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HochwasserschutzIn Blankenheim werden auch eigene Kreationen ausgetüftelt

Lesezeit 5 Minuten
Am Vellerhof bei Blankenheim wird eine neue Brücke über die Ahr gebaut.

Die Betonbrücke über die Ahr zum Vellerhof musste erneuert werden, da die alte bei der Flut 2021 durch Ausspülungen in ihrer Standfestigkeit massiv beeinträchtigt wurde.

Treibgutrechnen, Uferverbreiterung und neue Brücken: Die Gemeinde Blankenheim realisiert zahlreiche Maßnahmen an 88 Gewässern.

Vergleichsweise gering waren die Schäden, die die Flut vor drei Jahren in der Gemeinde Blankenheim angerichtet hat. Dennoch umfasst der Wiederaufbauplan inklusive Nachträgen rund 16 Millionen Euro – bei einem Gesamthaushalt der Gemeinde von rund 24 Millionen Euro. Ein großer Teil der Kosten, bisher rund 6,5 Millionen Euro, entsteht durch Instandsetzungsarbeiten im Bereich der Gewässer, an Brücken, Straßen und Wegen. Jetzt stellte die Gemeinde eine Übersicht der Maßnahmen vor.

Es geht zum Aulbach, wenige Meter oberhalb der B 258, die der Bach unterquert, um dann zur Ahr zu fließen. Die Sonne scheint durchs Laubwerk der Bäume am Waldrand, eine Sommeridylle. Thomas Hansen, der „Mann mit dem Bagger“, ist seit nun drei Jahren in der Gemeinde im Einsatz, um die Flutschäden zu beseitigen.

15 selbst entwickelte Treibgutrechen sind an kleinen Bächen installiert

Gerade wirft er einen prüfenden Blick auf eine mit einem Fachbüro abgestimmte Eigenkonstruktion: Ein Treibgutrechen aus 3,50 Meter langen „Fingern“ und einem 6,50 Meter langen Querbalken: Eiche massiv, die Rechen mit dicken VA-Edelstahlklammern befestigt, die Sperre schräg in den Bach gestellt, am Ufer unter schweren Wasserbausteinen verankert.

Anfang Mai wurde der Rechen angebracht, seitdem hat sich ein dicker Wulst aus Ästen, Strauchwerk und anderem mehr darin verfangen und aufgestaut, während der Aulbach munter links und rechts vorbeifließt und sich seinen Weg ahrwärts sucht.

Ein Treibgutrechen aus Holz ist an einem kleinen Fluss im Wald bei Blankenheim gebaut worden.

Der neue Treibgutrechen soll einen Aufstau des Aulbachs an der nahen Unterführung unter der B 258 verhindern.

Blankenheims Bürgermeisterin Jennifer Meuren steht in der Mitte, rechts neben ihr sind zwei Frauen, links zwei Männer. Sie schauen sich die Maßnahmen zum Hochwasserschutz im Wald an.

Die Maßnahmen inspizierten Martin Peetz (v.l.), Thomas Hansen, Bürgermeisterin Jennifer Meuren, Julia Bannach und Maria Nelles.

Hansen wird in den kommenden Tagen mit seinem Bagger am Ufer vorfahren und das Treibgut entfernen. Das wird nicht nur hier eine regelmäßige Aufgabe. Insgesamt gibt es in der Gemeinde rund 170 Kilometer Gewässer, die alle durch ein externes Büro begangen wurden. Die Beseitigung der Schäden wurde nach Prioritäten klassifiziert. 88 Gewässer wurden so bewertet, bekannte wie Ahr, Urft und Aulbach genauso wie namenlose Zuflüsse aus Siefen und Seitentälern. Die 85 kleinen Gewässer machten und machen die größten Sorgen, wie sich zuletzt bei den Unwettern Anfang Mai und an Pfingsten gezeigt hat.

Für alle siedlungsnahen Gewässer wurden die Sicherungsarbeiten unmittelbar nach der Flut begonnen, es wurden Hochwasserschutzkonzepte für alle gefährdeten Ortsteile erstellt und kleinere Maßnahmen umgesetzt. Hansens Treibgutrechen im Aulbach ist einer von 15, bis zu zehn weitere könnten folgen. In der Ahr aber wird es solche Sperren nicht geben. Sie könnten aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeit bei Hochwasser zur Gefahr werden.

Blankenheim kooperiert mit zahlreichen anderen Kommunen

In Hochwasserkooperationen für Urft und Olef (die Urft durchfließt bei Blankenheim-Wald auf fünf Kilometern das Gemeindegebiet), vor allem aber in der für die Ahr, spielt auch das Blankenheimer Schutzkonzept eine Rolle. An der Ahr geht es vor allem um den Neubau von Rückhaltebecken. Mehrere Standorte sind in der Gemeinde denkbar: vor Ahrhütte und vor Ahrdorf sowie eines im zufließenden Aulbach.

