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Museum SchnütgenSchau „Licht in dunklen Zeiten“ zeigt Glasmalerei aus Kiew

Lesezeit 4 Minuten
Köln: Die Glasmalerei „Der verlorene Sohn hütet die Schweine“

Köln: Die Glasmalerei „Der verlorene Sohn hütet die Schweine“

Die Ausstellung im Museum Schnütgen zeigt Glasmalerei aus Kiew, fördert internationale Zusammenarbeit und bewahrt ukrainische Kunstschätze.

Auf Fotos und im Film sind die Scherben und Splitter zu sehen, die auf den Böden des berühmten Khanenko Museums in Kiew im Oktober 2022 in Folge eines Raketenangriffs im Umfeld des Hauses liegen. Es sind die Fensterscheiben, die wie in so vielen Häusern in der Ukraine durch Holzplatten ausgetauscht, oder bestenfalls notdürftig wieder verklebt werden, wobei bruchstückhafte Muster entstehen.

Spezialtransport gut überstanden

Noch nachträglich mag man den Atem anhalten, bedenkt man, dass das Museum auch eine der wichtigsten Sammlungen mittelalterlicher Glasmalerei beherbergte. Das Sammlerpaar Bohdan und Warwara Khanenko hatte zur Wende zum 20. Jahrhundert weltweit Kunst gekauft. Glückspilze waren die Khanenkos, da sie erstklassige Werke wie das Bild des Propheten Ezechiel aus den Jahren um 1212 bis 1220 erwerben konnten, die ursprünglich für die Kathedrale im französischen Soissons gefertigt worden waren.

Die Glasmalereien „Apostel Paulus“

Die Glasmalereien „Apostel Paulus“

Schätze dieses Kalibers finden sich heute in Häusern in Boston oder New York. Das Sammlerpaar übergab die Kunst später der Stadt Kiew. Die Gründung des Museums erfolgte dann im Februar 1919 nach der Errichtung der Sowjetunion. Der Name des schwerreichen Sammlerpaars wurde über Jahrzehnte gar nicht mehr genannt. Während des Zweiten Weltkriegs lagerte man große Teile der Sammlung aus. Trotzdem gingen dem Museum rund 350 Bilder, fast 2000 Stiche und rund 500 kunstgewerbliche Stücke verloren. Wie durch ein Wunder blieb die Glaskunst beim Angriff 2022 unbeschadet, konnte in Kiew aber nicht bleiben.

Abenteuerliche Reise für die Kunstwerke

Auf abenteuerlicher Reise ging der Spezialtransport mit Hilfe des Corpus Vitrearum Deutschland, der internationalen Forschungseinrichtung für mittelalterliche Glasmalerei in der Trägerschaft der Akademie der Wissenschaft, Ende vergangenen Jahres ins 1650 Kilometer entfernte Museum Schnütgen. Sowie in die Restaurierungswerkstatt für Glasmalerei der Dombauhütte. Laut Schnütgen-Direktor Moritz Woelk eröffnen sich mannigfaltig Forschungsthemen. Unter den Förderern ist auch die Mainzer Wissenschaftsakademie. Im Schnütgen sind acht der zwölf Glasfenster für ein Jahr in der Ausstellung „Licht in dunklen Zeiten. Mittelalterliche Glasmalerei aus dem Khanenko Museum Kyiw“ zu sehen.

Die Glasmalerei „Pfingstwunder“ (l) hängt in der Ausstellung „Licht in dunklen Zeiten - Mittelalterliche Glasmalerei aus dem Khanenko Museum in Kiew“.

Die Glasmalerei „Pfingstwunder“ (l) hängt in der Ausstellung „Licht in dunklen Zeiten - Mittelalterliche Glasmalerei aus dem Khanenko Museum in Kiew“.

Dort treten sie in Dialog mit Glaskunst aus dem Museum Schnütgen, der Peter und Irene Ludwig Stiftung und aus Privatbesitz. Zeitgleich zu den Khanenkos sammelte Domkapitular Alexander Schnütgen in Köln, trug viele Fragmente der Glaskunst zusammen. Die Kuratorinnen Manuela Beer und Carola Hagnau erzählen manche biblische Geschichte, wobei die Bilder mit Blick auf die Herkunftsorte wechseln. So erzählen zwei Scheiben aus Kiew, wie der „verlorene Sohn“ bei einem Bauern erst um Arbeit bittet, später als Schweinehirt vor Hunger gerne das Futter verschlingen würde, bis er beschließt heimzukehren.

Heimkehr des verlorenen Sohnes

Davon erzählt die dritte Scheibe aus dem Fundus des Museum Schnütgen. Eines der größten Exponate aus Kiew ist das Fenster, welches das Pfingstwunder darstellt. Eine Arbeit, die 1540 in den südlichen Niederlanden/ Flandern entstand. Pfingsten erinnert an den großen Traum vom Miteinander aller Christen. Und es ist auch Plakatmotiv und Anknüpfungspunkt für die Ausstellung, die weit mehr bedeutet als eine Schau seltener Exponate. Wie Manuela Beer betonte, knüpften das Schnütgen-Team und die Mitarbeiter des Khanenko-Museums enge Bande.

„Es ist ein bisschen vergleichbar mit einer Brieffreundschaft, es waren eben stattdessen Mails.“ Wie Martin Hoernes, Generalsekretär der beteiligten Ernst von Siemens Kunststiftung, erklärte, ist es angesichts des Krieges in der Ukraine wichtig, „zusammenzustehen, um die Objekte und Geschichte zu bewahren.“ Carla Cugini, Vorständin der Peter und Irene Ludwig Stiftung fügte hinzu, dass es für die zerbrechliche Kunst besonders starke Beziehungen brauche.

Cornel Soltek, Vorsitzender des Freundeskreises Husum Schnütgen, zollte den Mitarbeitern des Museums in Kiew Respekt, die ihre Arbeit im weitgehend leergeräumten Museum mit Lesungen und Konzerten fortführen und Zeichen gegen alle Versuche zu setzen, die Kultur und Geschichte der Ukraine zu beschädigen. Yulya Vaganova, Direktorin des Khanenko Museums, betonte, wie wichtig die Wertschätzung aus dem Ausland für sie und ihr Team sei. Die Kunst zu zeigen, sei die Chance, der Zerstörung etwas entgegen zu setzen.

Bis 12. April 2026, Di bis So 11 – 18 Uhr, Cäcilienstr. 29 – 33.

Begleitend zu „Licht in dunklen Zeiten“ gibt es ein Rahmenprogramm mit Führungen, Workshops und Vorträgen. Die Ernst von Siemens Kunststiftung vermittelt zudem Restaurierungspatenschaftem für die Glasmalerei des Khanenko Museums.