Kölntourismus entscheidet sich für Online-Publikationen und Social Media, da Plakatkampagnen zu kostenintensiv sind. Trotz schrumpfendem Budget bleibt Köln eine weitreichende Marke.
„Jeföhl“ für alleWie Köln außerhalb für sich wirbt – Budget wird kleiner

Köln-Tourismus Werbung.
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Möglicherweise war die Botschaft nicht ganz zu Ende gedacht. „Wir haben alles, nur keinen Bock“ hieß es auf einem der Plakate, auf denen Berlin vor kurzer Zeit in Köln für einen Besuch der Hauptstadt warb. Pluspunkte gab es selbstverständlich für den Bezug zum Maskottchen des 1. FC Köln. Doch in der zweiten Ebene hinkte die Botschaft. Dass sich Berlin in Köln als Hauptstadt der Lustlosigkeit präsentieren will, erscheint eher unwahrscheinlich. Auch ein anderer Spruch zündete nicht wirklich: „Weil es hier nichts Besonderes ist, wenn du etwas Besonderes bist“. Ein Slogan, der Werte anspricht, die sich auch Köln als Kernkompetenz auf die Fahne geschrieben hat. In der gesamten Kölner Innenstadt war die Bundeshauptstadt über mehrere Wochen hinweg allgegenwärtig. Die Image-Kampagne lief auch in neun anderen deutschen Städten – und natürlich in Berlin. 1,5 Millionen Euro kostete die Maßnahme.
Out-of-Home-Kampagne: Wenig Budget für Werbung im vergleich zu anderen Städten
Kölner Werbekampagnen in anderen Städten wird es in dieser Größenordnung in naher Zukunft vermutlich nicht geben. „Zugegebenermaßen besitzen wir in diesem Bereich nicht die gleichen Ressourcen wie andere Destinationen, die nicht nur als kommunale Destinationsmanagement-Organisationen fungieren, sondern gleichzeitig auch als Landesorganisation Bundesländer vertreten“, erklärt Kölntourismus-Chef Jürgen Amann. In den vergangenen Jahren hätten sich die Gesamtausgaben für Marketing im unteren sechsstelligen Bereich bewegt.
Die letzte sogenannte Out-of-Home-Kampagne, also eine Kampagne, die Menschen außerhalb der eigenen vier Wände erreicht, sollte Köln im Sommer und Herbst 2024 als nahes, offenes und authentisches Reiseziel bewerben. Zwei Wochen lang hingen die Plakate unter dem Titel „Köln ist ein Gefühl“ an Knotenpunkten in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart und Frankfurt. Zwei Männer fortgeschrittenen Alters, offensichtlich ein Paar, stehen darauf vor dem Dom und stellvertretend für die LGBTIQ+ Szene. Dazu die passende kölsche Vokabel mitsamt Einordnung: „Hätzbläddche – Das Gefühl, wenn aus dem kurzen Verzällche plötzlich mehr wird“. Die queere Szene in Köln sei auch für Zielgruppen relevant, die Werte wie Offenheit und Authentizität schätzten, teilt Kölntourismus dazu mit. 2022 rückte Kölntourismus unter dem Titel „Entdecke Kölns LebensArt“ die Kunst- und Kulturszene in den Vordergrund: Auch in den „touristischen Nahmärkten“ Belgien und Niederlanden warb Köln bereits.
Kommunikationsmix: Plakate sind nicht Haupt-Werbung
Beim Werben um Touristen stünden große Plakat-Kampagnen allerdings nicht im Mittelpunkt. Der Kommunikations-Mix ist breit. Hauptinstrumente seien laut Amann „unsere Website, die Print- und Online-Publikation ,K wie Köln' sowie unsere Social Media-Kanäle“. Das kostenlosen Stadtmagazin „K wie Köln“ widmet sich in der aktuellen Ausgabe unter anderem Köln als Kunst- und Kulturhotspot der 1980er Jahre, der Zukunft des Museum Ludwig, Fußballkneipen und dem Ebertplatz als „stadtgewordenes Spannungsfeld“. Auf Instagram folgen dem Kanal @visit_koeln fast 35 000 Nutzer. Schwerpunkte liegen auf Kultur, Kulinarik und Veranstaltungen.
Ein weiterer Fokus liege auf sogenannten crossmedialen Ansätzen, die sich über mehrere Medienkanäle erstrecken und damit eine höhere Reichweite erzielen sollen. Ein Beispiel ist das Mini-Open-Air-Festival „Köllefornia Dreamin‘“, das im Sommer 2023 in Berlin in einem Kreuzberger Hinterhof stattfand. Angelehnt an die Blockpartys der 1970er Jahre in den USA, traten DJs und Künstler aus Berlin und Köln auf, um die kulturelle Partnerschaft der beiden Städte zu feiern.
Köln: Budget für Werbung schrumpft
Eine Kooperation zwischen Hamburg und Köln war in diesem Jahr die „cologne clubRAD Tour“. Mit einer mobilen Bühne reiste das Festival an zehn Standorte in beiden Städten und bot überall sogenannte Silent-Konzerte mit Kopfhörern an. Vorbild war das Kölner Format „At The B Sites“.
Bei Kampagnen wie der jüngsten aus der Bundeshauptstadt wird Köln wohl auch in Zukunft größentechnisch nicht mithalten können. „Budget-technisch ist mittelfristig deutlich weniger Spielraum vorhanden“, sagt Amann. Solange es die finanziellen Mittel erlauben, plane Kölntourismus weitere Kampagnen — wenn wohl auch in einem kleineren Umfang als in den vergangenen vier Jahren.
Glücklicherweise, sagt Amann, sei Köln eine Stadt, die weit über ihre Grenzen hinauswirke — auch ohne große Werbekampagne. „Die Kölner Kulturschaffenden und die Kreativszene tragen maßgeblich dazu bei, dass Köln national und international präsent ist.“ Als Beispiele nennt Amann kölsche Bands wie BAP, Brings oder Querbeat. Bands also, die „eine besondere Musiktradition“ verkörperten, die Menschen in ganz Deutschland ansprächen. Damit seien sie „Botschafter einer Lebensart, die typisch für Köln ist – offen, herzlich und unverwechselbar“. Auch andere Kölner Prominente sorgen aus Sicht des Kölntourismus-Chefs dafür, dass Köln als „unverwechselbare Marke“ wahrgenommen werde: Autor Frank Schätzing zum Beispiel, Schauspieler Udo Kier und natürlich Lukas Podolski.