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Historisches HobbySo kämpfen die „Vorgebirgsritter“ aus Bornheim

Lesezeit 4 Minuten
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Schwer zu tragen: Die Metallanzüge und Kettenkleider können um die 40 Kilogramm und mehr wiegen.

Bornheim – Jungen bekommen glänzende Augen und auch Erwachsene geraten ins Schwärmen, wenn sie Nico Utz (18) und Moritz Schmidt (19) bei ihren Kämpfen zusehen. Laut krachen dann ihre eisernen Schwerter gegeneinander. Eckig und kantig sind ihre Bewegungen in den schweren Rüstungen. Hart ist das Training in den unbeweglichen Metallanzügen und Kettenkleidern, die 40 Kilogramm und mehr wiegen können.

Besonders wichtig sei bei ihrem Hobby der Schutz an Kopf, Beinen und Händen. „Da haben wir uns auch schon mal gegenseitig verletzt“, berichtet Utz. Das passiere halt beim Kampf. Bisher seien es aber nur ein paar Kratzer und Schrammen gewesen. „Nichts Ernstes“, betont er. Allerdings wissen sie auch, dass sie schon sehr sorgfältig und korrekt mit ihren Schwertern umzugehen haben.

„Auch wenn sie stumpf sind, bleiben es sehr gefährliche Waffen“, betont Utz. Das sei ihnen natürlich auch beim Training immer bewusst. „Trotzdem macht es uns großen Spaß“, bestätigt Schmidt. Ein anderes Hobby möchte er sich gar nicht erst vorstellen. Längst kämpfen sie als Ritter nicht nur auf der Wiese in Dersdorf hinter dem Haus, sondern auch auf Mittelaltermärkten. Aktuell studieren die beiden „Vorgebirgsritter“ neue Choreographien im Schwertkampf ein, mit denen sie demnächst auftreten wollen.

Mindestens dreimal die Woche in voller Montur

Immer und immer wieder gehen sie dabei auf Start - dann stehen sie sich wie zwei „Krieger“ gegenüber und im nächsten Augenblick fühlt man sich tatsächlich ins tiefste Mittelalter versetzt. Nur Übung mache Meister, das gelte auch bei Ritterkämpfen. Mindestens dreimal die Wochen schlüpften sie in ihre Rüstungen, um in Bewegung zu bleiben. „Anfangs hält man es nur wenige Minuten in den schweren Rüstungen aus“, so Utz.

Jede Bewegung ist in der eng anliegenden und unbeweglichen Kluft ungewohnt und extrem anstrengend. Das Training ist auch wichtig, um eine gute Kondition aufzubauen. „Als Anfänger reichen schon einige Minuten, bis einen das Gefühl ereilt, dass die Arme abfallen könnten“, lacht Utz. Doch das Training sei sehr hart. „Unser Hobby es ist einfach ein kleiner Nervenkitzel, eine Kombination von Spaß und Risiko“, beschreibt Utz seine Empfindungen. Ziel beim Schwertkampf ist, den Gegner zu treffen, ohne selbst getroffen zu werden. Man kämpft in einem Duell und findet heraus, wer der Beste ist und was der andere draufhat.

Kampfkunst erfordert eine Menge Ausdauer und Geduld

„Mein erstes Schwert war aus Holz“, erzählt er. Acht Jahre war er alt, als ihn sein Vater schon regelmäßig mit zu den mittelalterlichen Märkten nahm. Heute hat er so wie auch Schmidt mehrere Rüstungen und Schwerter aus Eisen. „Die Schwerter sind sehr schwer, bis zu fünf Kilogramm“, sagt Schmidt. Einige könne man deswegen nur mit beiden Händen halten. Es brauche eine Menge Ausdauer und Geduld, bis einem das Schwert beim Kampf nicht mehr aus der Hand fällt. „Schwertkampf ist einer der härtesten Sportarten“, sagt er. Um jedoch als Ritter auf den mittelalterlichen Märkten überzeugen zu können, müsse man nicht nur überzeugend kämpfen, sondern auch wissen, wen man darstellt. Schmidt und Utz können eine ganze Menge über die Ritter und die Ritterzeit berichten.

So seien Ritterrüstungen im Verlauf des Mittelalters, das etwa vom sechsten bis zum 15. Jahrhundert ging, immer weiterentwickelt und immer komplexer geworden. Ihre eigenen Rüstungen seien im gotischen Stil gefertigt, wie sie von Rittern vor etwa 500 und 600 Jahren getragen wurden. Und natürlich habe es auch Ritter im Vorgebirge und in der ganzen Region gegeben. „Ein gutes Indiz dafür sind die Rheinburgen und die zahlreichen Ruinen in der Eifel“, erklärt Utz. Auch die Schallenburg in Brühl-Schwadorf, nur wenige Kilometer von Dersdorf entfernt, soll einst ein echter Rittersitz gewesen sein. Ritter beschreibt Utz als „Elitesoldaten ihrer Zeit und absolute Hochleistungssportler. Ihr Mythos lebt bis heute“, sagte er.

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Purer Zufall war es, dass Schmidt und Utz zusammenfanden und inzwischen noch weitere Ritter in ihrer Tafelrunde aufnehmen konnten. „Als wir nach Bornheim gezogen sind, war Moritz in meiner Schule, doch als Kinder hatten wir nicht viel miteinander zu tun“, berichtet Utz. Erst als sie sich irgendwo in Deutschland auf einem mittelalterlichen Markt zufällig trafen, hätten sie ihre große Gemeinsamkeit erkannt. Kurz darauf hätten sie sich zu den ersten ganz privaten „Ritterkämpfen“ verabredet. Bald seien weitere Schulkollegen dazugekommen.