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Kölner HaieDer Kapitän muss eine bittere Erfahrung sammeln

Lesezeit 4 Minuten
Haie-Kapitän Moritz Müller (l.) erhält nach dem 2:3-Gegentreffer in letzter Sekunde Trost von Torwart Julius Hudacek.

Haie-Kapitän Moritz Müller (l.) erhält nach dem 2:3-Gegentreffer in letzter Sekunde Trost von Torwart Julius Hudacek.

Die Kölner Haie werden die 2:3-Heimniederlage gegen München nicht so schnell vergessen. Der Siegtreffer für die Gäste fiel 0,2 Sekunden vor Spielende.

Moritz Müller hat mittlerweile 1103 Spiele in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) auf dem Buckel und entsprechend viel erlebt. Aber eben immer noch nicht alles. Der Kapitän der Kölner Haie musste am Dienstag erfahren, wie es sich anfühlt, ein Spiel 0,2 Sekunden vor Schluss zu verlieren, nachdem erst 11,6 Sekunden zuvor der umjubelte Ausgleich des eigenen Teams gefallen war. Und wie es ist, sich verantwortlich für diese Niederlage zu fühlen.

Der mittlerweile 38-Jährige hatte zwei Sekunden vor dem Ende des Heimspiels gegen RB München hinter dem eigenen Tor die Scheibe gegen Nationalmannschaftskollege Yasin Ehliz vertändelt. Eine Situation, die er öfter als 1000. Mal zuvor souverän gelöst hatte. Diesmal nicht und so musste Müller mitansehen, wie Chris DeSousa Ehliz Scheibengewinn zum 3:2 (2:0, 0:0, 1:2)-Siegtreffer der Gäste veredelte. Der KEC-Kapitän sank aufs Eis und musste von seinen Teamkollegen, angeführt von Torwart Julius Hudacek,  getröstet werden.

Es war am Dienstag gerade einmal 25 Tage her, dass Müller gegen den gleichen Gegner das komplette Gegenteil erlebte. Die Haie hatten auch im ersten Hauptrunden-Heimspiel gegen München im Schlussdrittel zurückgelegen und zum 2:2 ausgeglichen. 1:51 Minuten vor der Schlusssirene hatte der Kölner Verteidiger die Scheibe dann mit einem seiner raren Tore zum 3:2-Siegtreffer ins Netz gezimmert.   So unterschiedlich können die Gefühlswelten eines erfahrenen Eishockey-Profis ausfallen.

Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt, dass es eine wertvolle Erfahrung sein kann.
Kari Jalonen, Chefcoach Kölner Haie

Haie-Coach Kari Jalonen und sein Münchner Kollege Don Jackson haben jeder für sich noch mehr Eishockey-Erfahrungen gesammelt als Moritz Müller, fühlten sich nach der dramatischen Partie vor 17.773 Zuschauern in der LanxessArena aber trotzdem wie Novizen. „Ich bin noch geschockt von dem letzten Tor. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte der 68-jährige Jackson, der nach seinem Comeback auf der Trainerbank den dritten Sieg im dritten Spiel feierte. „So etwas wie heute habe ich wie Don Jackson noch nicht erlebt. Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt, dass es eine wertvolle Erfahrung sein kann. Mein Vater hat mir immer gesagt, dass ein Spiel 60 Minuten geht“, erklärte der 65-jährige Jalonen.

Sein Team stand wie das von Jackson unter dem Eindruck der Geschehnisse um den an Krebs verstorbenen Tobias Eder, dessen Bruder Andreas im Kader der Münchner steht. Es stand sogar eine Verlegung der Partie im Raum. Die Mannschaften sprachen sich letztendlich für eine Austragung aus, verzichteten aber auf die Spieler-Interviews beim übertragenden Sender Magenta Sport.

München erwischte den klar besseren Start und führte nach dem ersten Drittel verdient mit 2:0. Erst eine kuriose Strafe gegen den EHC brachte den KEC ins Spiel. Die Münchner waren nach der zweiten Pause zu spät aus der Kabine gekommen. Die daraus resultierende Überzahl für Köln nutzte Josh Currie zum 1:2 (42.). Als Justin Schütz einen Schlagschuss von Verteidiger Adam Almquist bei gezogenem Torwart 11,8 Sekunden vor dem Ende zum 2:2 abfälschte, glich die Arena für 11,6 Sekunden einem Tollhaus. Dann traf DeSousa und es war still.

Freitag in Ingolstadt, Sonntag kommt Mannheim

Die Haie verpassten es durch ihre bereits elfte Heimniederlage,  die Münchner in der Tabelle von Platz fünf zu verdrängen. Als Sechster wären sie aktuell aber immer noch direkt für das Playoff-Viertelfinale qualifiziert. Die Kölner, die von Schwenningen und Straubing gejagt werden, stehen allerdings vor einem schwierigen Wochenende. Am Freitag (19.30 Uhr) geht es zunächst zum Tabellenführer ERC Ingolstadt, gegen den das Jalonen-Team   die bisherigen drei Hauptrundenpartien verloren hat. Die Haie empfangen am Sonntag (14  Uhr/beide Spiele bei Magenta Sport) dann mit Adler Mannheim noch den Tabellendritten zum nächsten Topspiel.

Es werden die DEL-Spiele 1104 und 1105 für Moritz Müller sein und es ist davon auszugehen, dass der KEC-Kapitän die außergewöhnliche Schluss-Sequenz des Heimspiels gegen München als eine Erfahrung für sich mitnimmt - auch, wenn es eine sehr bittere war.