Auf dem Konzertprogramm im Lindlarer Kulturzentrum stand die 7. Sinfonie und das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven.
BeethovenKreis-Symphonieorchester und Solistin Alissa Margulis bekommen in Lindlar Bravo-Rufe

Mit großer Virtuosität und noch mehr Gefühl interpretierte Alissa Margulis das Violinkonzert.
Copyright: Dennis Börsch
Am Sonntagmorgen wurden die Uhren noch vorgestellt, am Abend dreht das Symphonie-Orchester des Oberbergischen Kreises sie um etwa 200 Jahre zurück. Doch es sind zeitlose Schönheiten, die auf dem Konzertprogramm im Lindlarer Kulturzentrum steht: die 7. Sinfonie und das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven. Als Solistin konnte das Orchester mit Alissa Margulis eine profilierte Geigerin gewinnen, die unter anderem Professorin an der Musikhochschule in Essen ist.
Der Gaststar eröffnet den Abend mit dem Violinkonzert, das mit Pauken und einer verträumten Bläsermelodie beginnt. Schnell steigert sich die Musik in ein Orchestertutti mit kraftvollen Akkorden, bevor Violinistin Margulis mit einer virtuosen Kadenz ins Stück einsteigt.
Lindlar: Spannendes Zusammenspiel des Orchesters
Das Orchester unter der Leitung von Dirigent Anar Bramo und Solistin stellen sich gut aufeinander ein. Mal entwickelt Margulis orchestral begleitet fesselnde Melodien, mal umspielt sie mit Achtelläufen das Satzthema, das in den Geigen erklingt. Das spannende Zusammenspiel hält einen auf der Sitzkante. Der folgende Satz ist im Klang melancholischer. Zum Abschluss setzt das Orchester voller Pathos ein, bevor Margulis in den dritten Satz überleitet. Agil gibt sie dem Orchester das Thema des Schlusssatzes vor, bevor das Ensemble selbst im Sechsachteltakt schwelgt.
Der Solistin verlangt der dritte Satz dabei einiges an technischen Fähigkeiten ab. Zeitweise klingt es fast so, als würde Margulis zwei Geigen gleichzeitig spielen. Mit virtuosen Läufen kommt das Violinkonzert zum umjubelten Schluss.
Nun steht das Orchester selbst im Mittelpunkt und mit Beethovens 7. Sinfonie vor einer großen Aufgabe. Der erste Satz ist zweigeteilt: Er beginnt majestätisch, um dann in ein lebendiges Vivace überzugehen. Hier entwickelt sich das vielleicht bekannteste Thema der Sinfonie. Mal spielen es die Holzbläser oder die Streicher, dann strahlen es die Hörner über das voll klingende Orchester. Animiert von seinem Dirigenten schwelgt das Orchester in der Musik, nimmt sich kurz zurück, um dann wieder spielfreudig zum Tanz zu bitten.
Tanz nach dem oft als „Trauermarsch“ interpretierten zweiten Satz
Der oft als „Trauermarsch“ interpretierte zweite Satz dagegen lebt von melancholischen Phrasen in den Streichern. Das Orchester schreitet voll Pathos voran, während die Geigen schwermütige Melodien spielen. Mit etwas helleren Harmonien der Bläser klart der Himmel auf, ohne dass das Orchester an Gemessenheit verliert. Über zupfende Streicher spielen die Bläser ein letztes Mal die Melodie des Marsches, bevor er leise verklingt.
Mit Beginn des dritten Satzes ist die gemessene Stimmung verflogen, hier kommt das Ensemble schnell in Schwung. Leichtfüßig-tänzerische Melodien wandern durch die Register. Selbst, wenn das Orchester im Tutti spielt, geht diese Leichtigkeit nicht verloren. Im Mittelteil warten dann verträumte Bläsermelodien, auf die ein majestätischer Ausbruch folgt. Den Abschluss bildet das tänzerische Anfangsthema, gefolgt von energischen Schlussakkorden.
Äußerst lebendig beginnt auch der vierte und letzte Satz. Immer wieder setzen die Musiker hier kraftvolle Akkorde in die sonst lustig-furiose Spielart dieses Satzes. Ihre Spielfreude scheint dabei ungebrochen. Immer drängender spielen die Streicher, bevor mit einem letzten Aufflammen der Motive des Schlusssatzes die Blechbläser förmlich über das Orchester fliegen.
Die letzten Akkorde sind kaum verklungen, da hallen bereits wohlverdiente Bravo-Rufe durch das Lindlarer Kulturzentrum.