Staubig-trockene Böden, Waldbrandgefahr und Niedrigwasser am Rhein: Das Frühjahr startet mit ungewöhnlich wenig Regen.
Trockenheit in NRWRheinpegel sinkt dramatisch, erste Waldbrände in der Region

Der Rhein braucht dringend Regen. Die Pegelstände am Rhein sind ungewöhnlich tief gefallen.
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Wer in diesen Tagen den Garten umgräbt, stößt vielfach schon in Spatentiefe auf staubig-trockenen Boden: Nach zwei Monaten ohne nennenswerte Niederschläge droht Nordrhein-Westfalen örtlich Dürre. In den Wäldern herrscht lange vor dem Sommer schon fast durchgehend Waldbrandgefahr der mittleren Stufe drei und die Pegelstände am Rhein sind ungewöhnlich tief gefallen, sodass größere Schiffe nur mit deutlich weniger Ladung fahren können.
Nur zehn Liter Regen gab es im März im Landesdurchschnitt pro Quadratmeter - der niedrigste Wert seit fast 100 Jahren, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Örtlich seien es im Münsterland und Rheinland im ganzen Monat sogar nur wenige Liter gewesen, sagt der Essener DWD-Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn - bei 65 Litern langjährigem Jahresdurchschnitt für den März. Auch im Februar wurde mit gut 20 Litern pro Quadratmeter weniger als ein Drittel des NRW-Durchschnitts erreicht.
Pegelstand im Rhein in Köln und der Region sinkt weiter
Deutlich sichtbar ist die Trockenheit am niedrigen Pegelstand des Rheins abzulesen. Er lag am Freitag (4. April) in Köln bei 1,74 Metern. Am Samstag wird ein etwas niedrigerer Rheinstand von 17,1 Metern erwartet. In den kommenden Tagen soll sich der Rheinwasserstand am Kölner Pegel kaum verändern.

Der Rheinpegel sinkt derzeit. Er ist bereits unter die Marke von zwei Metern gefallen.
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In Duisburg lag der Pegel am Dienstag (1. April) bei 2,73 Metern, das entspricht 3,26 Metern Fahrrinnentiefe, wie der Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein (WSA), Florian Krekel, sagte. In den Folgetagen sank er weiter.
Niedrigwasser führt zu Problemen in der Rheinschiffahrt
Größere Schiffe mit vier Metern Tiefgang und mehr könnten deshalb nicht mehr voll beladen passieren, sagte Florian Krekel. „Wenn wir unter drei Metern Pegel sind, laden wir etwas weniger und fahren häufiger“, sagte ein Sprecher des Duisburger Stahlherstellers Thyssenkrupp Steel, der Eisenerz und Kohle aus Rotterdam bezieht.
Erste Einschränkungen gibt es auch im Kölner Hafen: Dort sollte ein Güterschiff mit 1.800 Tonnen Steinsalz für die Chemieindustrie anlegen. Wegen des Niedrigwassers fahre das Schiff aber nur mit 1.200 Tonnen. Das fehlende Drittel müsse ein anderes Schiff übernehmen - mit zusätzlichen Kosten, sagte der Pressesprecher des Hafenbetreibers Rheincargo, Christian Lorenz. Dafür gebe es natürlich Grenzen - Schiffsraum sei nicht unendlich da und irgendwann rechneten sich die Fahrten auch nicht mehr.
Waldbrandgefahr steigt – Aktueller Brand im Rhein-Berg-Kreis
Gefährlich werden kann die Trockenheit im Wald, denn dort steigt die Gefahr von Waldbränden. Schon Ende März warnte der Landesbetrieb Wald und Holz davor. Der Waldbrandgefahrenindex des DWD zeigt für Freitag durchgehend bereits die mittlere Gefahrenstufe drei von fünf.
Aktuell ist in Overath im Rheinisch-Bergischen Kreis ein Waldbrand ausgebrochen. Am späten Donnerstagnachmittag (3. April) meldete die Overather Feuerwehr einen Großbrand in Brombach. Um 17.47 Uhr löste die Nina-Warnapp aus und riet den Anwohnern in Overath, Bergisch Gladbach und Kürten, in geschlossene Räume zu gehen und die Fenster zu schließen.
Auch in Hagen begünstigten die Trockenheit und starke Winde einen Waldbrand auf bis zu 9000 Quadratmetern. Die Feuerwehren kämpften im Dauereinsatz gegen die Flammen.
Waldbrand-Überwachungszentrale schon im Dauereinsatz
Die erste NRW-Waldbrandüberwachungszentrale, die für den Niederrhein zuständig ist, sei im März schon wieder an vielen Tagen besetzt gewesen, sagt der zuständige Weseler Forstamtsleiter Julian Mauerhof. Die NRW-weite Piloteinrichtung arbeitet mit Überwachungstürmen und KI-gestützter Auswertung der Bilder, die automatisch an die Feuerwehren weitergegeben werden.
2024 sei es sehr nass gewesen, folglich habe es keine nennenswerten Waldbrände gegeben. Nun steige aber das Risiko, gerade in der aktuellen Zeit, in der die Bäume erst beginnen auszutreiben und die Sonne noch bis auf den Waldboden durchscheine, sagt Julian Mauerhof.
Tockenheit: Jungen Pflanzen drohen Schäden
„Für das Wachstum der jungen Pflanzen und für einen guten Aufwuchs des Wintergetreides wird dringend Wasser benötigt“, sagt die Sprecherin des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes, Simone Kühnreich. Besonders kritisch sei der Zustand des Oberbodens, der bis 25 Zentimeter Tiefe für junge Pflanzen wichtig ist. „Ohne Regen in den nächsten zwei Wochen könnten die Pflanzen geschädigt werden“, sagt sie.
Doch der ist nicht zu erwarten: „Die nächsten zehn Tage passiert nicht viel“, sagte Wetterkundler Thomas Kesseler-Lauterkorn am Dienstag. Bis Mitte April werde eine starke Tendenz für trockenere Bodenfeuchte-Bedingungen in fast ganz Deutschland vorhergesagt, warnte der DWD am Mittwoch (2. April).
Mitte Mai starte die Mais-Aussaat, sagte die Sprecherin des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Laura Hachmann. Sobald die Aussaat abgeschlossen sei, bräuchten die Pflanzen dringend Niederschläge, um zu wachsen.
Kommt nach dem trockenen Frühjahr ein Hitzesommer?
Bisher sei die Situation noch gut überschaubar, sagen der Essener Wetterkundler genauso wie der Forst-Fachmann. Bedenklich werde es aber, wenn das trockene Frühjahr den Auftakt für einen neuen Hitzesommer darstelle, so Thomas Kesseler-Lauterkorn.
„Für den Zeitraum Juni bis August 2025 wird eine moderate Wahrscheinlichkeit für wärmere Bedingungen erwartet“, prognostizierte der DWD in einer Mitteilung vom Mittwoch - im Klartext: Es könnte heiß werden. Wetter- und Klimafachmann Thomas Kesseler-Lauterkorn betont: „Je trockener das Frühjahr, desto eher laufen wir im Sommer in Probleme.“ (mit dpa)