Wie verläuft die berufliche Integration syrischer Geflüchteter? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.
Geflüchtete in KölnKnapp die Hälfte der hier lebenden Syrer ist in fester Beschäftigung

Martina Würker ist Leiterin des Kölner Jobcenters
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Wie viele Kriegsflüchtlinge aus Syrien leben in Köln
7800 Flüchtlinge aus Syrien leben laut Statistik der Stadt in Köln. Nicht mitgezählt wurden dabei die 1428 Syriengeflüchteten in Köln, die von 2021 bis 2023 eingebürgert wurden. Sie werden in Statistiken als Deutsche geführt, auch wenn sie zwei Staatsbürgerschaften haben. Allein 2023 gab es 769 Einbürgerungen. Tendenz steigend.
Wieviele arbeiten und wieviele erhalten Bürgergeld?
3036 Syrer hatten Ende 2022 in Köln eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. 2023 waren es 3409 – aktuellere Zahlen für Köln gibt es noch nicht. Laut der Chefin des Kölner Jobcenters, Martina Würker , ist ihre Zahl 2024 weiter gestiegen. Dazu kommen noch die Erwerbstätigen unter den 1428 eingebürgerten Syrern und Syrerinnen.
Ende 2023 gab es 3437 erwerbsfähige Bürgergeldbeziehende. 755 von ihnen, also 22 Prozent, hatten eine Arbeit, konnten aber von ihrem Lohn allein nicht leben und erhielten eine Aufstockung. Wenn die Eltern Bürgergeld bekommen werden auch Schüler ab 15 Jahren als erwerbsfähig gezählt, obwohl sie nicht zugleich arbeiten können.
Welche Menschen sind geflohen?
„Es kommen Menschen wie wir. Manche tun sich leichter, andere schwerer, eine anspruchsvolle Sprache wie Deutsch zu lernen. Es kommen Familien, die Angehörige verloren haben und auch Menschen die durch den Krieg traumatisiert wurden“, sagt Würker. Das könne die berufliche Integration verlangsamen. Der Altersschnitt der syrischen Geflüchteten ist 25,8 Jahre, der der Gesamtbevölkerung 44,6 Jahre.
Wieso ist die Quote der arbeitenden Frauen so gering?
Viele Frauen hätten sich zunächst um die Familie gekümmert. Wie Amina Suliman. Weil der Krieg ihr Dorf erreichte, floh die Familie mit zwei kleinen Kindern; das dritte kam in Köln zur Welt. „Wir haben drei Jahre lang zusammen in einem Hotelzimmer gelebt. Wenn das Baby schlief, hat unser Sohn Hausaufgaben gemacht und mein Mann Deutsch gelernt.“ Er ist heute Gärtner. Seine Frau lernt erst spät richtig Deutsch. 2024 hat die 38-Jährige eine Ausbildung zur Bürokauffrau bei den KVB begonnen. „Mein ältester Sohn hat mich ermutigt“, erzählt sie. Der mit 19 Prozent geringe Anteil berufstätiger Frauen sei durch die„Care-Arbeit“ und auch kulturell bedingt, so Würker. „Hier bewegt sich etwas, aber die Fortschritte sind noch klein.“
Wie ist der Ausbildungsstatus der Geflüchteten?
„Viele haben ein gutes Bildungsniveau, aber es gibt auch Menschen, die nur ein paar Jahre die Schule besucht haben“, sagt Würker. Die meisten Geflüchteten hätten sich schnell entschieden, Teil dieser Gesellschaft zu werden, Deutsch gelernt und Ausbildung oder Studium absolviert. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) üben 75 Prozent der Erwerbstätigen nach sieben Jahren eine qualifizierte Tätigkeit aus.
Wodurch verzögert sich die Arbeitsaufnahme?
In den ersten 18 Monaten galt ein Arbeitsverbot. „Damals hat man allein auf Spracherwerb als Mittel der Integration gesetzt. Danach kamen meist noch Vorkurse“, schildert Martina Würker. Die syrischen Abschlüsse und Berufe seien oft nur eingeschränkt übertragbar, Umschulungen und Nachqualifizierungen sein erforderlich, so das IAB. Viele hätten deshalb eine neue Ausbildung gemacht. „Bis zum voll bezahlten Arbeitsplatz dauert es meist mindestens fünf Jahre“, so Würker.
In welchen Sparten arbeiten Geflüchtete aus Syrien?
54.000 syrische Beschäftigte arbeiteten im Mai 2024 in Engpassberufen, teilte die Bundesanstalt für Arbeit (BfA) im Januar 2025 mit. Dazu zählen Bus- oder Bahnfahrer (3600 Beschäftigte), Pflegeberufe (3200), Kfz-Technikberufe (4200), Berufskraftfahrende (3100) oder zahnmedizinische Fachangestellte (2600); dazukommen rund 6000 Ärzte und Ärztinnen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels leisten syrische Beschäftigte einen wesentlichen Beitrag zum Beschäftigungsaufbau, so die BfA weiter. Wie etwa der Vermessungstechniker Reemon Shonah (36), der ein kleines Unternehmen für Netzwerktechnik gegründet hat.Hier arbeitet auch sein Bruder, seine Schwester Reem ist Kita-Helferin in Deutz.
Wie entwickelt sich die Erwerbstätigenquote?
Die vom IAB erhoben Erwerbstätigenquote der Geflüchteten mit Geburtsland Syrien (also einschließlich der Eingebürgerten) verändert sich maßgeblich mit der Aufenthaltsdauer: Bei den 2016 geflüchteten Männern ist sie bis 2022 auf 73 Prozent, bei Frauen auf 29 Prozent gestiegen. Ohne Aufenthaltsdauer betrachtet, liegt sie im Schnitt beider Geschlechter bei 45 Prozent. „Dabei ist aber wichtig zu wissen“, so die Jobcenter-Chefin, „dass ein Drittel aller Syriengeflüchteten erst seit 2021 in Deutschland lebt.“ (bos)