Die Kölner Haie lecken nach dem 0:7 im Playoff-Halbfinale in Ingolstadt ihre Wunden und müssen in Spiel zwei am Freitag alles besser machen.
Playoff-HalbfinaleDie Kölner Haie wollen das 0:7 schnellstmöglich vergessen

Das darf nicht wahr sein: Haie-Verteidiger Jan -Luca Sennhenn (links) zeigt sein Entsetzen über das 0:7 von Ingolstadt.
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Das Kompliment war ehrlich gemeint. Doch in den Ohren derjenigen, die am Mittwochabend eine Eintrittskarte für die Ingolstädter Saturn-Arena gekauft oder Magenta Sport eingeschaltet hatten, klang es irgendwie unpassend. „Wir haben viel zusammen gewonnen, er ist ein netter Kerl und einer der besten Verteidiger in dieser Liga. Vergangenes Jahr war er der beste in der finnischen Liga“, sagte ERC-Torhüter Christian Heljanko über seinen Landsmann und ehemaligen Teamkollegen Veli-Matti Vittasmäki, Abwehrmann in Diensten der Kölner Haie.
Sie waren gut, wir waren schlecht. Das war der Unterschied.
Wer zuvor nun gesehen hatte, wie die Panther ihren Gegner beim 7:0 (4:0, 1:0, 2:0) streckenweise vorgeführt und den höchsten Sieg in einer Halbfinalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) errungen hatten, könnte an Heljankos Aussage über Vittasmäkis Qualitäten zweifeln – auch wenn der bei weitem nicht der schwächste Kölner an diesem Abend gewesen war. „Sie waren gut und wir waren schlecht, das war der Unterschied“, sagte Vittasmäki und stieß dabei ein etwas gequältes Lachen aus. Heljanko dagegen hatte das „vielleicht solideste Playoff-Spiel“ seiner Ingolstädter gesehen.
Zwei Schlafmützigkeiten des so erfahrenen Kölner Kapitäns Moritz Müller, eine von Stürmer Alexandre Grenier, ein bisschen Pech und ein rabenschwarzer Tag der zweiten Haie-Sturmreihe mit Maximilian Kammerer, Juhani Tyrväinen und Marco Münzenberger – schon nach dem ersten Drittel war die Partie nach Trefern von Wayne Simpson (4.), Ex-Hai Daniel Schmölz (5.), Daniel Pietta (15.) und Wojciech Stachowiak mit dem 0:4-Rückstand gelaufen. Die daheimgebliebenen KEC-Fans mussten sich nicht wirklich ärgern, dass die Übertragung von Magenta Sport im ersten Spielabschnitt hakte.
Der fünfte Treffer von Star-Verteidiger Alex Breton (22.), bei dem der nach 20 Minuten für Julius Hudacek eingewechselte Tobias Ancicka nicht gut aussah, erstickte alle leisen Hoffnungen auf ein Comeback. Die Panther raubten den Haien schon in deren Drittel den Atem, sogar ein zweistelliges Ergebnis schien nicht ausgeschlossen.
Auch ein 7:0 ist nur ein Sieg
Die gute Nachricht aus Haie-Sicht: Ob Klatsche oder 0:1 – in der K.o.-Runde ist das völlig egal. „Es ist nur ein Sieg“, meinte Kölns Trainer Kari Jalonen, der „die vielen Fehler zu Beginn, die wir fast die gesamte Saison nicht gemacht haben“ als Hauptmangel anführte. „Diese Fehler hat Ingolstadt ausgenutzt. Das müssen wir jetzt schnellstmöglich vergessen, uns sammeln und eine Reaktion zeigen.“ Heljanko war sich sicher, dass die nicht ausbleibt: „Am Freitag werden wir ein ganz anderes Spiel sehen.“
Was genau die Haie beim Wiedersehen (19.30 Uhr, Magenta Sport) besser machen müssen, um die Serie in der mit 18.600 Zuschauern ausverkauften Lanxess-Arena auszugleichen, war für Vittasmäki leicht zu beantworten: „Alles. Sie waren den ganzen Abend einen Schritt schneller, wir sind nur hinterhergelaufen“, beschrieb der 34-Jährige das Geschehen. Zwar müsse man die Partie zügig aus dem Gedächtnis löschen – aber nicht, ohne sie zuerst zu analysieren und daraus zu lernen. „Wir können das nicht einfach unter den Teppich kehren, sondern müssen verstehen, warum überhaupt nichts geklappt hat“, sagte Vittasmäki energisch.
Wir können das nicht einfach unter den Teppich kehren.
Gut möglich, dass die zunächst recht körperlos agierenden Kölner am Freitag den Härtegrad erhöhen – so wie es im Viertelfinale die Nürnberg Ice Tigers gegen den ERC gemacht hatten. Mit konsequent zu Ende gefahrenen Checks, kleinen Nickligkeiten und Provokationen nervten sie die Panther zumindest zu Beginn der Serie gehörig. Münzenberger hatte es in Spielminute 50 zumindest probiert, den überragenden Wojciech Stachowiak zu checken, doch der Ingolstädter stoppte ab und ließ den Kölner Youngster allein in die Bande rauschen.
Die Defensive stabilisieren und den nach dem 6:0 in Nürnberg zum zweiten Mal in Folge unbezwungenen Heljanko stärker fordern – eine gewaltige Aufgabe für die Haie in Spiel zwei. „Wir brauchen mehr Verkehr vor dem Tor und generell mehr Schüsse“, forderte Vittasmäki noch, ehe sich der Haie-Tross zum kleinen Flughafen Manching südlich von Ingolstadt aufmachte. Denn Vittasmäki mag ein netter Kerl und einer der besten Verteidiger in der DEL sein – bei den Torhütern gilt mit Sicherheit dasselbe für Heljanko.