Zuschauer berichteten beim Südstadtfest auf der Bonner Straße über Enge und Platzangst.
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Köln – So voll wie am Sonntagabend war die Bonner Straße vielleicht noch nie. Ein Konzert von Querbeat war zum Abschluss des zweitägigen Südstadtfest angekündigt, schon mehr als eine Stunde vor dem Auftritt der Band warteten die Fans vor der Bühne auf Höhe des Bonner Walls.
Je später es wurde, desto mehr Menschen rückten aus Richtung Chlodwigplatz nach – es wurde verdammt eng. Die Situation wuchs auch dem Veranstalter über den Kopf: Gegen 19.30 Uhr rief er die Polizei. Diese sorgte mit einer Hundertschaft dafür, dass nicht noch mehr Menschen vor die Bühne strömten.
„Wir haben nicht damit gerechnet, dass so viele Leute kommen. Das hat uns wirklich überrascht“, sagte am Montag Alice Baker, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Bonner Straße/Chlodwigplatz (ABC), die das Straßenfest mitveranstaltet. „Wir haben kurz vor dem Auftritt gemerkt, dass unsere Security der Menschenmassen nicht mehr Herr wird.“
Mehr ging nicht: Kinder und Erwachsene verfolgten das Konzert auf der Bonner Straße sogar von Bushaltestellendächern.
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Einen weiteren Anruf bei der Polizei gab es auch von Straßenfest-Besuchern – es sei viel zu voll auf der Bonner Straße. Nach dem Konzert beschwerten sich zudem Zuschauer in den sozialen Netzwerken: über Panik und Platzangst, viel zu wenig Security und fehlende Rettungswege.
„Man kann froh sein, dass da nichts passiert ist“, schrieb ein Zuschauer bei Facebook. „Ich war nur froh, dass ich aus dieser beklemmenden Menge heil rausgekommen bin“, schrieb eine andere. Manch einer fühlte sich sogar an die Loveparade in Duisburg erinnert.
Kein Sicherheitskonzept
Ein Sicherheitskonzept für die Bühne existierte nicht – das sei bei einem normalen Straßenfest aber auch nicht üblich, sagte Abteilungsleiter Dirk Schmaul vom Ordnungsamt auf Nachfrage der Rundschau. Seine Mitarbeiter wurden am Sonntagabend von der Polizei um Amtshilfe gebeten, auch sie hatten im Vorfeld nicht mit dem Ansturm gerechnet. Wie kommt es, dass ein zwei Tage ganz normales Straßenfest zum Massenevent wird? Aufrufe in sozialen Medien könnten eine Rolle gespielt haben, sagt Schmaul. Auch die große Beliebtheit der Band. Bereits im vergangenen Jahr hatte Querbeat auf dem Südstadtfest gespielt – vor vielen, aber nicht zu vielen Zuschauern.
Veranstalter, Polizei und Band haben sich noch vor Beginn des Konzerts (um 20.15 Uhr) beraten, so Alice Baker. „Wir haben angeboten, die Veranstaltung abzubrechen“, so die ABC-Vorsitzende. Die Situation sei aber unter Kontrolle gewesen. „Keiner wurde mehr auf die Fläche gelassen.“ In einer Durchsage forderte auch Querbeat das Publikum auf, friedlich zu feiern, und auf diejenigen zu achten, die neben ihnen stehen. Um 21 Uhr endete das Konzert – ursprünglich hatte die Band noch länger spielen sollen. Der Stimmung auf der Straße tat das Ganze keinen Abbruch – im Gegenteil: Menschen kletterten auf Bushaltestellen, um besser sehen zu können.
Lehre für kommende Jahre
Auf den angrenzenden Balkonen wurde zu „Guten Morgen, Barbarossaplatz“ und „Tschingderassabum“ getanzt. Daniel Breidenbach ließ sich auf einem aufblasbaren Flamingo über die Hände der Fans fast bis zur nächsten Straßenecke treiben. „Danke fürs Kommen, Dasein, Abgehen und für diesen liebevollen Vibe untereinander“, schrieb Querbeat nachher auf ihrer Facebook-Seite und erklären, sie seien während des Konzerts immer in Kontakt mit Polizei und Veranstalter gewesen. „Wir hätten notfalls sofort abgebrochen.“
Ein Heimspiel war das Konzert für Querbeat – die Band hat ihren Proberaum am Volksgarten.
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Für das kommende Jahr ziehe man eine Lehre daraus, so Baker. Eine Option sei, Bands einzuladen, die nicht die große Masse ansprechen. Eine andere ein umfassenderes Sicherheitskonzept. Unter Umständen hat das Straßenfest aber auch noch ein Nachspiel für den Veranstalter: Das Ordnungsamt untersucht noch, ob durch Buden oder andere Aufbauten Rettungswege auf der Bonner Straße versperrt wurden. Dafür kann auch die ABC als Mitveranstalter haftend gemacht werden.
Querbeat beliebter denn je
Querbeat ist nach ihrer gerade abgeschlossenen Deutschlandtour weiter auf Erfolgskurs: Alle fünf Konzerte, die für Oktober in Köln geplant sind, sind bereits ausverkauft, darunter auch das E-Werk und das Palladium.
Am 30. Juni spielen sie mit LaBrassBanda beim Kunstrasen in Bonn. Erstmalig wird Querbeat das Summerjam-Festival am Fühlinger See (6. bis 8. Juli) eröffnen. Weitere Festivals: Parookaville auf dem Airport Weeze, MS Dockville in Hamburg und Juicy Beats in Dortmund. (wes)