Bergisch Gladbacher Politiker und Gemeindemitglieder zeigen sich entsetzt über den Angriff auf das Glaubensgebäude in Heidkamp.
AnschlagTäter beschmieren Bergisch Gladbacher Moschee mit Fäkalien und der Aufschrift „Jesus“

Der Schriftzug „Jesus“ auf der Außenwand der Moschee im Gladbacher Stadtteil Heidkamp.
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Der Staatsschutz hat die Ermittlungen an sich gezogen: Am Dienstag ist die Abu-Bakr-Moschee der Islamischen Gemeinde e.V. im Stadtteil Heidkamp großflächig mit Fäkalien beschmiert worden.
Die Tat ereignete sich nach Angaben des Vorsitzenden der Islamischen Gemeinde, Karim Tollih, am Dienstag zwischen 17 und 20 Uhr. Unter anderem schrieben die Unbekannten das Wort „Jesus“ an die Außenwand des Gebäudes, auch die Eingangstür wurde beschmiert. Die Moschee befindet sich in einem Gewerbebau an der Hüttenstraße, und anders als die Moschee am Refrather Weg in Gronau ist diese von außen nicht als solche erkennbar. Die Islamische Gemeinde ist die älteste Moscheegemeinde in Bergisch Gladbach, 1979 von der ersten Generation der nach Deutschland gekommenen Familien gegründet.
Islamische Gemeinde Bergisch Gladbach erhöht Sicherheitsvorkehrungen
Die Islamische Gemeinde hat als Reaktion ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, der Vorsitzende spricht von zusätzlichen Überwachungskameras auf dem Areal, die installiert worden seien. Die polizeilichen Ermittlungen bei allen Straftaten, die möglicherweise politisch motiviert sind, liegen beim Staatsschutz. Auch für den Vorfall in Heidkamp ist das so, die Beamten im Polizeipräsidium Köln führen die Ermittlungen. Ermittelt wird wegen Sachbeschädigung.
„Es ist unbegreiflich, dass jemand eine religiöse Stätte auf so herabwürdigende Weise angreift“, sagt der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde. Seit Gründung des Vereins (1979) habe man eine solch abscheuliche Tat nicht erlebt. „Der Vorfall hat in der Gemeinde Bestürzung und Besorgnis ausgelöst“, sagt Karim Tollih.
Islamische Gemeinde will sich nicht einschüchtern lassen
Die Gemeinde werde weiterhin Freiheit und demokratische Werte verteidigen und sich nicht einschüchtern lassen. Die Tore der Moschee würden weiter offenstehen. „Wir werden uns nicht zurückziehen“, sagt Karim Tollih. In der Gemeinde herrsche aber nun Verunsicherung und Angst. „Wir verurteilen diesen Angriff entschieden. Er widerspricht den Werten des friedlichen Zusammenlebens, für die Bergisch Gladbach und auch wir als Moscheegemeinde stehen.“
Für „Hass und Hetze“ dürfe es keinen Platz geben. Auf der Internetseite der Gemeinde sind noch die fröhliche Bilder vom gemeinsamen Fastenbrechen der drei Gladbacher Islam-Gemeinden zu sehen, als Teil des interkulturellen Dialogs und Austausches. Rund 800 Muslime nehmen in jeder Woche an den religiösen Angeboten der Islamischen Gemeinde teil. Kürzlich seien noch die Schüler der Integrierten Gesamtschule Paffrath zu Gast gewesen, so Tollih.
Integrationsrat Bergisch Gladbach sieht Vorfall als Angriff auf gesamte Gesellschaft
Auch der Vorsitzende des Gladbacher Integrationsrat, Redouan Tollih (er ist der Bruder des Gemeindevorsitzenden und Mitglied der islamischen Gemeinde), zeigt sich erschüttert über das Ereignis, er spricht von einem „feigen Angriff“, den er auf das Schärfste verurteile. „Die Schändung eines Gotteshauses ist nicht nur ein Angriff auf die betroffene Gemeinde, sondern auf unsere gesamte Gesellschaft und die Werte, für die wir als Stadt Bergisch Gladbach stehen.“
Es sei von zentraler Bedeutung, dass die Gemeinschaft geschlossen gegen antimuslimischen Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit eintrete. Bislang habe es in Gladbach keine vergleichbaren Taten gegeben. Der Vorfall sei jedoch Teil einer besorgniserregenden Entwicklung, die Zahl islamfeindlicher und rassistischer Übergriffe sei in den vergangenen Jahren landesweit gestiegen. Diese Tendenz sei besorgniserregend und erfordere die Aufmerksamkeit aller.
Als erster der politischen Akteure nahm am Nachmittag SPD-Bürgermeisterkandidat Marcel Kreutz Stellung. Kreutz fordert eine lückenlose Aufklärung und klare Konsequenzen. Bergisch Gladbach müsse ein für alle Menschen sicherer Ort bleiben.