Ende 2023 verließ Sophie Berner, wandte sich neuen Aufgaben zu. Nun kehrt die 40-Jährige zurück und spielt noch einmal die Satine.
Erfolgsmusical in KölnSophie Berner kehrt als Satine zu „Moulin Rouge“ zurück

sophie berner im interview Foto: Meike Böschemeyer
Copyright: Meike Böschemeyer
Als „Moulin Rouge“ im November 2022 Premiere feierte, wurden Sie gefeiert, die Kritiken überschlugen sich, die Reaktionen waren rundherum positiv. Sie sind schon lange im Geschäft, aber so viel Aufmerksamkeit dürften Sie vorher noch nicht gehabt haben.
Absolut. Und ich war, wie Sie sich vorstellen könne, über alle Maßen glücklich, dass Köln diese Show so wahnsinnig positiv aufgenommen hat und sie bis heute wie Bolle läuft. Also von daher bin ich natürlich sehr glücklich, ein Teil davon gewesen und jetzt wieder zu sein.
Hat das für ein Plus an Selbstbewusstsein gesorgt, in einem so großen Projekt im Mittelpunkt zu stehen, das dann auch noch so gut angenommen wird?
Bis zu einem gewissen Grad gibt einem das natürlich einen positiven Push. Interessanterweise ist es immer so, je höher die Erwartungen an einen sind, umso mehr hat man das Gefühl, man muss immer diese Erwartungen auch erfüllen. Das löst schon einen gewissen Druck aus.
Aber man hebt nicht mehr ab, wie das vielleicht passiert, wenn man 20 ist?
Da bin ich, glaube ich, einfach zu wenig der Typ für. Ich hinterfrage mich immer: Ist es noch gut, bin ich noch auf dem richtigen Weg? Dabei versuche ich, weiterzuarbeiten und nicht stehenzubleiben.
Ende 2023 haben Sie einen Schlussstrich unter die Rolle und die Show gezogen. Warum?
Ich fand, es waren eineinhalb Jahre, die waren so toll und so gut. Und ich hatte das Gefühl, ich habe jetzt so alles reingegeben, und es ist ein guter Zeitpunkt, „meine Künstlerperson weiter zu füttern“ und neue Stücke zu machen. Aber ich habe „Moulin Rouge“ dann schon sehr vermisst.
Auch die Sicherheit und die Regelmäßigkeit, die ein sogenanntes „long run“ Musical bietet?
Genau. Aber in dem Moment, wo man sich entscheidet, diesen Beruf zu machen, muss man natürlich an die finanzielle und an die berufliche Sicherheit immer denken. Aber schlussendlich funktioniert dieser Beruf so nicht. Es geht auch immer darum, zu gucken, was kommt Neues. Und das Vertrauen zu haben, dass etwas Neues kommt. Auf eine gewisse Art und Weise hat man manchmal die Möglichkeit in einem long run, dass es einem fast wie ein Bürojob vorkommt. Schlussendlich ist es aber so nicht. Es ist Kunst, und du musst sie immer aus dir selbst heraus produzieren. Deswegen ist es immer dann doch was anderes.
Was kam alles Neues?
Drei sehr tolle Produktionen. Zunächst in Dresden „Die sieben Todsünden“ von Brecht/Weill. Das war perfekt nach „Moulin Rouge“, weil es etwas ganz anderes war. Eine andere Darstellungsweise, diese intensive, intellektuelle Musik – und ein anderes Erarbeiten: Was bedeutet eine bestimmte Passage, was will man erzählen – und wie.
Dann bin ich in der Komödie „Cluedo“ eingesprungen, weil eine Hauptdarstellerin krank wurde und der Regisseur mich eine Woche vor der Premiere angerufen hat. Das war auch deshalb so toll, weil ich noch einmal gemerkt habe, dass ich innerhalb von vier Tagen ein Theaterstück auswendig lernen kann, das immer im Kopf habe und durchgehend zwei Stunden auf der Bühne stehe, ohne in ein Textbuch gucken zu müssen. Da hilft die Erfahrung, seit 20 Jahren diesen Job zu machen.
Zu guter Letzt habe ich in „Anything Goes“ gespielt, zu Beginn meiner Karriere war ich schon einmal Hope, nun Reno Sweeney, die Hauptfigur.
Nun wieder „Moulin Rouge“. Hatten Sie die Rolle noch drauf – Text, Choreographie, Gänge?
Ich erinnere mich an Kollegen, die nach 20 Jahren noch ganze Passagen rezitieren können. Wenn bei mir ein Stück vorbei ist, ist es dann auch aus dem Kopf.
Das heißt, Sie mussten sich intensiv vorbereiten.
Auf jeden Fall. Sowohl stimmlich als auch körperlich. Und bei der Szenenarbeit: Die Szene, in der der Duke überzeugt werden soll, zu investieren, und in der es hin und her geht, habe ich versucht, mir in meinem Wohnzimmer aufzubauen. Schlussendlich stand ich immer in der Mitte und dachte, irgendwie steh ich falsch (lacht).
Aber mir war klar, wenn die Kollegen da sind und ihre Wege gehen, kommt das für mich auch wieder. Man sagt immer, der Kopf erinnert sich vielleicht nicht, aber der Körper. Das heißt, wenn du den Kopf kurz ausschaltest und einfach laufenlässt, gehst du automatisch richtig und weißt, was du tust.
Und sonst?
Es sind so kleine Sachen, die ich dann gar nicht mehr wusste. Bei den Schnellumzügen hinter der Bühne zum Beispiel. Dort helfen mir immer zwei Dresser, damit alles punktgenau funktioniert, und ich musste mich noch mal fragen: Wo helfe ich mit? Zieh ich mir selber die Schuhe aus oder werden die Schuhe ausgezogen? Mache ich da irgendwas auf? Das musste ich mir noch einmal anschauen, damit wir uns morgen damit nicht aufhalten müssen. Also, all die Dinge, die nebenbei passieren. Die wichtigen Dinge, die sind eingebrannt.
Gibt es, obwohl Sie die Rolle schon so oft gespielt haben, noch Szenen, vor denen Sie Manschetten haben?
Wenn ich oben auf der Schaukel sitze. Es ist ein so exponierter Auftritt, dass man da schon denkt, es wäre gut, wenn dich jetzt die Nervosität nicht überkommt, alle Töne richtig rauskommen und du nicht von der Schaukel rutschst (lacht). Dass die Corsage beim Quick Change rechtzeitig aufgeht. Dass man nicht hinten auf den Puschel des voluminösen Kostüms steigt, während man sich so ganz cool umdreht.
Das ist immer ein Moment, der sehr aufregend ist. Die Show läuft da ja schon 20 Minuten, du sitzt da oben. Dann geht die Klappe auf, und es geht 20 Meter runter. Dann heißt es, Ruhe bewahren. Gut aussehen. Und den Auftritt hinlegen.