Trumps Zollpolitik drückt globale Aktienmärkte tiefrot, belastet Handelspartner und riskant für Weltwirtschaft. EU sucht Verhandlungslösung.
US-Handelskrieg eskaliertSchlimmster Tag seit Jahren – Trumps Zollpolitik löst globalen Börsensturz aus

Trumps Zollpolitik löst globalen Börsensturz aus.
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Nach der Verkündung des umfangreichen Zollpakets von US-Präsident Donald Trump bereitet sich die Welt auf mögliche Gegenschläge vor. Sowohl die Europäische Union als auch China haben bereits Gegenmaßnahmen angekündigt, suchen jedoch gleichzeitig weiterhin den Dialog, um eine Eskalation zu vermeiden.
Wirtschaftliche Auswirkungen des US-Zollpakets
Die von Trump verkündeten Zölle dürften die Wirtschaft weltweit aus Sicht von Ökonomen ausbremsen und könnten die Teuerung global befeuern und so Verbraucher erheblich belasten. Die Sorge vor einer anhaltenden Rezession in Deutschland, wo vor allem die Autoindustrie und der Maschinenbau von der aggressiven Handelspolitik Washingtons betroffen sind, ist groß.
Das gewaltige US-Zollpaket und damit verbundene Konjunktursorgen setzten die Finanzmärkte weltweit unter Druck. Am Frankfurter Aktienmarkt fiel der Dax deutlich. Zuvor gab es bereits kräftige Kursverluste an den Börsen in Asien.
Auch die Ölpreise sanken stark, während die Flucht in sichere Anlagehäfen den Goldpreis auf ein Rekordhoch trieb. Der US-Dollar wiederum stand nach dem Zollhammer zu allen anderen wichtigen Währungen unter Druck und profitierte nicht als sicherer Hafen. Im Gegenzug legte der Euro deutlich zu.
Politische Reaktionen
Der geschäftsführende Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte: „Das ist ein Anschlag auf eine Handelsordnung, die Wohlstand überall auf dem Globus geschaffen hat.“ Der geschäftsführende Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zog eine Parallele zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Russlands Angriff auf die Ukraine. Der Präsident Außenhandelsverbandes BGA, Dirk Jandura, sprach von einem „Frontalangriff auf den Welthandel“.
Trump hatte die Zölle bei einem Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses angekündigt. So führt die US-Regierung neue pauschale Zölle von zehn Prozent auf alle Importe in die USA aus nahezu allen Ländern ein. Für einige der größten Handelspartner sollen je nach Handelsdefizit deutlich höhere Abgaben greifen.

Bundeskanzler Olaf Scholz sieht Trumps Zollpaket als „Frontalangriff auf Welthandel“.
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Auf Einfuhren aus Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union in die USA etwa sind demnach neue Zölle in Höhe von 20 Prozent vorgesehen, für China 34 Prozent. Weniger stark betroffen sind Länder, die zuletzt ein Handelsdefizit mit den USA aufwiesen. - darunter etwa Großbritannien. Unter anderem Russland wird auf der Liste nicht erwähnt.
EU bereitet Gegenmaßnahmen vor
„Wir finalisieren bereits das erste Maßnahmenpaket als Reaktion auf die Stahlzölle und bereiten nun weitere Maßnahmen vor, um unsere Interessen und Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Wann und wie die EU handelt, ist unklar. Handelskommissar Maros Sefcovic plant am Freitag eine Videoschalte mit der US-Seite. Er machte klar, sollten sich beide Seiten nicht auf einen fairen Deal einigen, werde die EU nicht tatenlos zusehen. „Ungerechtfertigte Zölle werden unweigerlich nach hinten losgehen.“
US-Handelsminister Howard Lutnick geht davon aus, dass betroffene Länder ihre Handelspolitik überdenken. „Ich erwarte, dass die meisten Länder beginnen werden, ihre Handelspolitik gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika genauer zu prüfen und aufhören, uns zu schikanieren“, sagte er.
Autozölle bereits in Kraft getreten
Die von Trump angekündigten Autozölle sind bereits in Kraft getreten, seither gelten 25 Prozent Aufschlag. Der Verband der Automobilindustrie rechnet mit großen Belastungen und steigenden Preisen, zunächst in den USA.
Mexiko sucht nach Wegen, um die Folgen für deutsche Autobauer in dem Land zu minimieren. Laut Präsidentin Claudia Sheinbaum sind VW, BMW und Mercedes-Benz bereit, ihre Produktion anzupassen, um die Ursprungsregeln des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA einzuhalten.
