Die Kölner Haie und der ERC Ingolstadt treffen bereits zum achten Mal in der Endrunde aufeinander, aber erstmals im Halbfinale. Dabei muss der KEC wohl auf einen Playoff-Spezialisten verzichten.
ERC Ingolstadt wartet im HalbfinaleKölner Haie gehen als Außenseiter in den Playoff-Klassiker

Playoff-Toptorjäger: Haie-Stürmer Alexandre Grenier (r., mit Justin Schütz) führt die Liste nach dem Viertelfinale mit sechs Treffern an.
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Louis-Marc Aubry spazierte nach Spiel sechs mit einem breiten Grinsen durch die Katakomben der Lanxess Arena. Die Freude über den Halbfinaleinzug seines Teams stand dem Stürmer der Kölner Haie ins Gesicht geschrieben und ließ ihn einen Moment lang vergessen, dass er den 3:1-Sieg aufgrund seiner Verletzung nur von der Tribüne aus hatte verfolgen können. Aubry trug seinen linken Arm in einer Schlaufe, bewegte ihn nicht und erledigte alles mit rechts. Eine Verletzung, die den Mittelstürmer der zweiten KEC-Sturmreihe seit Spiel zwei der Viertelfinalserie gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven zum Zuschauen gezwungen hat. Und es wohl weiter tun wird, wenn es nun im Halbfinale gegen seinen Ex-Club ERC Ingolstadt geht. Ein herber Verlust für die Haie, denn der 33-Jährige ist ein Playoff-Spieler, wie er im Buche steht.
Seit Aubry im Jahr 2017 aus der American Hockey League in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) zu den Eisbären Berlin kam, hat er von zehn möglichen Playoff-Teilnahmen neun mitgenommen. Nur in der Saison 2019/20 verpassten die Berliner die Postseason. Aubry wechselte daraufhin nach Ingolstadt, wo er von 2020 bis 2022 spielte und dann nach Köln wechselte. Der Seriensieg gegen Bremerhaven macht es vielleicht möglich, dass für den Center zu den bisherigen zwei Playoff-Einsätzen in dieser Saison noch welche hinzukommen. Die Haie geben allerdings keine Auskunft darüber, wie lange Aubry noch ausfällt.
Die Panther sind unglaublich heimstark. Ich weiß, wie sehr die Spieler bei Heimspielen unter Adrenalin stehen.
Ein anderer ehemaliger Ingolstädter sprang in Spiel sechs für Aubry in die Bresche. Tim Wohlgemuth erzielte den wichtigen 1:1-Ausgleich und leitete die spektakuläre Schlussphase mit zwei Kölner Treffern durch Alexandre Grenier in den letzten zwei Minuten ein. Grenier steht dadurch mit sechs Treffern an der Spitze der Playoff-Torjäger. Für Wohlgemuth war das 1:1 sein erstes Tor in den Playoffs 2025. Der Haie-Stürmer gab 2018 seine DEL-Premiere in Ingolstadt und absolvierte in drei Jahren 142 Spiele (32 Tore/32 Assists) für die Schanzer. Der 25-Jährige freut sich auf seine Rückkehr: „Die Panther sind unglaublich heimstark. Ich weiß, wie sehr die Spieler bei Heimspielen unter Adrenalin stehen. Es kann sehr emotional werden und ich glaube, dass die Serie sehr viel zu bieten hat. Es wird eine Monsteraufgabe für uns und wir haben viel Respekt – aber keine Angst.“
Playoffs zwischen Köln und Ingolstadt gehören zu den DEL-Klassikern. Die beiden Teams stehen sich bereits zum achten Mal gegenüber – das erste Mal in einem Halbfinale. Unvergessen bleibt die Finalserie 2014, als der ERC als Außenseiter im siebten Spiel mit einem 2:0 in Köln den Titel holte und die bis zum heutigen Tag untröstlichen Haie in ein Tal der Tränen stürzte. Einer, der alle sieben Serien mitgespielt hat, ist Moritz Müller. Drei Siege für den KEC und vier Niederlagen hat der Kapitän miterlebt. Die letzte Pleite gab es in der vergangenen Saison, als die Haie in der ersten Playoff-Runde mit 1:2 unterlagen und Cheftrainer Uwe Krupp seinen Hut nehmen musste. „Es wäre ein Fehler zu sagen, wir haben etwas erreicht, was wir die letzten Jahre nicht mehr erreicht haben. Die letzten Jahre sind vorbei, dieses Jahr noch nicht“, sagte der 38-jährige Verteidiger. Für Müller sind die Duelle gegen Ingolstadt wie Derbys — voller „Kampf und Leidenschaft“.
Kapitän Moritz Müller sieht die Kölner Haie gegen Ingolstadt als Außenseiter
Was auch daran liegt, dass ihn eine besondere Geschichte mit dem Halbfinalgegner verbindet. Im November 2006 kam es in der Kölnarena zu einer Massenprügelei zwischen beiden Mannschaften. Moritz Müller lieferte sich dabei als damals 20-Jähriger einen Kampf mit Ingolstadts Christoph Melischko und wird sich sicher auch in der anstehenden „best of seven“-Serie wieder an diese Szenen erinnern. Der Haie-Kapitän beschäftigt sich aber lieber mit der Gegenwart und sieht einen schweren Gegner auf sein Team zukommen: „Ingolstadt spielt eine starke Saison und ist Hauptrundensieger. Sie spielen ein interessantes Eishockey, sind offensiv ausgerichtet und haben hohen Speed im Team. Es steht außer Frage, dass wir der Außenseiter sind. Aber wir werden einen Schlüssel finden, um sie zu knacken.“
Wie beim 4:1 am 31. Januar - dem einzigen Sieg gegen die Panther in der Hauptrunde. Die Haie waren damit eines von nur drei DEL-Teams, denen es gelang, Ingolstadt in der regulären Spielzeit eine Heimniederlage beizufügen. Zu Hause kassierte das Team von Trainer Kari Jalonen in der Hauptrunde zwei Niederlagen (2:3/2:5). Es geht also auch um Wiedergutmachung vor eigenem Publikum. Da passt es, dass die beiden sicheren Heimspiele der Haie am kommenden Freitag und am 9. April mit 18.600 Zuschauern ausverkauft sein werden.