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Weitere ErmittlungenIst Dominique Pelicot ein Mörder? – Verbindungen mit einem brutalen Mord im Jahr 1991

Lesezeit 3 Minuten
Eine Gerichtszeichnung von Dominique Pelicot (R) während des Prozess 2024.

Eine Gerichtszeichnung von Dominique Pelicot (R) während des Prozess 2024.

Der Fall stockte bis 2022, nun wird wieder ermittelt und der wegen Vergewaltigung Verurteilte hat weiter mit der Justiz zu tun.

Er wurde weltweit berühmt als skrupelloser Sexualstraftäter, der über Jahre hinweg seine Frau Gisèle mit Medikamenten betäubte, um sie alleine oder mit anderen Männern zu vergewaltigen. Am Ende eines Aufsehens erregenden Prozesses mit insgesamt 51 Angeklagten verurteilte das Gericht in Avignon im Dezember 2024 Dominique Pelicot zur Höchststrafe von 20 Jahren.

Der 72-Jährige ging nicht in Berufung, mit der Justiz hat er es dennoch weiterhin zu tun. Diese ermittelt seit 2022 gegen ihn wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und in einem nie aufgeklärten Mordfall. Als er in dieser Woche dazu befragt wurde, habe er „wie immer kooperiert“, versicherte seine Anwältin Béatrice Zavarro nach dem vierstündigen Verhör.

Ermittlungen stockten bis 2022

Im Zentrum der Untersuchungen steht der brutale Mord an der 23-jährigen Sophie Narme am 4. Dezember 1991. Die junge Immobilienmaklerin tauchte nach einem Termin für eine Wohnungsbesichtigung mit einem Klienten namens Duboste nicht mehr auf. Erst am Abend entdeckte ihr Chef, durch ihre besorgten Eltern alarmiert, ihren toten Körper in der Wohnung. Sophie Narme war mit Äther betäubt, vergewaltigt und mit ihrem Rockgürtel erdrosselt worden. „Sie verlor alle Ringe an ihren Fingern, ein Zeichen ihrer Versuche, sich zu wehren“, sagte die Anwältin ihrer Familie, Florence Rault. Ihre Haut wies Schnittwunden und Verletzungen auf, die ihr der Täter wohl mit einem Cutter zugefügt habe. Fingerabdrücke wurden nicht gefunden, das Sperma auf dem Körper der Toten ging verloren.

Die Ermittlungen stockten seit langem, als eine Untersuchungsrichterin im Jahr 2022 eine Verbindung zu einem ähnlich gelagerten Fall herstellte: Am 11. Mai 1999 wurde eine 19-jährige Immobilienmaklerin, die in den französischen Medien Marion genannt wird, in Villeparisis nordöstlich von Paris bei einer vermeintlichen Wohnungsbesichtigung auf dieselbe Weise angegriffen. Der angebliche Klient, der einen falschen Namen angegeben hatte, bedrohte sie mit einem Cuttermesser, versuchte sie mit Äther zu betäuben und mit kleinen Kordeln zu fesseln, wie sie auch bei Sophie Narme verwendet wurden. Doch es gelang Marion, sich zu befreien und in einen Wandschrank einzusperren. Nach vier Stunden wagte sie sich heraus.

Der Mann war verschwunden, doch er hatte eine Blutspur auf einem ihrer weißen Schuhe hinterlassen. So stießen die Ermittler mehr als zwei Jahrzehnte später auf die DNA von Dominique Pelicot. Das Opfer erkannte ihn wieder. Er saß bereits wegen der Vergewaltigungen seiner Frau in Untersuchungshaft, als er vor knapp drei Jahren erstmals mit dem Vorwurf konfrontiert wurde. Schließlich gestand er, er habe „einen Trieb verspürt“, als er die junge Frau in der Immobilienagentur gesehen habe. Die Tat spielte er herunter: Er habe ihr nur das T-Shirt, die Hose und die Schuhe ausgezogen, „aber nichts gemacht“ und keinen Cutter bei sich getragen. Seiner Anwältin Zavarro zufolge streitet er weiterhin jede Verbindung mit dem Mord an Sophie Narme ab.