Als wahrscheinlicher gilt, dass stattdessen fünf Standorte an zufließenden Kleingewässern realisiert werden: am Mülheimer Bach, Lampertsbach, Schaafbach, Nonnenbach und Mühlenbach. Ob der Bau dieser Schutzbecken aus dem Wiederaufbaufonds finanziert werden kann, ist noch unklar.

Das Bild zeigt den Fuhrbach in der Gemeinde Blankenheim kurz vor der Mündung in die Ahr. Im Hintergrund ist ein kleines Haus, auf dessen Giebel in weißer Schrift „Hubertusstube“ steht.

Am Unterlauf des Fuhrbachs, der von Dollendorf kommend in Ahrhütte in die Ahr mündet, wurden die Ufer ausgeweitet, um den Durchflussdruck unter einer kleinen Brücke zu verringern.

Derzeit sind die entsprechenden Richtlinien in Überarbeitung. „Es werden noch keine Aussagen zu Einzelmaßnahmen seitens der Landesregierung getroffen“, so Julia Bannach von der Gemeindeverwaltung. Deshalb werden laut Bürgermeisterin Jennifer Meuren alternative Fördermöglichkeiten geprüft, etwa eine bis zu 80-prozentige Kostenübernahme durch den Topf Hochwasserrisikomanagement/ Wasserrahmenrichtlinien.

In Alendorf und Ahrdorf etwa werden künftig Bypässe den Durchfluss an Brücken erhöhen und die Bachläufe unter den Bauwerken entlasten. Ein Stahlbetonrohr ist im Bereich der Bachgasse in Alendorf geplant. In Ahrdorf zudem, um die tieferliegenden Ortsteile zu schützen, mobile Hochwasserschutzwände. Welches System wo infrage kommt, ist noch nicht entschieden. Alle von Hochwasser oder Starkregen betroffen Orte werden entsprechend überprüft.

Zwölf Brücken wurden in Blankenheim bei der Flutkatastrophe beschädigt

Ein weiterer Kostenfaktor sind zwölf Brücken im Gemeindegebiet, die 2021 mehr oder weniger stark beschädigt wurden. Die meisten sind bereits instandgesetzt. Neubauten entstanden über den Schaafbach unterhalb von Ripsdorf, über der Ahr zum Vellerhof wurde eine Privatbrücke ebenfalls ersetzt. Die Urftbrücke in Blankenheim-Wald und die Nonnenbach-Brücke werden noch erneuert.

Für die Brückenarbeiten fielen bisher bereits rund 523.000 Euro an, finanziert aus Wiederaufbaumitteln. Für die Vellerhof-Brücke, die auch touristischen und landwirtschaftlichen Zwecken dient, werden 215.000 Euro übernommen, die nicht aus Versicherungsleistungen gedeckt sind.

Investitionen in Hochwasserschutz von 2003 bis 2007 zeigen Wirkung

Weitere zwei Millionen Euro wurden aus dem Wiederaufbauplan bisher für die Sanierung der betroffenen Strecken auf den 620 Kilometern Wirtschaftswegen und 520 Kilometern Forstwegen investiert. Wege mit Gefahrenstellen und großen Schäden wurden sofort saniert, Aufträge für weitere Sanierungen befinden sich derzeit in der Ausschreibung.

Dass alle diese Arbeiten manchmal der des Sisyphos ähneln, zeigt sich am Wander- und Wirtschaftsweg parallel des Aulbachs bei Neuhof, wo gerade der Treibgutrechen installiert worden ist. Etwas oberhalb war an einer Stelle ein Teilstück des Wegs durch von den Waldhängen herabfließendes Wasser unterspült worden und abgebrochen. Der Bauhof, so Martin Peetz von der Verwaltung, hatte die Lücke geschlossen – da unterspülte ein Unwetter im Frühjahr die Stelle erneut. Der Weg ist wieder gesperrt.

Schließlich machten sich die Mitarbeiter des Forstbetriebes nach der Flut an die Begutachtung der 520 Kilometer Forstwege. Auch hier wurden Schadenskategorien aufgestellt, die nötigen Arbeiten inzwischen abgeschlossen. Allein 530.000 Euro wurden hierfür aus dem Wiederaufbauplan fällig.

Alles das sind auch für Fachbereichsleiterin Maria Nelles ungewohnte Dimensionen. Zuletzt zwischen 2003 und 2007 sei im Gemeindegebiet in großem Umfang in den Hochwasserschutz investiert worden. „Damals haben wir Blankenheim untertunnelt, vier Regenrückhaltebecken angelegt und die Ahr ausgeweitet“, erinnert sich Nelles. Das sei damals als „völlig überdimensioniert“ kritisiert worden. Doch die Weitsicht zahlte sich aus: „2021 haben sich die Systeme bewährt und noch Schlimmeres verhindert.“