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Erschwingliche KunstDas bietet die „Discovery Art Fair“ in Köln am Wochenende

Lesezeit 3 Minuten

112 Kojen zeigen Kunstwerke aus 20 Nationen.

Die zehnte Ausgabe der Messe findet von Freitag bis Sonntag in der Kölner X-Post statt. Am Freitag ist der Eintritt frei.

Wenn der Strickpullover mit dem Muster des Sitzes im Bus verschmilzt und die blaukarierte Hose auf einer Treppe unsichtbar wird, hat man es wahrscheinlich mit Joseph Ford zu tun. Der Brite aus dem englischen Brighton fotografiert in seiner Serie „Invisible Jumpers“ Gestricktes vor ähnlich aussehenden Motiven und spielt geschickt mit optischen Illusionen. Drucke seiner Fotos gibt es an diesem Wochenende auf der „Discovery Art Fair“ in der X-Post zu sehen – und zu kaufen.

Die „Entdeckermesse“, wie sie Messedirektor Jörgen Golz nennt, feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. „Wir haben, damals noch als ,Kölner Liste', in Mülheim mit 38 Künstlerinnen und Künstlern angefangen“, erinnert Golz sich an die Anfänge der Messe. Heute stellen mehrere Hundert Kunstschaffende in 112 Kojen in der X-Post am Gladbacher Wall ihre Werke aus: vom Ölgemälde bis zur Skulptur, vom Foto bis zur Zeichnung. Wenn der digitale Bilderrahmen neben dem klassischen Goldrahmen hängt, ist das vor allem eines: unglaublich abwechslungsreich. Vertreten sind Künstlerinnen und Künstler aus zwanzig Nationen, darunter Spanien, Italien oder Polen.

Street-Art im Pop-Art-Stil von El Bocho

Golz rechnet mit rund 15.000 Besucherinnen und Besuchern von Freitag bis Sonntag. „Wir zeigen ausschließlich zeitgenössische Kunst, fast alles stammt aus den vergangenen zwei Jahren“, verspricht Golz. Wie aktuell manche Werke sind, zeigt etwa die Galerie Grevy aus Köln: Ein Portrait von Willi de Vries zeigt Wolodymyr Selenskyj nach dem Streit mit Donald Trump im Weißen Haus. Eine Szene, die gerade einmal fünf Wochen her ist.

Man kauft sich mit einem Kunstwerk auch ein bisschen Glück. Das ist besser als eine Massage.
Stefan Maria Rother, Kurator

Wer die Kunstmesse besucht, die mittlerweile schon als Gegenstück zur Art Cologne im Herbst gehandelt wird, hat auch die Chance, mit den Künstlern selbst zu sprechen. Viele präsentieren ihre Kunst selbst, erzählen auf Nachfrage von den Entstehungsprozessen. So wie Reiner Packeiser aus der Nähe von Gießen, der mit Grafitpulver Portraits zum Thema Geruch malt („Grau kann richtig leuchten!“) oder Andrea Wycisk aus Köln, die Litfaßsäulen schält und darauf malt („Ein Stück Straße für ein stilvolles Zuhause.“).

Aktueller geht es kaum: Der Streit zwischen Selensky und Trump hängt bereits in der Messe.

Klar ist: Die „Discovery Art Fair“ will nicht nur renommierte sowie aufstrebende Künstler ausstellen, es soll natürlich auch gekauft werden. Eine „Christobanane“ von Thomas Baumgärtel kostet zum Beispiel 1750 Euro, das gemalte Selenskyj-Portrait 1600 Euro. Im Durchschnitt kosten die großformatigen Exponate zwischen 3000 und 6000 Euro, sagt Messechef Golz. Da sei eine Schwarz-Weiß-Photographie des kürzlich verstorbenen Fotografen Elliott Erwitt mit 12.500 Euro eher eine Ausnahme, so wie das vielleicht teuerste Exponat der Schau. Es stammt vom, laut der Kuratoren, wichtigsten Bildhauer Tschechiens, Michal Gabriel: Ein Pferd mit Reiter aus in Polyesterharz eingebrachten Erdnussschalen für 100.000 Euro.

Kleinere Drucke und Fotografien gebe es aber auch schon ab 50 Euro, so die Veranstalter. Erschwingliche Preise also, auch für Sammler. „Kunst sammeln ist nicht das Steckenpferd des reichen Mannes“, wehrt sich Kurator Stefan Maria Rother gegen dieses Vorurteil. „Man kauft sich mit einem Kunstwerk auch ein bisschen Glück. Das ist besser als eine Massage.“


Preise und Öffnungszeiten

Geöffnet ist die „Discovery Art Fair“ in der X-Post am Gladbacher Wall am Freitag, 4. April 2025  und am Samstag, 5. April von 11 bis 20 Uhr. Am Sonntag ist die Messe von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Am Samstag und Sonntag kostet das Tagesticket 20 Euro, ermäßigt 15 Euro. Kinder unter 12 Jahren haben freien Eintritt. Am Freitag ist der Eintritt kostenfrei.


Kostenlose Führungen

Auch in diesem Jahr bieten die Kuratoren der Messe— Dr. Peter Funken, Barbara Fragogna und Stefan Maria Rothe— wieder kostenlose, einstündige Führungen für Besucherinnen und Besucher an. Sie beginnen am heutigen Freitag um 15 Uhr, am Samstag und Sonntag um 14 Uhr. Treffpunkt ist der Service-Counter im Eingangsbereich.