Kanada verhängt Gegenzölle auf bestimmte Fahrzeugimporte aus den Vereinigten Staaten. Ottawa werde alle Autos, die nicht im Rahmen des Handelspaktes USMCA produziert wurden, mit 25 Prozent Einfuhrgebühren belegen, kündigte der Ministerpräsident Mark Carney an. Die Maßnahmen sollten maximalen Schaden für die US-Wirtschaft anrichten.
Die Folgen für Verbraucher
Ein Importzoll funktioniert ähnlich wie eine Steuer. Die Abgabe muss vom importierenden Unternehmen an den Staat gezahlt werden - in diesem Fall also von Firmen in den USA. Es gilt als wahrscheinlich, dass die importierenden Unternehmen die höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben.
Trump will US-Firmen davon abhalten, Produkte aus dem Ausland einzuführen. Das soll langfristig den Produktionsstandort USA stärken. Da mit Gegenzöllen gerechnet wird und auf die exportierenden Unternehmen in den USA, aber auch in anderen Ländern Umsatzeinbußen zukommen dürften, könnte dies zu einem Rückgang der Produktion und Stellenstreichungen rund um den Globus führen.
Die Welthandelsorganisation (WTO) fürchtet wegen der geplanten und bereits eingeführten US-Zölle einen Rückgang im weltweiten Warenhandel um ein Prozent. Bisher sei von einem dreiprozentigen Wachstum ausgegangen worden. Die Situation könnte mit möglichen Vergeltungsmaßnahmen zu einem Zollkrieg eskalieren, der den Handel dann weiter beeinträchtige.
Börsen unter Druck: Der globale Finanzmarkt reagiert
Die umfangreichen und hohen Importzölle von US-Präsident Donald Trump haben Anleger kalt erwischt und die Börsen auf eine steile Talfahrt geschickt. Der Leitindex Dow Jones Industrial büßte 3,98 Prozent auf 40.545,93 Punkte ein. Das war der größte prozentuale Tagesverlust seit mehr als drei Jahren. Das Börsenbarometer rutschte auf den niedrigsten Stand seit September vergangenen Jahres.
Noch größer waren die Verluste an der von großen Technologietiteln geprägten Nasdaq-Börse. Der Nasdaq 100 sackte um 5,4 Prozent auf 18.521,48 Punkte ab und fiel ebenfalls auf den tiefsten Stand seit September 2024.
Etliche Chipaktien brachen prozentual zweistellig ein. Im Börsenjahr 2025 steht nunmehr ein Verlust von fast 12 Prozent für den Index zu Buche. Der marktbreite S&P 500 rutschte um 4,84 Prozent auf 5.396,52 Zähler ab.
Auswirkungen auf die Industrie
Unter den „Glorreichen Sieben“, den sieben größten und bedeutendsten Tech-Unternehmen, gab es nur Verlierer. Am stärksten ging es für Apple mit einem Minus von mehr als 9 Prozent abwärts. Die Aktien litten vor allem darunter, dass China ein wichtiger Produktionsstandort des iPhone- und Mac-Herstellers ist. Auf diese Komponenten dürften nun Zölle fällig werden.
Die Kurse von Chipherstellern brachen ein, die Papiere großer Produzenten wie Microchip Technology, Micron, Broadcom und NXP Semiconductors verloren prozentual zweistellig. Qualcomm und Analog Devices büßten jeweils mehr als 9 Prozent ein. Aktien von Intel entzogen sich im späten Handel dem Abwärtssog im Chipsektor und stiegen um 2,1 Prozent. Auslöser der Gewinne war ein Branchenbericht über eine Kooperation von Intel mit dem taiwanesischen Chip-Riesen TSMC.

Kursverläufe internationaler Börsenindizes seit Trumps Amtseinführung
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Auch andere Branchen mit globalen Lieferketten gerieten unter die Räder. Im Leitindex Dow traf es den Baufahrzeughersteller Caterpillar und den Flugzeugbauer Boeing überdurchschnittlich schwer.
Ebenfalls schwer betroffen waren Konsumgüterproduzenten und Bekleidungshersteller wie Nike mit minus 14,4 Prozent und Foot Locker mit minus 15,4 Prozent. Beide Aktien fielen auf mehrjährige Tiefstände. Auch die Aktien von Sportartikelherstellern wie Adidas und Puma brachen prozentual zweistellig ein, weil für sie der südostasiatische Raum ein wichtiger Produktionsstandort ist und Trump Länder aus dieser Region mit besonders hohen Zöllen überzieht.
