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Funkturm in KölnEine Perspektive für den Colonius – aber mit Hürden

Lesezeit 4 Minuten
Könnte ganz oben wieder mehr Leben vertragen: der Colonius.

Könnte ganz oben wieder mehr Leben vertragen: der Colonius.

Ein Interessent zeigt Interesse am Colonius, doch finanzielle Engpässe und steigende Baukosten erschweren eine baldige Wiedereröffnung.

Der Colonius hat eine Zukunft. Eines Tages wird die Kanzel des 266 Meter hohen Funkturms wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein, möglicherweise als Restaurant oder Bar, oder beides. Aber die Zukunft ist noch nicht jetzt und auch nicht bald. Alle Kölnerinnen und Kölner, die den Traum haben, noch einmal oder zum ersten Mal den Ausblick aus schwindelerregender Höhe zu genießen, werden sich noch mindestens ein paar Jahre gedulden müssen.

Rückblick auf die Glanzzeiten des Colonius

Noch in den 1990er-Jahren schallten dort oben Technoklänge zu bunten Laser-Lichtstrahlen in der Diskothek. Der WDR lässt die Zeiten an diesem Sonntag aufleben, wenn das Kölner Ermittlerduo Ballauf und Schenk in einem Mordfall ermittelt (siehe Infotext). Mitte der 90er war jedoch Schluss. Drehrestaurant und darüber gelegene Diskothek schlossen, auch auf die Aussichtsplattform kommen Besucher seit 1999 nicht mehr.

Ohne Pächter für das Restaurant und mit stetig steigenden Anforderungen an Brandschutz, Barrierefreiheit und mehr war eine Wiederinbetriebnahme der Gastronomie lange Zeit nichts weiter als eine Illusion. Das änderte sich im Juli 2022, als der Colonius seinen Status als Denkmal erhielt und damit den Kölner Dom als höchstes Baudenkmal der Stadt ablöste.

Finanzieller Druck und notwendige Umbaumaßnahmen

Seitdem gibt es neue Hoffnung, die Ende 2023 ihren vorläufigen Höhepunkt fand, derzeit aber von finanziellen Krisen klein gehalten wird. Denn für die Rückkehr eines öffentlich zugänglichen Betriebs sind Umbaumaßnahmen nötig. Neben einem zweiten Fluchtweg sind auch Feuerwehraufzüge heutzutage eine der Voraussetzungen. Wie die Rundschau berichtete, stand damals eine Kalkulation von rund 60 Millionen Euro für Brandschutzertüchtigung und Sanierung im Raum.

Über Fördermittel für Denkmäler sollten diese Kosten zur Hälfte vom Bund, zu einem Viertel vom Land und zu einem Viertel von der Kommune, in diesem Fall der Stadt Köln, getragen werden. Nach diesem Schlüssel waren auch die Wiederbelebungen der Funktürme in Dresden und Hamburg geplant. Eigentümerin ist die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG), die mittlerweile zu 51 Prozent kanadischen und US-amerikanischen Investoren gehört. 49 Prozent verbleiben bei der Telekom.

Ein optimistisches Zeichen: Interessent mit Visionen

Die Eigentümerin selbst wird nicht in eine mögliche öffentliche Nutzung investieren, sie ist für den Betrieb und Instandhaltung zuständig. Zu den rund 60 Millionen Euro kämen noch Kosten für den Innenausbau hinzu, die ein möglicher Betreiber investieren müsste, um dort wieder einen öffentlichen Betrieb zu etablieren. Benedikt Albers, Sprecher der DFMG, erklärte auf Anfrage der Rundschau: „Inzwischen haben wir sogar einen ernsthaften Interessenten gefunden, der vielversprechende Ideen für einen langfristigen Betrieb des Colonius hat.“

Eigentlich ist das ein gutes Zeichen: Denn, wie die Rundschau erfuhr, hat die DFMG andernorts deutlich länger nach einem Interessenten gesucht. Doch die guten Vorzeichen helfen nicht, wenn neben dem städtischen Haushalt auch die Haushalte von Bund und Land derzeit in angespannter Lage sind. Ende 2023 gab es den Versuch seitens der Stadt, sich über die Kölner Bundestagsabgeordneten um Bundesfördermittel zu bemühen. Doch eine Änderung des Förderverfahrens machte einen Strich durch die Rechnung.

Einen erneuten Anlauf hat es seitdem nicht gegeben, bestätigte die Kölner Verwaltung auf Anfrage. Denn nach einem Ratsbeschluss des Stadtrats, der Gelder der Stadt unter bestimmten Bedingungen in Aussicht stellte, ist noch ein Punkt offen: Was passiert, wenn die geplanten Kosten von rund 60 Millionen Euro überschritten werden? Wer zahlt die offenen Rechnungen? Diese Fragen gilt es zu beantworten.

Steigende Baukosten erschweren die Pläne

Die Machbarkeitsstudie, auf der die Kostenkalkulation beruht, ist bereits drei bis vier Jahre alt. Die Baukosten sind seitdem gestiegen, stärker als in den Jahren zuvor. Es ist wahrscheinlich, dass der Kostenplan nicht gehalten werden kann.

Die Verwaltung erklärt: „Selbst wenn die DFMG die genannten Bedingungen für die Prüfung einer möglichen finanziellen Beteiligung der Stadt Köln erfüllen würde, erscheint vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltslage eine städtische Förderung derzeit jedoch als wenig aussichtsreich.“ Weiter stellt sie klar: „Grundsätzlich begrüßt die Stadt Köln die Ideen und Bestrebungen einer Wiedernutzbarmachung des Colonius. Weiterhin ist eine Unterstützung mit aller Voraussicht nach erheblichen finanziellen Mitteln der öffentlichen Hand bei gleichzeitig unvorhersehbaren Kostenentwicklungen im Baubereich in Anbetracht der aktuellen Haushaltslage schwer darstellbar.“

Vergleich zu anderen Projekten: Colonius steckt fest

Im Gegensatz zum Funkturm in Hamburg, bei dem die ersten Gespräche bereits 2018 begannen und bei dem nun das Baugenehmigungsverfahren ansteht, steckt das Projekt Colonius also noch in den Startlöchern fest. Nachdem die Stadt jüngst ihren Doppelhaushalt 2025/26 mit zahlreichen Kürzungen beschloss, sind die Aussichten für die Folgejahre nicht besser. Es kann also dauern, bis Geld für eine öffentliche Nutzung des Colonius übrig ist.