Spektakuläre Comebacks und starke Heimbilanz unterstreichen die Meisterschaftsambitionen des ERC Ingolstadt, trotz herausfordernder Gegner.
Trümpfe und SelbstbewusstseinHaie-Halbfinalgegner ERC Ingolstadt träumt vom zweiten Titel

Alex Breton (r. gegen Nürnberg) vom ERC Ingolstadt ist DEL-Verteidiger des Jahres 2025.
Copyright: Daniel Karmann/dpa
Zur Heim-Weltmeisterschaft der deutschen Handballer Anfang 2007 veröffentlichten die „Höhner“ den Song „Wenn nicht jetzt, wann dann?“. Der schaffte es in den Charts genauso weit wie die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand auf der Platte: bis auf Platz eins. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ – das könnte 18 Jahre später auch das Motto des ERC Ingolstadt in den DEL-Play-offs sein.
Rekordsaison beflügelt Ingolstädter Meisterträume
Erster Hauptrundentriumph, so viele Siege und Punkte wie noch nie und die Qualifikation für die Champions League: Die Fans der Schanzer träumen nach rauschhaften Monaten längst vom zweiten Meistertitel der Clubgeschichte nach 2014. „Not done yet“ (Noch nicht fertig) steht auch auf den Playoff-Shirts der Panther-Profis. „Das Ziel von uns allen ist der Meistertitel, darauf liegt unser Fokus“, stellte Angreifer Myles Powell schon vor Wochen klar.
Um zu illustrieren, wie überragend die Saison der Panther verläuft, reicht ein Blick auf die Heimbilanz: In der heimischen Saturn-Arena haben die Oberbayern nur drei Partien nach regulärer Spielzeit verloren. Eine in ihrer holprigsten Saisonphase im Oktober gegen Titelverteidiger Berlin, eine Anfang März gegen Schwenningen, als ihnen Tabellenplatz eins nicht mehr zu nehmen war – und eine gegen die Kölner Haie.
Spektakuläre Comebacks als Ingolstädter Markenzeichen
Beim 1:4 Ende Januar stoppte der KEC um Doppeltorschütze Justin Schütz eine sieben Spiele umfassende Siegesserie der Ingolstädter. „Köln spielt ein wenig anders als in den Jahren zuvor“, sagt ERC-Coach Mark French, zum zweiten Mal nach 2023 „Trainer des Jahres“ in der DEL. „Defensiv strukturiert und mit einigen offensiven Waffen.“
Beinahe hätten die Haie auch ihr zweites Auswärtsspiel beim ERC gewonnen, doch ihr Zwei-Tore-Vorsprung nach 40 Minuten reichte nicht: Mit vier Treffern im Schlussdrittel rissen die Panther das Ruder noch rum, 39 Sekunden vor dem Ende besiegelte der „Verteidiger des Jahres“ Alex Breton (20 Saisontreffer) den 5:4-Erfolg. Solche Tor-Explosionen sind eine Ingolstädter Spezialität: Neunmal schaffte Frenchs Team allein im Schlussdrittel drei oder mehr Treffer.
Starke Gegner, starkes Selbstbewusstsein
Auch beim 4:2-Seriensieg im Playoff-Viertelfinale gegen die aufsässigen Nürnberg Ice Tigers legten die Panther zwei Spielabschnitte mit 4:0-Toren hin, wackelten zwischenzeitlich aber auch ordentlich und schenkten reihenweise Führungen her.
Den Kölnern gelang es ebenfalls, dem ERC auf Augenhöhe zu begegnen: Obwohl die Schanzer drei der vier Saisonduelle für sich entschieden, gewannen sie dabei nur drei der zwölf Drittel (und ein Penaltyschießen). „Die Kölner sind physisch ziemlich stark, sie haben viele Jungs, die ein bisschen größer sind als ich“, sagt der 1,73 Meter große ERC-Vorkämpfer Enrico Henriquez mit einem Lachen. Und ergänzt mit dem Selbstbewusstsein eines Hauptrundensiegers: „Offensiv sind sie gut, aber wir haben auch jedes Team geschlagen.“ Wojciech Stachowiak, mit fünf Treffern bislang erfolgreichster Ingolstädter in den Play-offs, erwartet wie gegen Nürnberg eine harte Serie. „Die Haie spielen ähnliches Eishockey, aggressiv, vielleicht ein bisschen offensiver“, meint der Nationalstürmer. „Wir müssen ihre erste Reihe ausschalten und unser Spiel spielen, dann ist es egal, was sie machen.“
Ein ausbalancierter Kader als Schlüssel zum Triumph
Der ERC hat aktuell bis auf Langzeit-Ausfall Michael Garteig im Tor keine Verletzten, verfügt über drei extrem ausgeglichene Sturmformationen und eine verlässliche vierte Reihe. In der Defensive verkörpern Breton, Ex-Hai Morgan Ellis, Mat Bodie, Leon Hüttl sowie Kapitän Fabio Wagner gehobene DEL-Qualität. Der Hunger ist nach dem verlorenen Finale 2023 gegen München nur noch größer geworden. Besonders bei Routinier Daniel Pietta (38), der wie der gleichaltrige Kölner Moritz Müller bislang vergeblich dem ersehnten Meistertitel nachjagt.
Ende Januar verstärkte dann noch Torhüter Christian Heljanko den Ingolstädter Kader, der mehrmalige finnische Meister und Champions-League-Sieger soll im Duell mit dem ebenfalls nachverpflichteten Julius Hudacek im Haie-Tor das letzte Steinchen für das Titel-Mosaik sein. Wenn nicht jetzt, wann dann?