Der Frühjahrsputz steht an – auch im Tierreich. Von der Hauskatze bis zur Seegurke gibt es faszinierende Putzfimmel.
Saubere SacheDer erstaunliche Frühjahrsputz im Tierreich

Die Katzenwäsche ist keine leere Phrase: Auch Haustiere verbringen viel Zeit für die Sauberkeit.
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Eine kleine putzige Maus ging vor einiger Zeit viral, als sie im walisischen Builth Wells jede Nacht die Werkbank des 75-jährigen Rodney Holbrook aufräumte. Die aufgestellte Wildtierkamera filmte sie dabei, wie sie über mehrere Wochen hinweg immer wieder herumliegende Sachen in eine kleine Holzkiste einräumte, von der Wäscheklammer über Korken bis hin zu Schrauben.
Das kleine ordnungsliebende Mäuschen ist keinesfalls das einzige Tier, das öfter mal ordentlich durchputzt. Eine ganze Reihe von Arten ist überaus reinlich und hält ihren Lebensraum, aber auch sich selber penibel sauber. Das machen die Tiere natürlich nicht nur so zum Spaß, sondern unter anderem um Krankheitserreger in Schach zu halten. Lediglich mit einem gereinigten Gefieder, dessen Federn nicht verklebt sind, lässt sich effektiv fliegen, und nur die Haare eines sauberen Fells können richtig aufgestellt werden, damit das eingeschlossene Luftpolster isoliert.
Katzen haben reichlich Fell zu pflegen
Jeder, der eine Katze zu Hause hat, weiß, dass die Tiere ihre Katzenwäsche durchaus ernst nehmen und einen großen Teil des Tages mit der Fellpflege verbringen. Was für uns Menschen so putzig aussieht, ist in Wahrheit eine Menge Arbeit. Guillermo Amador und David Hu vom Georgia Institute of Technology in Atlanta, USA, haben durchgerechnet, welche Fläche dabei zusammenkommt, die abgeleckt werden will. Das Besondere an der Studie: Die Forschenden haben die Oberfläche jedes einzelnen Haares des Fells mit einberechnet. Demnach muss eine normale Hauskatze immerhin eine Fläche von ganzen drei Quadratmetern ablecken, was in etwa drei Europaletten entspricht. Selbst eine Honigbiene kommt den Forschenden aus Atlanta nach auf eine zu reinigende Oberfläche von erstaunlichen 70 Quadratzentimetern, was so viel ist wie eine Scheibe Toast. Dass bei einem derart kleinen Tier wie einer Honigbiene eine so große Fläche zusammenkommt, liegt daran, dass die Biene erstaunliche drei Millionen Haare hat, die alle gepflegt werden wollen.
Die meisten Haare, die sauber gehalten werden wollen, haben die Wissenschaftler überraschenderweise nicht etwa an einem Otter entdeckt, der dafür bekannt ist, dass er ein sehr dichtes Fell hat. Vielmehr war es ein Nachtschmetterling der Art Actias luna, der atemberaubende zehn Milliarden Haare aufwies, etwa zehnmal so viele wie der Otter. Zum Vergleich: Ein Mensch hat im Durchschnitt gerade einmal rund 100.000 Stück davon auf dem Kopf.
Seegurken: Die „Müllabfuhr der Meere“
Doch Tiere reinigen natürlich nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Lebensraum. Vögel putzen ihr Nest penibel, um zu verhindern, dass sich Krankheitserreger ausbreiten können und den Küken schaden. Ein Team von Forschenden um Juan Diego Ibánez-Álamo von der Universität Groningen in den Niederlanden hat sich das genauer angeschaut. Insgesamt sammelten die Wissenschaftler Informationen über 417 Vogelarten, die ihr Nest aufräumten. Bei 95 Prozent der untersuchten Spezies brachten die Tiere sozusagen den Müll raus und trugen die Hinterlassenschaften ihrer Küken aus dem Nest, um sie zu entsorgen. Dabei wechselten sich in über 90 Prozent der Fälle beide Partner ab. Bei einigen Arten mussten die Küken auch selber ran und dafür sorgen, dass ihr Nest schön sauber blieb.
Eine Welt, die vielen von uns in der Regel verborgen bleibt, ist die Unterwasserwelt. Aber auch hier räumt eine ganze Reihe von Tieren ordentlich auf. Seegurken etwa werden nicht umsonst als Müllabfuhr der Meere bezeichnet, denn sie nehmen unablässig Sedimente vom Boden auf und lösen die organischen Substanzen heraus, von denen sie sich ernähren. So kauen sie praktisch den gesamten Meeresboden nach und nach durch, könnte man sagen, und reinigen ihn dabei.