Ulrike Emons und Christel Steinmetz erzählen Anekdoten aus der 40-jährigen Geschichte des Emons Ulrike Emons und Christel Steinmetz erzählen Anekdoten aus der 40-jährigen Geschichte des Emons Verlages.
Anekdoten aus 40 Jahren Emons VerlagWie Frank Schätzing beinahe Feuer fing

Das Emons-Team am Strand von Cadzand - das Bild wurde im Verlagsprospekt 1995 verwendet.
Copyright: Emons Verlag
Das erste Buch
„Ein Freund von uns wollte ein Buch über romanische Kirchen schreiben, fand aber keinen Verlag“, erzählt Ulrike Emons. „Daraufhin hat mein Mann gesagt, dann gründe ich einen Verlag. Das Buch ist aber nie fertig geworden. Ich weiß auch nicht, ob der Vorschuss später mit anderen Büchern des Autors verrechnet worden ist.“ Lange Zeit wurden Verträge per Handschlag gemacht, es war eine Sache des Vertrauens. Die Idee für das wirkliche erste Buch hatte Emons „aus Wien mitgebracht“: ein Stadtführer mit Adressen und anderen Informationen. Daraus wurde dann „Köln zwischen Himmel un Ääd“. Ein Erfolg.
Die Köln-Krimis
Emons kam auf die Idee, dass man auf die Krimis mal draufschreiben könnte, wo sie spielen. „Er hat dann Köln-Krimi draufgeschrieben, und das war die Erfindung des Regionalkrimis.“ Den ersten der Reihe schrieb Christoph Gottwald.
Späte Genugtuung
Jahrelang gab es Streit darüber, ob Emons oder der Graphit-Verlag das Genre begründet hätten. „Irgendwann war es eindeutig nachgewiesen, anhand des Erscheinungstages. Und der Verleger von Graphit hat es dann auch zugegeben“, erzählt Ulrike Emons — nicht ohne Genugtuung.
Ein Herd in Flammen
Wie Hejo Emons kocht auch Frank Schätzing gerne, öfter standen sie auch mal gemeinsam in der Küche – so auch bei der Vorstellung von Schätzings Krimi „Mordshunger“ in einem Restaurant an der Kyffhäuser Straße. „Doch weil beide so vertieft in ein Gespräch waren, stand plötzlich etwas auf dem Herd in Flammen“, erinnert sich Ulrike Emons.Auch nach dem Wechsel Schätzings zu Kiepenheuer sei der Kontakt bestehen geblieben – ebenso mit anderen früheren Autoren wie Friedrich Ani oder Volker Kutscher.

Hejo Emons und Frank Schätzing mit dem Krimi „Mordshunger“.
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Wie Familie
Christel Steinmetz ist 68 und hat „die Hälfte meines Lebens“ im Verlag gearbeitet. Sie kannte Hejo Emons vom Studium, irgendwann stieg sie mit ein, erlebte mit, wie die Firma größer und größer wurde. Zunächst wurde aus der Wohnung des Ehepaares Emons heraus gearbeitet. „Es gab einen Raum, und im Flur wurden die Bücher gestapelt“, erinnert sich Christel Steinmetz.
Bis zum heutigen Tag geht es im Verlag sehr familiär zu. Ziemlich zu Beginn reiste die damals noch kleine Belegschaft der Familie Emons ins niederländische Cadzand nach, um den Chef an seinem Geburtstag zu überraschen. „Bevor sie ankamen, hatte er sich beschwert, es würde niemand aus dem Verlag anrufen, um zu gratulieren“, erinnert sich Christel Steinmetz lachend.
Für sie gab es später noch einen ganz besonderen Moment mit Hejo Emons, den sie, wie eine Reihe anderer, Jupp nennt. „Ich hatte keinen Vater mehr, also habe ich ihn gefragt, ob ich meinen jetzigen Mann heiraten soll.“ Emons stimmte zu – und die Ehe hält bis heute.
Der sture Verleger
Friedrich Anis Krimi „Killing Giesing“ wollte Emons persönlich in Münchener Buchhandlungen ausliefern, aber das Interesse war nicht sonderlich groß. „Und wir hatten gedacht, das ist ein Münchner Autor, die reißen uns das aus den Händen, aber selbst die Buchhandlung in Giesing nahm nur ein Exemplar“, beschreibt Christel Steinmetz die frustrierende Tour. „Jupp war schon ziemlich angefasst.“
Auf dem Heimweg nach Köln erreicht sie ein Anruf aus dem Verlag: Sie sollen kehrtmachen, die Giesinger Buchhandlung brauche unbedingt mehr Exemplare, da seien Leute, die wollten unbedingt den Krimi lesen. Aber Emons blieb stur und fuhr weiter.
Der sparsame Verleger
In den ersten Jahren wurde nach der Buchmesse immer wieder abends von Frankfurt nach Hause gefahren – wobei man bei der Rückfahrt im Zug schon mal etwas angetrunken war. „Einmal sind sie eingeschlafen und erst in Dortmund wieder aufgewacht.“ Die Nacht verbrachte man auf dem Bahnsteig, denn erst am nächsten Morgen ging ein Zug zurück.

Eingenickt: Hejo Emons auf der Frankfurter Buchmesse mit seinem damaligen Kompagnon Tom Maier.
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Der Erfolg des Messeauftritts blieb zunächst übersichtlich. Und so beschloss Emons irgendwann einmal: „Dieses Mal fahren wir nicht hin.“ Am ersten Messetag sei dann das Telefon gegangen, ob es den Verlag noch gebe?
Enttäuschungen
„Es gibt immer wieder Autoren, die uns als Sprungbrett nehmen und dann woanders hingehen“, haben Ulrike Emons und Christel Steinmetz erlebt. Aber auch solche, die wieder zurückkommen, wenn sie feststellen, dass sie bei einem großen Verlag nicht wahrgenommen werden.
Man habe aber auch erleben müssen, dass von einigen im Nachhinein schlecht über den Kölner Verlag gesprochen worden sei. „Das waren Leute, die große Anzeigen wollten, großes Marketing, große Lesereise, aber wir haben von Anfang an klargestellt, dass das der Verlag nicht leisten kann.“ Es sei nie ein großer Shitstorm entstanden, sei eher bei Sticheleien geblieben, aber weh getan habe es dennoch.
Die italienische Abteilung
Auch die Entstehung des italienischen Hörbuchverlags ist eine Familiengeschichte: Bei einem Italienurlaub lernte Franziska Emons Tochter Luzie ein anderes Mädchen kennen — und deren Eltern. Emons und der Vater des Mädchens beschlossen, eine Lücke des dortigen Buchmarktes zu schließen und Hörbücher zu veröffentlichen, was ein großer Erfolg wurde. „Und Hejo war besonders stolz, als im Kreuzworträtsel der Zeitung ‚La Republicca’ das Lösungswort für Hörverlag ‚Emons’ war!“