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Aufstand in SyrienDiese drei Lehren ziehen wir aus Assads Sturz

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Ein zerbrochenes Porträt des verstorbenen syrischen Präsidenten Hafis al-Assad liegt auf dem Boden, während Menschen in der durchwühlten Privatwohnung des syrischen Präsidenten Bashar Assad im Malkeh-Viertel nach Habseligkeiten suchen.

In Damaskus liegt ein zerbrochenes Porträt des verstorbenen syrischen Präsidenten Hafis al-Assad auf dem Boden, während die Wohnung seines Sohnes Baschar al-Assad geplündert wird.

Der Umbruch in Syrien hat auf der Weltbühne einiges offenbart. Welche Erkenntnisse gibt es – auch mit Blick auf Russland und Israel? 

Geschichte im Zeitraffer: Jahrzehntelang galt die Herrschaft der Familie Assad in Syrien als unumstößliche Tatsache, auch wenn Teile des Landes ihrer Kontrolle entglitten waren. Jetzt, nur eine Woche nach dem Fall von Aleppo, ist Diktator Baschar al-Assad auf der Flucht. Aus dem Zusammenbruch seines Regimes lassen sich drei Lehren ziehen.

Erstens: Russland und der Iran, Assads Schutzmächte, sind nicht unbesiegbar. Sie haben keine sakrosankten Einflusszonen, in denen jede Gegenwehr zwecklos wäre. Sie haben sich übernommen und agieren rational genug, die darob unvermeidliche Niederlage schlicht einzustecken. Die westlichen Unterstützer der Ukraine sollten da genau hinsehen.

Assad in Syrien gestürzt: Für Israel wäre Mäßigung das Gebot der Stunde

Zweitens: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lässt sich vor niemandes Karren spannen. Er nimmt keine Rücksicht auf US-Interessen in Nordsyrien, aber auch Russen und Iraner können sich trotz feierlicher Dreiertreffen nicht auf die Regierung in Ankara verlassen. Weder wird Erdogan die von Russland im Ukraine-Krieg angestrebte Vorherrschaft im Schwarzen Meer akzeptieren noch von ihm gesehene Chancen in Syrien verpassen. Man kann nur hoffen, dass Erdogan nicht zu hoch pokert. Bisher hat noch jeder verloren, der glaubte, militante Islamisten wie jetzt in Syrien für die eigenen Zwecke nutzen zu können. Und ob unter solchen neuen Herren Verhältnisse entstehen, die die Rückkehr einer großen Zahl von Flüchtlingen aus der Türkei und der EU erlauben, das ist noch lange nicht ausgemacht.

Drittens: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sitzt fester im Sattel denn je. Die Welt hielt den Atem an, als er auf die von der Hisbollah an der Seite der Hamas betriebene Aggression mit einer großen Gegenoffensive reagierte – aber er hat gewonnen. Das traf die Hisbollah und ihre iranischen Auftraggeber so empfindlich, dass sie Assad nicht mehr helfen konnten. Und die Hamas steht allein da.

Wäre Netanjahu ein weiser Mann, dann würde er aus dieser starken Position Angebote für eine gedeihliche Zukunft der Palästinensergebiete machen. Israel müsste daran interessiert sein, um den Rücken freizubekommen. Es ist ja fraglich, ob die sunnitischen Extremisten in Syrien angenehmere Nachbarn sein werden als der kühl rechnende Massenmörder Assad. Mäßigung wäre da das Gebot der Stunde. Leider wird das Gegenteil passieren, und man muss schon froh sein, wenn sich Netanjahu wenigstens dem Ruf seiner rechtsextremen Koalitionspartner nach Annexion des Westjordanlandes widersetzt.