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Millionen-BautenNeue Filteranlagen sollen in Waldbröl Fließgewässern den Stress nehmen

Lesezeit 4 Minuten
Die Stadt Waldbröl hat an der Breslauer Straße in der Ortschaft Hermesdorf mit dem Bau eines Retentionsbodenfilterbeckens begonnen.

Die Stadt Waldbröl hat an der Breslauer Straße in der Ortschaft Hermesdorf mit dem Bau eines Retentionsbodenfilterbeckens begonnen.

Fast sieben Millionen Euro investieren die Stadt und die Stadtwerke in Retentionsbecken, die in Hermesdorf künftig Niederschlagswasser reinigen.

„Das macht sauber.“ Wer Mirco Kujbida fragt, was ein Retentionsbodenfilterbecken so kann, der erhält vom Geschäftsführer der Waldbröler Stadtwerke diese knappe Antwort. Doch steht hinter einem solchen Bauwerk mehr als eben nur ein Saubermachen von Regenwasser: Es entlastet benachbarte Fließgewässer, in diesem Fall die Homburger Bröl. Dort haben etwa Lachse ihre Laichplätze. „Moderne Wasser- und Abwasserwerke können auf Filterbecken längst nicht mehr verzichten – auch, weil diese zwingend umzusetzende Auflagen der Bezirksregierung Köln erfüllen.“

Mirco Kujbida ist seit 1. Januar 2019 Geschäftsführer der Stadtwerke in Waldbröl.

Mirco Kujbida ist seit 1. Januar 2019 Geschäftsführer der Stadtwerke in Waldbröl.

Zurzeit baut die Stadt Waldbröl an der Breslauer Straße in Hermesdorf für etwa 2,2 Millionen Euro ein erstes Retentionsbodenfilterbecken, Mitte kommenden Jahres soll es fertig sein. Eine zweite Anlage mit zwei Becken soll ebenfalls in Hermesdorf angelegt werden. „Am liebsten würden wir auch dort noch in diesem Jahr mit den Arbeiten starten“, betont Kujbida. Veranschlagt ist dieses deutlich größere Filterbauwerk zurzeit mit rund 4,7 Millionen Euro.

Für das erste Becken hat das Abwasserwerk der Marktstadt von der NRW-Bank eine Förderung von 80 Prozent der Planungs- und Baukosten erhalten, auch für das zweite Vorhaben hofft der Geschäftsführer auf dieselbe Quote: „Die Arbeiten müssen dann aber innerhalb von drei Jahren erledigt sein.“

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An vier Stellen fließt in Waldbröl-Hermesdorf Niederschlagswasser noch ungefiltert in die Bröl

An vier Stellen im Ortsgebiet von Hermesdorf fließt das Regenwasser derzeit gesammelt, aber noch ungeklärt in die Homburger Bröl. Geht das Retentionsbodenfilterbecken in Betrieb, werden darin Stoffe aus dem Wasser geholt, die eine Belastung und eine Gefahr für die Natur bedeuten. Und die deswegen herausgefiltert werden müssen. Ohne eine reinigende Behandlung gelange da künftig kein Tropfen mehr in die Bröl, versichert Mirco Kujbida. Gebaut wird das Becken auf einem Gelände, das die Stadt zuvor als Grünschnitthof genutzt hat: 1140 Quadratmeter misst die Filterfläche, das Becken hat Platz für 1700 Kubikmeter Niederschlagswasser.

Das soll ebenfalls gelten für die zweite Anlage in Hermesdorf, die weitaus mehr Wasser aufnehmen kann und an der Stelle des heutigen Regenklärbeckens unterhalb des Kreisverkehrs zwischen der Wiehler Straße und der Hauptstraße (Bundesstraße 256) entstehen soll: „Die Becken dort werden insgesamt 7000 Kubikmeter fassen“, sagt Markus Mitze, Technischer Leiter im Bereich Abwasser bei den Waldbröler Stadtwerken. Die geplanten Größen der beiden Filterflächen beziffert er auf 2115 und 2130 Quadratmeter.

In Waldbröl freut sich auch Bürgermeisterin Larissa Weber auf die neueste Technik

Mitze spricht sogar von „Stress für das Fließgewässer“, der diesem bald genommen werde – „verursacht sowohl durch die stofflichen Belastungen aus dem städtisch-urbanen Umfeld, als auch durch die Menge an Niederschlagswasser, das eingeleitet wird“. Denn alle Becken reduzieren zudem den hydraulischen Druck und damit die Wassermengen, die später zurück in die Natur gelangen und die von der Homburger Bröl aufgenommen werden können.

Auch Waldbröls Bürgermeisterin Larissa Weber betont, dass mit dem Bau dieser Anlage der neueste Stand in der Entwässerungstechnik erreicht sei: „Umso mehr freut es uns, dass wir durch die NRW-Bank mit Fördermitteln für die erste Maßnahme unterstützt worden sind.“

Der Politik vorgestellt hatten Stadtwerke-Geschäftsführer Kujbida und Technik-Chef Mitze das erste, damals übrigens mit fast 2,5 Millionen Euro kalkulierte Projekt bereits im Dezember des Jahres 2022, danach folgten Absprachen mit der Bezirksregierung und der beim Oberbergischen Kreis angesiedelten Unteren Wasserbehörde. „Und dann galt es, auf die Förderzusagen zu warten“, sagt Mirco Kujbida.


Schmutzwasser aus den Haushalten und dem Gewerbe hat einen eigenen Kanal

Das erste Retentionsbodenfilterbecken an der Breslauer Straße nimmt das Niederschlagswasser aus einem Teil des Ortes Hermesdorf mit einer Größe von etwa 16,2 Hektar auf sowie aus dem Gewerbegebiet Boxberg III (rund 4,1 Hektar, etwa an der Industriestraße, der Karl-Bnez-Straße und der Lise-Meitner-Straße). Das ganze Einzugsgebiet misst damit 20,3 Hektar.

Das zweite Becken an der Wiehler Straße soll dagegen ein Einzugsgebiet von 58,31 Hektar haben. Dazu gehören nach Angaben des Technischen Leiters Markus Mitze gewerblich genutzte Flächen entlang der Industriestraße und eben der Wiehler Straße, aber auch Bereiche der Wohngebiete an der Morsbacher Straße sowie die örtlichen Straßen.

Bisher werden das Niederschlagswasser sowie häusliches und gewerbliches Schmutzwasser durch getrennte Kanalsysteme aus Hermesdorf abgeführt. Das Schmutzwasser wird dann zur Kläranlage Homburg-Bröl des Aggerverbandes in der Nachbargemeinde Nümbrecht geleitet. Da wird es biologisch und mechanisch gereinigt.