zu bewältigen. „Mit der Opferhilfe haben wir im Laufe der Zeit mehrere Hundert Menschen betreut“, erzählt Fritz Schramma: „Für uns war es wichtig, das Geschehene zu akzeptieren, das Schicksal anzunehmen, und zu versuchen, in der Praxis etwas für andere Betroffene zu tun.“

Bei den vielen Gesprächen, die die Schrammas eben auch selbst führten, sind die Erinnerungen an das eigene Erleben immer wieder hochgekommen. „Auch in diesen Tagen sind wir oft an Stephans Grab“, berichtet Fritz Schramma kurz vor dem Jahrestag des Unfalls: „Das ist aber immer ein Thema für uns.“

Um das Engagement zugunsten von Opfern dauerhaft zu erhalten, erschien ihnen die Konzentration auf eine Stiftung zielführend. Der Verein soll künftig in dem neuen Konstrukt aufgehen. Das Team für die Stiftung ist bereits gewählt, das Stiftungsmanagement der Sparkasse hat die Organisation übertragen bekommen. „Wir als Laien können das gar nicht selbst machen“, sagt Schramma.

Stiftung wartet auf Bezirksregierung

Das alles ist schon lange vorbereitet, aber es geht noch nicht so richtig voran. Die Gründung einer Stiftung muss von der Bezirksregierung genehmigt werden. Dort liegen die Unterlagen nach Angaben von Fritz Schramma nun schon seit einiger Zeit. „Unsere Vereinsmitglieder sind im Moment abwartend“, beschreibt er die Situation.

Unterdessen geht die konkrete Hilfe weiter, und das soll auch so sein, wenn der Verein unter dem Dach der Stiftung aufgehen wird. Die Kontaktaufnahme erfolgt nicht mehr über eine Tag und Nacht erreichbare Telefon-Hotline. Manche Menschen, die Opfer von Straftaten oder Unfällen werden, melden sich per Mail selbst, andere werden von Institutionen oder Kliniken über das Angebot informiert.

Das Vorstandsteam von Verein und Stiftung entscheide dann meist sehr schnell. „Für die Betroffenen ist es völlig egal, wie das hinter den Kulissen konkret funktioniert“, erklärt Schramma: „Hauptsache, sie bekommen die Zusage für die Kostenübernahme zum Beispiel für eine Therapie.“

Beharrlicher Einsatz

Ulla und Fritz Schramma setzen sich neben ihrer Arbeit für die selbst gegründete Organisation auch öffentlich beharrlich für das Thema Opferschutz ein. Emotionen spielen dabei immer wieder eine Rolle – etwa, wenn der Alt-Oberbürgermeister sich im Gespräch darüber aufregt, dass in Teilen der Jugendsprache der Ausspruch „Du Opfer!“ als Schimpfwort verwendet werde. „Da demonstriert jemand vermeintliche Stärke gegenüber einem anderen und setzt ihn gezielt herab. Der wird dann respektlos behandelt.“

Stattdessen müsse man dem Begriff des Opfers in der Gesellschaft wieder mehr Würde verleihen, so Schramma. Dabei könne die Justiz helfen, indem sie noch konsequenter Regelungen zum Täter-Opfer-Ausgleich umsetze. Da werde inzwischen schon mehr geleistet als in der Gründungsphase der „Kölner Opferhilfe“ vor 20 Jahren. Es sei aber noch viel zu tun. Denn tödliche Raser-Unfälle gebe es immer wieder.

Jüngst noch am vergangenen Freitag in Ludwigburg, wo abermals zwei unbeteiligte Frauen bei einem mutmaßlich illegalen Rennen getötet wurden. „So ein Vorfall macht uns jedes Mal sehr emotional“, räumt Schramma ein. Er hofft – sollten sich die Vorwürfe bestätigen –, dass die Täter hart bestraft werden. Und dass den Opferfamilien professionell geholfen wird.

Auf Spenden angewiesen

Die gemeinnützige Stiftung Kölner Opferhilfe will ihrer Satzung zufolge Menschen unterstützen, die durch Straftaten oder Unfälle als Opfer oder „Beiwohner“ der Hilfe bedürfen, beispielsweise durch Übernahme von Kosten für Psychotherapie oder notwendige Soforthilfe zur Linderung der Folgen. Zudem sollen präventive Maßnahmen zum Opferschutz gefördert und Mittel gemeinnütziger Organisationen im Dienst der Gewalt- und Unfallfolgenbewältigung gesammelt werden.

Neben aktivem persönlichem und unternehmerischem Engagement unter dem Dach der Stiftung wirbt deren Vorstand um Spenden, Zustiftungen sowie Erbschaften und Schenkungen. Der Stiftungsvorstand besteht aus dem Vorstand Jochen Dürselen, und seinem Stellvertreter Arnold Dircks. Dem Kuratorium gehören neben Fritz Schramma Heinz-Bert Schmitz, Andreas Mühlenweg und Hans-Gerhard Wirtz an.

https://www.stiftung-koelner- opferhilfe.de/