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Rhein-Sieg-Eisenbahn steigt ausDie Wiehltalbahn braucht einen neuen Betreiber

Lesezeit 3 Minuten
Blick auf eine dampfende Dampflokomotive

Ob historische Lok oder hochmoderner Triebwagen: Wenn im Wiehltal auch künftig Züge rollen sollen, braucht es einen neuen Betreiber. 

Was nun auf der Strecke zwischen Osberghausen, Wiehl und Waldbröl? Die Osterfahrt der Eisenbahnfreunde Dieringhausen ist jedenfalls unsicher.

Die Wiehltalbahn braucht einen neuen Betreiber: Entsprechende Gerüchte über einen Ausstieg der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) haben deren neuer Geschäftsführer Selman Duran, wie auch der Oberbergische Kreis auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigt. „Die Betreiberverantwortung soll zukünftig auf ein anderes Eisenbahninfrastrukturunternehmen übergehen“, informiert Duran, ohne jedoch einen Zeitplan oder Näheres zu den Gründen zu nennen.

Gummersbacher Eisenbahnfreunde hängen in der Luft

Das Bonner Unternehmen schreibt allerdings: „Diese Entscheidung ist Teil einer strategischen Neuausrichtung unseres Unternehmens. Im Rahmen einer Überprüfung einzelner Projekte haben wir festgestellt, dass die Wiehltalbahn perspektivisch nicht mehr in unser Portfolio passt.“ Wie geht es nun weiter auf der gut 24 Kilometer langen eingleisigen Strecke von Osberghausen über Wiehl nach Waldbröl?

Das interessiert vor allem die Eisenbahnfreunde in Dieringhausen, die für Ostersonntag die Eröffnungsfahrt in die Saison geplant haben und nun in der Luft hängen. „Wir haben einen Zug, eine Lok und viel Lust – aber bislang leider keinen Fahrplan“, bedauert Ullrich Menzl vom Vorstand der IG Bahnbetriebswerk Dieringhausen. Schon im letzten Jahr habe man der RSE die Fahrplanwünsche für 2025 übermittelt, bisher aber keine Antwort erhalten, was höchst ungewöhnlich sei.

Ich kann keine Fahrkarten verkaufen, wenn nicht sicher ist, dass wir überhaupt fahren.
Ullrich Menzl, Vorstand der IG Eisenbahnmuseum in Gummersbach-Dieringhausen

Reservierungen für die Osterfahrt hat die IG jedenfalls inzwischen ausgesetzt. „Ich kann keine Fahrkarten verkaufen, wenn nicht sicher ist, dass wir überhaupt fahren“, erklärt Menzl. Gerhard Mansel, Vorsitzender des Förderkreises zur Rettung der Wiehltalbahn, bedauert die Entscheidung aus Bonn und betont, dass die Beendigung der Zusammenarbeit nicht vom Förderkreis ausgegangen sei. Oberste Priorität habe für die Initiative ein nahtloser Wechsel.

Rathäuser in Waldbröl und Wiehl stimmen sich noch ab

Auch der Oberbergische Kreis macht deutlich, dass es aus Gründen des Eisenbahnrechts unbedingt einen neuen Betreiber braucht, sollten auch künftig Lokomotiven durch das Wiehltal rollen, ganz gleich, welche. Mehr will die Kreisverwaltung zu dem Thema noch nicht verraten, sie verweist auf laufende Verhandlungen und ausstehende Rückmeldungen der Anliegerkommunen.

Auch in den Rathäusern in Waldbröl und Wiehl hält man sich bedeckt: Bürgermeisterin Larissa Weber und ihr Wiehler Amtskollege Ulrich Stücker wollen öffentlich noch nichts erklären. In den kommenden Tagen wolle man zuerst die Abstimmung mit der lokalen Politik suchen, zudem gebe es noch juristische Fragen zu klären, heißt es aus Wiehl. Hinter vorgehaltener Hand ist aus der Politik allerdings zu vernehmen, dass eine Entscheidung zügig bekanntgemacht werden soll.

Ein Name, der im Zusammenhang mit der Nachfolge immer wieder auftaucht, ist der der Lappwaldbahn. Zu der in NRW, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt tätigen Unternehmensgruppe zählt auch ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen, wie es nun für die Wiehltalbahn gesucht wird. Mehrfach hat die Lappwaldbahn kleine Schienenstrecken vor dem Aus gerettet – zuletzt 2018, nicht weit von Oberberg entfernt, den Abschnitt der Holzbachtalbahn zwischen Altenkirchen und Selters im Westerwald.