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Kommentar zu Dänemarks MonarchieKann Frederik Königin?

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Prinz Frederik übernimmt den dänischen Thron.

Prinz Frederik übernimmt den dänischen Thron.

Bodenständig und volksnah: Der größte Skandal, den er zu bieten hat, ist die mutmaßliche Übernachtung bei einer Freundin in Spanien.

Königin Margrethe II. rauchte bis vor Kurzem 60 Zigaretten am Tag. Bis zuletzt war sie mit ihrem kapriziösen, am Ende dementen Ehemann zusammen. Nach seinem Tod sagte sie über die Zeit seiner Krankheit: „Es ist schwer, es laut auszusprechen. Und es klingt nicht gut, wenn man es sagt. Aber ich bin dankbar, dass er nicht mehr bei uns sein musste.“

Royals als Markenbotschafter ihres Landes

Das ist so einfach wie wahr. Und als Äußerung einer Königin ist es sehr ungewöhnlich. Der Tonfall ist zugleich die Antwort auf die Frage, warum dieses Königshaus so beliebt ist. Die Monarchie als Staatsform ist längst nicht mehr zeitgemäß. Als gute Demokratin, als überzeugter Republikaner muss man eigentlich strikt dagegen sein. Warum soll man vor manchen Menschen einen Knicks machen, vor anderen aber nicht? Die Rechnung ist in Dänemark dieselbe wie in vielen Monarchien: Einerseits kostet das Königshaus den Steuerzahler viel Geld. Andererseits leisten die Royals auch etwas dafür: Sie sind Markenbotschafter ihres Landes und ein wichtiger Tourismusfaktor. Sie sorgen für nationalen Zusammenhalt und kommen der Tagespolitik nicht in die Quere. Im Gegensatz zur skandalgeschüttelten britischen Königsfamilie machen sie ihren Job sogar professionell.

So praktisch und unsentimental wie Margrethe selbst wird nun auch die Thronfolge inszeniert: Die Krone bleibt im Schrank, die ganze Zeremonie dauert alles inklusive keine vier Stunden. Dänische Designer haben das Prinzip „Form follows function“ zur Perfektion gebracht. Es gilt auch für die Königsfamilie. Und Frederik? Der größte Skandal, den er zu bieten hat, ist die mutmaßliche Übernachtung bei einer Freundin in Spanien. Er ist ausgebildeter Kampftaucher und Kampfpilot, hat also einen Sinn fürs Praktische. Ein großer Redner soll Frederik X., wie er dann heißen wird, nicht sein. Dafür hat er Politikwissenschaft studiert: Er weiß also, wo seine Macht beginnt und endet.