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Krankenhausplan NRWSo wirkt sich Laumanns Reform in Köln aus

Lesezeit 5 Minuten
Ein Aufwachraum im Klinikum Köln-Merheim (Symbolbild).

Ein Aufwachraum im Klinikum Merheim. Auf Kölns Kliniken kommen einige Änderungen zu.

Der neue Krankenhausplan NRW wird auch die Kliniklandschaft in Köln erheblich verändern. In einigen Kliniken müssen Fachbereiche schließen, an anderen Häusern werden sie gestärkt.

Der neue Krankenhausplan für Nordrhein-Westfalen, den NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstagnachmittag in Düsseldorf vorgestellt hat, wird auch auf die Kliniklandschaft in Köln erhebliche Auswirkungen haben. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist das Ziel der Reform?

Angesichts von steigenden Kosten, Personalmangel und weiteren Herausforderungen soll die Kliniklandschaft in NRW effizient und zukunftsfähig aufgestellt werden. Geplant wird künftig nicht mehr in Betten, sondern in ausreichend hohen Fallzahlen und Leistungsgruppen mit Qualitätsvorgaben.

Was sieht der neue Krankenhausplan NRW vor?

Nach sechs Jahren Vorarbeiten hat das Gesundheitsministerium am Montag an alle 330 Kliniken in NRW Feststellungsbescheide verschickt. Damit steht nun im Detail fest, welche Klinik künftig welche Leistungen anbieten darf. Diese Information ist auf der Internet-Seite des Ministeriums einsehbar. Viele Kliniken verlieren Leistungsbereiche. Das bedeutet: Sie werden die betroffenen Abteilungen wohl schließen, da sie für dort durchgeführte Behandlungen keine Vergütung von den Krankenkassen mehr erhalten. Die Reform tritt ab 1. April 2025 in Kraft, das volle Ausmaß der Änderungen greift ab 1. Januar 2026.

Wie viele Kölner Kliniken sind betroffen?

Der neue Krankenhausplan NRW macht Vorgaben für 19 somatische Kliniken in Köln (also Kliniken, in denen körperliche Erkrankungen behandelt werden) sowie zehn psychiatrische Kliniken.

Welchen Effekt hat die Reform auf die Kölner Kliniken?

In Städten gebe es tendenziell eine Überversorgung mit Krankenhäusern, betonte Laumann. Daher werde die Reform dort größere Auswirkungen haben. Während größere Kliniken die meisten Leistungsbereiche behalten und teils ausweiten dürfen, werden kleinere Häuser Abteilungen schließen müssen.

Was heißt das konkret für einzelne Kliniken in Köln?

Auf Anfrage der Rundschau erklärte ein Sprecher der Uniklinik Köln, für sie würden sich „keine wesentlichen Änderungen“ ergeben. „Als spezialisierte Universitätsmedizin behandeln wir weiterhin viele meist schwerstkranke Patientinnen und Patienten. Mittelfristig dürften es noch mehr schwere und weniger leichte Fälle werden.“ Jedoch werde man künftig Transplantationen von Lunge, Herz und Leber „aufgrund geringer Fallzahlen“ nicht mehr erbringen. „Hier kooperieren wir mit anderen Zentren.“ Mit mehr als 100 Kooperationsverträgen „gestaltet die Uniklinik die regionalen Versorgungsstrukturen aktiv mit und ermöglicht vielen kleineren Krankenhäusern, bestimmte spezialisierte Versorgungsangebote weiterhin wohnortnah anzubieten“.

Ein Gewinner der Reform sind auch die Kliniken der Stadt Köln, die als Maximalversorger weiterhin ein sehr breites Spektrum anbieten werden. Sie werden gestärkt und müssen nur in minimalem Umfang Leistungen abgeben. Als eines der größten kommunalen Krankenhäuser in NRW habe man „nahezu sämtliche der beantragten Leistungsgruppen zugesprochen bekommen“, erklärten die städtischen Kliniken auf Anfrage. Von Streichungen seien „nur einzelne Eingriffe mit insgesamt sehr marginalen Fallzahlen betroffen, die ohnehin äußerst selten im Rahmen der Notfallversorgung durchgeführt werden“. Der neue Krankenhausplan bestätige „die strategische Ausrichtung der Kliniken der Stadt Köln, mit dem Gesundheitscampus Merheim hochqualifizierte Spezialmedizin zentral am Standort eines Maximalversorgers zu bündeln“. Das Land NRW hatte am 3. Dezember eine Förderung in Höhe von 250 Millionen Euro für die Zusammenlegung der drei städtischen Kliniken in Merheim angekündigt.

Profitieren nur die beiden Kölner Maximalversorger?

