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Keine leichte AufgabeKöln bekommt eine Fußgängerbeauftragte

Lesezeit 3 Minuten
Fußgänger in der Innenstadt

Fußgänger in der Innenstadt

In Köln tritt Anfang nächsten Jahres eine Fußgängerbeauftragte ihren Dienst an, um Rechte und Interessen der Fußgänger innerhalb der Stadt zu vertreten.

Obwohl die Planungsstelle für den Fußverkehr nun bereits zum zweiten Mal besetzt wird, ist es dennoch eine Premiere. Denn Köln bekommt nun eine Fußgängerbeauftragte. Wie ein Stadtsprecher auf Nachfrage der Rundschau bestätigt, wird ab Januar eine Frau die Aufgabe übernehmen. Eine Aufgabe, die keine leichte ist.

Weiteres zu der Neubesetzung möchte die Verwaltung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt geben. Die Neue solle sich erst einmal einarbeiten und mit den anstehenden Aufgaben vertraut machen. War es bei der Erstbesetzung der Stelle eines Fußgängerbeauftragten nicht leicht, Interessenten für die Stelle zu finden, so konnte das Mobilitätsdezernat dieses Mal wohl auf eine Fülle von Bewerbungen zurückgreifen, wie zu hören ist.

Fußgängerbeauftragte in Köln: Es braucht Durchsetzungskraft

Dabei dürfte allen Bewerberinnen und Bewerbern klar gewesen sein, dass es für die Aufgabe nicht wenig Durchsetzungskraft braucht. Nico Rathmann war Kölns erster Fußgängerbeauftragte. Doch nach rund einem Jahr hat er die Stadtverwaltung im vergangenen März verlassen, ist nach Bonn gewechselt. Rathmann hat sich zu den Umständen seines Weggangs nicht geäußert, doch aus dem Umfeld des Fußgängerbeauftragten war zu hören, dass er mit den Umsetzungsmöglichkeiten unzufrieden war. Als Fußgängerbeauftragter hatte er keine Entscheidungsbefugnis. Das führte zu dem wohl bedrückenden Umstand, dass er in Bürgergesprächen viele Anregungen bekam und auch Verbesserungsvorschläge machen konnte, doch letztlich hatte der Fahrradbeauftragte der Stadt Köln die Führung inne. Dabei sind im engen Straßenraum Kölns Fahrradfahrer und Fußgänger oftmals „Konkurrenten.“

Der neuen Fußgängerbeauftragten könnte dieser Konflikt ebenfalls drohen. Zwar wird sie genauso wie der Fahrradbeauftragte Mitglied im Verwaltungsteam Nahmobilität sein und befindet sich dabei auf Augenhöhe mit ihrem Rad-Kollegen. Wie er kann sie Ansprüche auf Teile des Budgets für die Nahmobilität geltend machen, um Maßnahmen zu finanzieren. Doch die Krux: Der Fahrradbeauftragte ist der Leiter des Teams Nahmobilität.

Fußverkehr nicht unter Radverkehr

Das Mobilitätsdezernat sieht darin dennoch keinen Konflikt. Zwar sei die Hierarchie, wie gerade beschrieben, richtig wiedergegeben, aber: „Das bedeutet jedoch nicht, dass der Fußverkehr dem Radverkehr untergeordnet wird. Rad- und Fußverkehrsmaßnahmen hängen häufig zusammen und werden zusammengedacht. Dabei kann sowohl der Fußverkehrsbeauftragte als auch der Radverkehrsbeauftragte Einschätzungen geben“, sagt ein Stadtsprecher. Zudem hätten die bisherigen Erfahrungen gezeigt, dass es dabei keine Unstimmigkeiten gebe.

Dennoch ist der Kölner Lobbyverband Fuss e.V. nicht glücklich mit der Eingliederung der künftigen Fußgängerbeauftragten. „Ich sehe das kritisch“, sagt dessen Sprecherin Anne Grose. Der Verband hatte der Verwaltung ein Konzept für die Neubesetzung vorgelegt. Dabei war es Grose und ihren Mitstreitern wichtig, dass der Fußverkehr in der Verwaltung personell breiter aufgestellt wird. Sie sahen einen Hauptgrund für die mutmaßliche Resignation des ersten Kölner Fußverkehrsbeauftragten darin, dass er in der Verwaltung als Einzelkämpfer allein auf weiter Flur stand. Angelehnt an Erfahrungen anderer Städte mit dem Aufgabenbereich sah das Konzept von Fuss e.V. vier Stellen vor. Dennoch kann Grose bei der Neubesetzung auch gute Entwicklungen ausmachen: „Die Stelle wurde nun höher bewertet.“ Darum will sie den Neuanfang optimistisch begleiten: „Ich bin erst einmal offen und hoffnungsfroh.“