Ein erster Versuch hatte wenig Ergebnisse erzielt. Der zweite sieht schon besser aus, aber die Forschenden warten und hoffen auf den Frühling.
Neuer PilotversuchLuftreinigende Textilfassade an der Kölner VHS funktioniert beim zweiten Mal besser

Die luftreiningende Textilfassade an der VHS wird durch eine bessere Version ausgetauscht.
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Der Jahreswechsel und die damit verbundenen Feierlichkeiten und Feuerwerke sind für Umweltforscher vor allem eines: Der jährliche Höchststand an Feinstaubbelastung, besonders in Großstädten. An dem Traum von der sauberen Luft mitten in der Großstadt arbeiten derweil weiterhin die Forschenden des Pilotprojekts, bei dem eine riesige Textilfassade am Studienhaus der VHS in Neumarkt-Nähe die Luft reinigen soll. Der erste Versuch funktionierte nicht wie erwartet, die Rundschau berichtete. Eine neue Bespannung musste her. Die ersten Ergebnisse verraten: Die Wirkung der neuen Fassade ist besser.
Im Winter wohl weniger Leistung
„Nach der Installation der neuen Gewebe wurden im Gegensatz zu den im April eingesetzten bereits unmittelbar nach Inbetriebnahme erste Luftreinigungseffekte mit einer Reduktion von etwa 10 bis 15 Prozent beobachtet“, erklärt eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage der Rundschau. „Diese Effekte bedürfen jedoch einer weiteren Bestätigung in den kommenden Monaten. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Tageslichtdauer im Gegensatz zu April jetzt deutlich kürzer ist und damit auch der Photokatalyse-Prozess verkürzt wird.“ Somit ist auch klar, dass der Winter dem Vorgang nicht in die Karten spielt. Bei dem Prozess soll die spezielle Beschichtung aus Nano-Titanoxid die Stickstoffdioxide, die gesundheits- und umweltschädlich sind, aus der Luft filtern.
„Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Reinigungseffekt im Frühjahr 2025 aufgrund der längeren Tageszeit und damit auch einem längeren Photokatalyse-Prozess noch weiter zunimmt“, erklärt die Stadtsprecherin.
Vertrag verlängert
Die Fassade, die die Stadt Köln gemeinsam mit der Firma Schüco und der Stiftung Lebendige Stadt realisiert hat, wurde besonders mit der Möglichkeit zum Recycling angepriesen. Das Material besteht bereits aus recycleten PET-Flaschen. Die erste Version der Kölner Fassade wurde bisher aber nicht wiederverwertet, sondern zu Forschungszwecken und zur Weiterentwicklung des Materials in das am Projekt beteiligte Forschungszentrum Jülich gebracht. Dort werden die Daten ausgewertet. „Die übrigen Materialien, wie die Aluminiumspannrahmen und die metallische Unterkonstruktion, verbleiben vollständig an der Fassade und werden über die gesamte Projektlaufzeit weiter genutzt“, erklärt die Stiftung Lebendige Stadt.
Der ursprünglich nur auf ein Jahr angesetzte Vertrag mit der Stadt Köln für das Forschungsprojekt, das im April 2023 startete, wurde bis zum 31. Dezember 2025 verlängert. Damit bekommen die Forschenden die Chance, die Ende September neu angebrachte Fassade langfristig zu testen.