Der 1. FC Köln muss sich nach dem Pokal-Highlight in Leverkusen wieder auf den Liga-Alltag umstellen. Am Sonntag geht es gegen den FC Schalke 04.
1. FC Köln gegen Schalke 04„Die Flughöhe ist größer geworden“

Der Kapitän fehlt: Timo Hübers (r.) muss nach seiner fünften Gelben Karte am Sonntag gegen Schalke 04 zusehen.
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Die historische Chance ist vertan und die Geschichte von einer der größtmöglichen Sensationen durch den 1. FC Köln muss an einer anderen Stelle geschrieben werden. „Es geht darum, bei uns zu bleiben und das Spiel nicht zu hoch zuhängen. Am Ende des Tages sind wir ausgeschieden.“ FC-Trainer Gerhard Struber war zwei Tage nach der bitteren 2:3-Niederlage nach Verlängerung im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Doublesieger Bayer 04 Leverkusen nicht danach zumute, seine Mannschaft auf ein Podest zu stellen.
Es steht auch viel zu viel auf dem Spiel, um sich länger als nötig mit dem großen Auftritt in der BayArena zu beschäftigen, denn am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) geht es für die Geißböcke vor 50.000 Zuschauern im Rheinenergiestadion gegen den FC Schalke 04 darum, die Tabellenführung in der 2. Fußball-Bundesliga zu verteidigen und den nächsten Schritt in Richtung Wiederaufstieg zu bewältigen.
Wir wollen Lust und Freude entwickeln und das auch wieder in die Liga bringen.
Die Kölner befinden sich allerdings noch mittendrin im Raum zwischen Pokal und Meisterschaft. Die Niederlage und die verzweifelte Frage, warum eine 2:0-Führung nicht zur Belohnung der leidenschaftlichen Pokal-Leistung gereicht hat, spukt noch in den Köpfen der Spieler und gleichzeitig bewegt sich die Mannschaft auf die laut Struber „nächste große Aufgabe gegen den nächsten großen Club“ zu. „Es ist wichtig, dass wir wieder an unsere Tugenden anschließen, dass wir Lust und Freude entwickeln, dass auch wieder in die Liga zu bringen“, forderte Struber, für den mit dem Leverkusen-Spiel die „Flughöhe des FC größer geworden ist“.
Der Österreicher spricht dabei die Erwartungen aus dem Umfeld an. Wer bis zur 96. Minute als Zweitligist beim deutschen Meister führt, wird ja wohl mit den in die Niederungen des Unterhauses abgerutschten Schalkern fertig werden. An dieser Stelle fängt die Problematik der beiden unterschiedlichen Wettbewerbe und Gegner an. Was lässt sich mitnehmen aus einem Spiel, in dem es mit 29 Prozent Ballbesitz darum ging, das eigene Tor zu verteidigen und aus den wenigen Umschaltmomenten das Optimum herauszuholen?
„Wir nehmen viele gute Dinge mit“, blieb Struber etwas unpräzise und verwies darauf, dass sein Team auch in der Liga seit Wochen „wenig für den Gegner zulassen“ würde. Der Knackpunkt liegt also weiter darin, wie sich die vorbildliche defensive Einstellung aus dem Leverkusen-Spiel in eine mutige, selbstbewusste, offensive Haltung übertragen lässt.
Vertauschte Rollen im Vergleich zum Pokalspiel in Leverkusen
Denn eines ist sicher: Der FC wird am Sonntag das Spiel machen und Schalke auf Fehler des Gegners und Umschaltmomente lauern. „Das ist die Herausforderung“, räumt der FC-Coach ein und erklärt: „Wir wollen im Positionsspiel bei Ballbesitz viel Kontrolle ausstrahlen. Da müssen wir zulegen, denn in diesem Bereich haben wir uns in den vergangenen Wochen nicht mit Ruhm bekleckert“, weiß Struber, denkt aber positiv: „Es liegt an uns zuzulegen, aber ich denke, dass uns so ein Spiel wie in Leverkusen Kraft geben wird.“
Der 48-Jährige stellt sich auf einen „unberechenbaren Gegner“ ein, der zwei herausragende Spieler in seinen Reihen hat. „Mit Kenan Karaman haben sie einen Spielgestalter, der oft verblüffende Dinge fabriziert und mit Moussa Sylla einen Spieler, der ein TGV mit Hochgeschwindigkeit ist.“ Das Duo zeichnet für 24 der 37 königsblauen Tore an den ersten 20 Spieltagen verantwortlich. „Schalke hat viel Qualität in seinem Kader. Warum es nicht immer so klappt, da bleibt ein Fragezeichen“, sagte der Kölner Trainer.
Damion muss sich jetzt weg entwickeln vom Talent zum gestandenen Profi, der in jedem Spiel beweist, wie gut er ist.
Mit Blick auf sein eigenes Personal konnte er Entwarnung bei Max Finkgräfe geben, der in Leverkusen mit Verdacht auf eine Kopfverletzung ausgewechselt werden musste. Der 20-Jährige steht im Kader und könnte wie im Pokal in der Startelf stehen. Tim Lemperle und Julian Pauli fallen weiter verletzt aus. Der Einsatz von Florian Kainz ist nach seiner leichten Gehirnerschütterung beim 2:1 in Braunschweig noch ungewiss.
Wer den nach einer fünften Gelben Karte gesperrten Kapitän Timo Hübers in der Dreierkette ersetzt, ist laut Struber nicht entschieden: „Es gibt mehrere Ideen . Ich denke noch über die Lösung nach.“ Klar ist, dass Neuzugang Imad Rondic wieder auf der Bank Platz nehmen wird und Damien Downs zusammen mit Linton Maina den Angriff bildet. Struber: „Damion hat in Leverkusen einmal mehr gezeigt, wie talentiert er ist. Jetzt muss er sich weg entwickeln vom Talent hin zum gestandenen Profi, der in jedem Spiel beweist, wie gut er ist.“ Beim 3:1-Sieg im Hinspiel auf Schalke erzielte Downs übrigens sein erstes Saisontor.
Voraussichtliche Aufstellungen:
1. FC Köln: Schwäbe; Schmied, Heintz, Pacarada; Gazibegovic, Huseinbasic, Martel, Finkgräfe; Ljubicic; Maina, Downs. — FC Schalke 04: Heekeren; Bulut, Lalas, Kaminski, Donkor; Schallenberg, Bachmann, Aydin, Karaman, Hamache; Sylla.