Nein. Wer in seinen Bereichen gut aufgestellt ist, wird unterstützt. Frank Dünnwald, Geschäftsführer des St. Elisabeth-Krankenhauses Hohenlind, sagte der Rundschau: „Als eine der wenigen Kliniken im Großraum Köln muss das Haus keine Leistungen aufgeben und wird in den spezialisierten Bereichen künftig ein breiteres Leistungsangebot haben.“ Gestärkt würden unter anderem „alle onkologischen Bereiche, wo das Haus besondere Expertise hat“, darunter das Brustzentrum.

Auch das Krankenhaus Porz am Rhein sieht sich durch die Reform gestärkt. Geschäftsführer Dr. Andreas Weigand sagte der Rundschau, es habe keine Streichungen gegeben. Alle beantragten Leistungsgruppen, auch hochkomplexe, seien bewilligt worden. „Dies trifft besonders auf die Gefäßchirurgie, die Allgemein- , Viszeral- und koloproktologische Chirurgie, die Orthopädie und Unfallchirurgie und die Kardiologie zu.“ Die Klinik habe viele Strukturvoraussetzungen der Reform bereits im Vorfeld erfüllt. Als Beispiele nannte Weigand unter anderem das Integrierte Notfallzentrum (INZ) mit Rettungsdienstnotarzt, die KV-ärztliche Notfallpraxis und die kinderärztliche Notfallpraxis im Haus sowie die „große Geburtshilfe/Gynäkologie in Verbindung mit der Pädiatrie und Neonatologie“.

Wie kommt die Reform in Köln an?

Frank Dünnwald ist voll des Lobes für Laumann: „Im Gegensatz zu den dirigistischen Eingriffen, die Gesundheitsminister Lauterbach auf der Bundesebene plant, ist die NRW-Reform geprägt von einem breiten Dialog aller Partner im Gesundheitswesen. Insofern ist diese Reform, bei allen individuellen Härten ein Beispiel dafür, wie erfolgreiche Reformen in der komplizierten Welt des Gesundheitswesens umgesetzt werden können. Der Bund sollte sich daran ein Beispiel nehmen, weil es der Reform von Herrn Lauterbach genau an diesem partnerschaftlichen Verständnis mangelt.“

Was ist mit kleineren Krankenhäusern in Köln?

Künftig soll nicht jede Klinik alles anbieten, der Trend geht zur Spezialisierung und Konzentration von Leistungen. Das zeigt sich etwa bei der Stiftung der Cellitinnen, die in Köln sieben Kliniken betreibt (Heilig Geist, St. Antonius, St. Franziskus, St. Hildegardis, St. Marien, St. Vinzenz, Severinsklösterchen).

Man habe bereits im Vorgriff auf die Reform medizinische Schwerpunkte gebildet, sagte eine Sprecherin. „Damit sind wir der politischen Willensbildung nach der Konzentration medizinischer Leistungen im urbanen Umfeld entgegengekommen.“ Während die Kardiologie im Severinsklösterchen und in St. Vinzenz bestätigtwurde, soll sie nun in St. Antonius in Bayenthal laut Laumanns Reform wegfallen. Dafür wurde dort die plastisch-ästhetische Chirurgie gestärkt.

Führt die Reform zu Engpässen in der Versorgung?

Punktuell wird das Angebot kleiner. So wurden zum Beispiel im Evangelischen Krankenhaus Kalk die Implantierung und Revision von Hüftprothesen sowie die Senologie (Behandlung von Erkrankungen der Brust) gestrichen. Eine Sprecherin erklärte, man habe Verständnis dafür, „dass planbare Leistungen in Köln und der Region konzentriert werden sollen. Wir sehen jedoch auch, dass sich durch die Verwehrung oder Befristung von Versorgungsaufträgen die Erreichbarkeit von Versorgungsoptionen für unsere Patientinnen und Patienten, auch in Notfällen, verändern wird.“ Man werde nun prüfen, welche Optionen es gebe, eine bestmögliche Versorgung im Sinne der Kölnerinnen und Kölner aufrechtzuerhalten.

Während der lukrative Bereich künstliche Hüftgelenke für Kalk wegfällt, wird er im benachbarten Eduardus-Krankenhaus in Deutz gestärkt. Dort wiederum wird die Kardiologie gestrichen. „Die hochwertige kardiologische Versorgung, die seit einigen Jahren konsequent aufgebaut wurde, kann leider nicht aufrechterhalten werden“, so Geschäftsführer Frank Dünnwald. Ein Teilerfolg sei aber, dass es eine Übergangsfrist bis zum Ende des kommenden Jahres, geben werde.