30 Prozent der Rechnungen soll der österreichische Motorradhersteller bis Mai begleichen. Auch die Oberwiehler Brehmergroup hofft auf Geld.
SanierungsplanNach KTM-Pleite: Wiehler Firma Brehmergroup schöpft wieder Hoffnung

Nach der Insolvenz des Motorradherstellers KTM war die Wiehler Brehmergroup selbst in wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser geraten.
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Mit gemischten Gefühlen reagiert die Brehmergroup mit Sitz in Oberwiehl auf die Neuigkeiten vom KTM-Insolvenzverfahren. Mitte vergangener Woche fand am Gericht im österreichischen Ried die dritte Gläubigerversammlung für Europas größte Motorrad-Schmiede statt, Wirtschaftsexperten sprachen anschließend mit Blick auf die Zukunft der orangefarbenen Marke von der entscheidenden Zusammenkunft. Denn die Mehrheit der Gläubiger stimmte für den von KTM vorgelegten Sanierungsplan.
Wiehler Unternehmer gehört zu fast 1200 Gläubigern
Neben fast 2500 Mitarbeitern hatten 1170 Gläubiger aus aller Welt Forderungen gegen das Unternehmen angemeldet, die sich auf insgesamt rund zwei Milliarden Euro summierten. „Wir verfolgen die Nachrichten aus Österreich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, berichtet Thomas Brehmer, Gründer und Geschäftsführer der Brehmergroup, die nach der KTM-Insolvenz selbst in wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser geraten war.

Hochkomplexe Lenkerschalter haben Firmenchef Thomas Brehmer und sein Team für KTM entwickelt und dabei viel Zeit und Geld investiert.
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Wie berichtet, hatte die Oberwiehler Firma über Jahre und mit einem Millionenaufwand speziell für KTM Lenkerschalter entwickelt. In der neuen Halle in Elsenroth waren die Montagestraßen bereits eingerichtet. Brehmer beziffert die Investitionskosten auf in Summe drei Millionen Euro. Ganz kurz vor der Serienreife der Premium-Schalter gaben die Österreicher dann Ende November ihre Zahlungsunfähigkeit bekannt.
Wiehler hoffen auf Teilzahlung bis Ende Mai
Anderthalb Millionen Euro hat Brehmer längst beim Insolvenzverwalter angemeldet, die Bezahlung der anderen Hälfte war über die Serienfertigung kalkuliert. Nun schöpft der oberbergische Unternehmer Hoffnung, zumindest einen Teil seines Geld zu bekommen. Denn die Gläubiger haben ihre Zustimmung zum Sanierungsplan in der Vorwoche an die Bedingung geknüpft, dass KTM bis Ende Mai 30 Prozent der Forderungen begleicht.
„Zuvor gab es den Vorschlag, die Erfüllung dieser Quote auf zwei Jahre zu strecken, das ist nun aber vom Tisch“, erklärt Thomas Brehmer. Fast ein Drittel hin oder her, bei rund zwei Milliarden Euro Schulden bedeutet das trotzdem, dass irgendwer nun 600 Millionen Euro auf den Tisch legen muss.
Zumindest in unseren Planungen für 2025 spielt KTM so gut wie keine Rolle.
Brehmer verfolgt die Gerüchteküche, die über einen Einstieg von BMW oder die Gesamtübernahme durch den indischen Bajaj-Konzern mutmaßt. Zumindest BMW hat am Wochenende aber bereits abgewunken.
Immerhin: Am 1. März, also am Samstag, ist die KTM-Produktion in Österreich nun wieder angelaufen. Hochpreisige Motorräder, an denen die Schalter made in Oberberg montiert werden, sollen laut Brehmer aber frühestens ab Oktober wieder vom Band rollen. Das heißt konkret: „Zumindest in unseren Planungen für 2025 spielt KTM so gut wie keine Rolle.“