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Fernsehturm in KölnSo teuer wäre eine Wiedereröffnung des Colonius

Lesezeit 4 Minuten
Besucher in den 1980er-Jahren genießen den Blick von der Aussichtsplattform des Kölner Fernsehturms Colonius.

Besucher in den 1980er-Jahren genießen den Blick von der Aussichtsplattform des Kölner Fernsehturms Colonius. 

60 Millionen Euro soll es kosten, den Fernsehturm Colonius wieder für Besucher zu öffnen. Die Stadt Köln hofft, dass Bund und Land drei Viertel davon übernehmen.

Seit 25 Jahren ist die Aussichtsplattform des Colonius nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Doch nun gibt es wieder einen Hoffnungsschimmer, dass der denkmalgeschützte Fernsehturm von 1981 baulich so ertüchtigt wird, dass Besucher künftig wieder den spektakulären Rundumblick genießen können. Stadtentwicklungsdezernent Andree Hack hat dem Stadtrat für die Sitzung am Donnerstag eine neue Beschlussvorlage zur Sanierung des Colonius präsentiert. Bereits Mitte August hatte er ein entsprechendes Papier vorgelegt, dann aber überraschend wieder zurückgezogen. Der Bund habe das Förderverfahren geändert, eine Förderung noch in diesem Jahr scheine nicht möglich, hieß es damals zur Begründung.

Rund 60 Millionen Euro soll die Sanierung und brandschutztechnische Ertüchtigung des 266 Meter hohen Bauwerks kosten, zuvor war von 40 Millionen die Rede. Angedacht ist, dass der Bund das Projekt mit 30 Millionen Euro fördert und das Land NRW und die Stadt Köln je 15 Millionen beisteuern. Nach dem gleichen Kostenschlüssel – 50 Prozent Bund, je 25 Prozent Land und Kommune – wird derzeit der Dresdner Fernsehturm saniert.

Colonius-Eigentümer begrüßt die Pläne

Dass die Stadt die Vorlage zunächst zurückzog, lag dem Vernehmen nach an Aussagen aus dem Haus von Kulturstaatsministerin Claudia Roth, wonach die Stadt Köln in einem förmlichen Antragsverfahren erst ihren Eigenanteil und den des Landes nachweisen müsse, bevor der Bund Gelder bewillige. Inzwischen wurde jedoch geklärt, dass der Haushaltsausschuss des Bundestags weiterhin zum Jahresende „übrig gebliebene“ Haushaltsmittel für derartige Projekte verteilt. Hier könnte der Colonius möglicherweise zum Zug kommen.

Haack erklärte auf Anfrage der Rundschau: „Die Haushaltsbereinigungssitzung des Bundes findet Mitte November statt. Daher ist die Entscheidung des Rates über die Beschlussvorlage in der Sitzung am 26. Oktober erforderlich, damit das Votum der Stadt Köln zur Haushaltsbereinigungssitzung vorliegt.“

Blick vom Köln-Turm auf den Colonius.

Blick vom Köln-Turm auf den Colonius.

Die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) als Eigentümer des Colonius begrüßte die Pläne. „Wir freuen uns sehr, dass der Stadtrat die mögliche Öffnung des Colonius für Besucher wieder auf die Tagesordnung nimmt. Das ist eine tolle Chance für Köln und sein Wahrzeichen“, sagte ein DFMG-Sprecher. Er betonte: „Das Ergebnis der gründlichen Machbarkeitsstudie beläuft sich auf 60 Millionen Euro für die Instandsetzung und den sicheren Betrieb der öffentlichen Bereiche des Colonius. Diese Summe ist die Basis für die angestrebten Förderanträge und der feste finanzielle Rahmen für das Projekt.“

Doch 15 Millionen Euro für eine freiwillige Leistung sind in der aktuellen Haushaltslage viel Geld für die Stadt Köln. In der Politik gibt es durchaus Zweifel, ob das Projekt in die Zeit passt. „Wir werden der Vorlage nicht zustimmen“, sagte Volt-Ratsmitglied Isabella Venturini der Rundschau. Zwar habe Volt „Sympathien, den Colonius der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Jedoch ist es angesichts eines angespannten Haushaltes, sehr vielen Großprojekten in Planung und vielen weiteren Vorhaben, die eine Finanzierung benötigen, nicht Teil unserer Prioritäten.“ Gerne nehme Volt den Colonius zu einem späteren Zeitpunkt noch mal in den Blick. „Wir befürworten zudem nicht nur ausschließlich einen Gastronomiebetrieb, sondern ein multifunktionales Angebot mit Kultur, Gastronomie, Club oder ähnlichem, das sich wirtschaftlich nachhaltig trägt“, so Venturini.

Grüne fordern Kostendeckel

CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau erklärte, die CDU sei grundsätzlich für das Projekt, doch die Verwaltung müsse erst darlegen, wie sie 15 Millionen Euro im Haushalt finanzieren wolle. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Lino Hammer machte zur Bedingung für eine Zustimmung, dass die Stadt bei möglichen Kostensteigerungen nicht mehr als 15 Millionen Euro ausgeben dürfe. „Unter der Voraussetzung, dass Bund und Land ihre zugesicherten Anteile bereitstellen, wären auch wir bereit, einen entsprechenden Anteil zu leisten. Dabei ist für uns aber klar, dass es einen Kostendeckel für die Stadt gibt. Hier sehen wir die Deutsche Funkturm GmbH in der Pflicht, sich ebenfalls zu beteiligen“, so Hammer.

SPD-Fraktionschef Christian Joisten erklärte: „Sollte der Bundestag tatsächlich noch in diesem Jahr entsprechende Mittel beschließen, ist für uns selbstverständlich, dass auch die Stadt ihren Beitrag leisten wird.“ Das Land solle 25 Prozent der Kosten tragen, die Stadt ebenso, es müsse aber „sichergestellt sein, dass durch eine entsprechende Vereinbarung keine sozialen Projekte gestrichen werden müssen. Die Sanierung des Colonius liegt uns am Herzen, darf aber gerade in diesen Zeiten nicht auf Kosten bedürftiger Menschen erfolgen.“

Zu der Frage, ob die Deutsche Funkturm GmbH bereit wäre, bei einer möglichen Überschreitung des kalkulierten Budgets von 60 Millionen Euro die Mehrkosten zu übernehmen, erklärte der DFMG-Sprecher: „Nach einem hoffentlich positiven Beschluss des Kölner Stadtrats gilt es, gemeinsam mit Stadt, Land und Bund eine Finanzierungsvereinbarung abzustimmen, die weitere Details zum Budget regelt. Als Eigentümerin und Bauherrin hat und wird sich unser Unternehmen intensiv in das Wiedereröffnungsprojekt einbringen. Außerdem bleiben wir auch in Zukunft allein verantwortlich für den Bauunterhalt des Fernsehturms. Mögliche Fördergelder fließen nur in die Bereiche, die für einen Besucherbetrieb notwendig sind. In die Instandhaltung der technischen Anlagen und des Bauwerks werden wir weiter aus eigener Tasche investieren.“