Die Puma-Papiere konnten sich von ihrem zeitweise fast 14-prozentigen Verlust nach einem angekündigten Führungswechsel im späten Handel leicht erholen und schlossen mit einem Minus von gut 11 Prozent. Der Vorstandschef des Sportartikelherstellers, Arne Freundt, tritt „wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Umsetzung der Strategie“ zum 11. April zurück. Sein Nachfolger wird ab 1. Juli der ehemalige Adidas-Vorstand Arthur Hoeld.
Auswirkungen auf den deutschen Aktienmarkt
Auch der deutsche Aktienmarkt leidet unter den Ankündigungen der US-Regierung. Der Dax fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar und schloss mit einem Minus von 3,01 Prozent bei 21.717,39 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen verlor letztlich 2,25 Prozent auf 26.874,62 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es am Ende um 3,6 Prozent auf 5.113 Punkte abwärts. Außerhalb der Eurozone büßten der Zürcher SMI 2,5 Prozent und der Londoner FTSE 100 1,6 Prozent ein. In den USA sackte der Dow Jones Industrial zuletzt um 3,3 Prozent ab. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor 4,4 Prozent.
Unter Druck gerieten die meisten Branchen. Schwer traf es Bankenwerte aufgrund gesunkener Marktzinsen. Deutsche Bank verloren knapp 7 Prozent. Rohstoff-, Industrie-, Auto- und Techwerte sackten ebenfalls ab. Pharma-Aktien legten indes teilweise zu, weil Zölle für diese Branche vorübergehend nicht gelten sollen.
Siemens übernimmt den Anbieter von Forschungs- und Entwicklungssoftware im Bereich Life Sciences, Dotmatics für 5,1 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme sei sinnvoll, aber nicht billig, hieß es dazu von Analysten der kanadischen Bank RBC. Die Siemens-Aktien fielen um mehr als 8 Prozent. Laut Finanzchef Ralf Thomas wird die Finanzierung der Übernahme in erster Linie durch den Verkauf von Anteilen an börsennotierten Unternehmen, einschließlich Siemens Healthineers, erfolgen. Dessen Papiere büßten 7,2 Prozent ein, jene von Siemens Energy 5,6 Prozent.
Immobilienwerte zählten bei fallenden Marktzinsen zu den Gewinnern. Vonovia gewannen als Dax-Spitzenreiter 7,4 Prozent. Im MDax lagen TAG, Deutsche Wohnen, Aroundtown und LEG auf den vorderen Plätzen mit Aufschlägen zwischen 3,8 und 6,9 Prozent. Die Titel des Immobilienfinanzierers Hypoport führten den Nebenwerteindex SDax mit plus 7,3 Prozent an.
Weltwirtschaft in Gefahr
Anleger weltweit befürchten nun, dass die Weltwirtschaft schweren Schaden nehmen könnte - auch die in den USA selbst, da die Preise steigen dürften, weil viele Konsumgüter durch die Zölle teurer werden. „Damit kommt es zu einem schwierigen Spagat für die US-Notenbank“, folgerte Thomas Gitzel von der VP Bank. Einerseits dürften die Inflationsraten durch die Zölle steigen, andererseits Seite drohe die US-Wirtschaft selbst unter der Zolllast merklich abzukühlen.
Den Anlagestrategen der schweizerischen Bank UBS zufolge könnte das reale Bruttoinlandsprodukt der USA in diesem Jahr um 1,5 bis 2 Prozentpunkte sinken, während die Inflation auf fast 5 Prozent steigen könnte, falls die Zölle nicht bald zurückgenommen werden. Es passte ins Bild, dass eine Umfrage im wichtigen US-Dienstleistungssektor deutlich schwächer ausfiel als erwartet.
Die von Trump verhängten Zölle seien schädlich und riskant, die USA verließen damit die multilaterale Handelsordnung, sagte Jan Viebig, Chef-Anlagestratege bei der Investmentbank Oddo BHF. Trump gehe das Risiko eines Handelskriegs mit den wichtigsten Handelspartnern der USA ein und beschwöre aufgrund der Höhe der beschlossenen Zölle Risiken für die Weltwirtschaft herauf. (dpa)