Nach dem Zugunglück in Geseke stehen die Ermittler vor vielen offenen Fragen. Ein Handyvideo zeigt den Lokführer kurz vor dem Entgleisen.
Entgleister GüterzugLokführer saß bei Zugunglück in Geseke nicht in der Lok

Im nordrhein-westfälischen Geseke ist ein Güterzug entgleist. Der Lokführer kam bei dem Unfall ums Leben.
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Der beim Zugunglück im nordrhein-westfälischen Geseke ums Leben gekommene Lokführer saß offenbar zum Zeitpunkt des Unfalls nicht in der Lok des Zuges. Auf einem zufällig kurz vor dem Unglück aufgenommenes Handyvideo ist der 30 Jahre alte Mann zu sehen, wie er zwischen zwei Waggons des später entgleisten Güterzugs sitzt.
Dass sich Lokführer während der Fahrt durch den Güterzug bewegen, sei nicht ungewöhnlich, erklärte ein Polizeisprecher in Soest der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings würden Zugführer meist nur bei sehr langsamen Geschwindigkeiten durch den Zug gehen und diesen fernsteuern. Der verunglückte Zug war vor dem Entgleisen mehr als 30 km/h schnell.
Zugunglück in NRW: Lokführer saß in Geseke nicht vorne im Zug – Güterzug hatte hohe Geschwindigkeit
Die Polizei untersuche derzeit, warum der Zug eine für einen Güterzug vergleichsweise hohe Geschwindigkeit gehabt habe. Auch dabei soll das Handyvideo helfen. Die Ermittler prüfen, ob ein technischer Defekt am Zug den Lokführer dazu veranlasst haben könnte, die Lok trotz der hohen Geschwindigkeit zu verlassen.

Eine Luftaufnahme zeigt den entgleisten Güterzug im nordrhein-westfälischen Geseke. Die Zugstrecke ist immer noch gesperrt.
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Neben einem technischen Defekt schließt die Polizei auch menschliches Versagen nicht aus. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, teilte ein Polizeisprecher am Dienstag weiter mit. Der Güterzug war kurz vor dem Unfall von einem Zementwerk aus losgefahren, der Streckenabschnitt zwischen Paderborn und Lippstadt bleibt für mehrere Wochen gesperrt.
Geseke: Güterzug mit Zement entgleist – 30-Jähriger stirbt nach Zugunglück
Der mit Zement beladene Güterzug war am Sonntagnachmittag (10. September) bei Geseke entgleist und hatte einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr verursacht. Der getötete 30-Jährige stammt aus dem nahegelegenen Warstein. Weitere Menschen kamen nicht zu Schaden. Der Tote wurde unter einem Kesselwagen entdeckt. Bei dem Unglück waren mehrere Waggons und die Lok von den Gleisen gesprungen.
Die Polizei hatte die Unfallstelle mit einem Helikopter mithilfe einer Wärmebildkamera abgesucht, um mögliche weitere Verletzte zu identifizieren. Die Feuerwehr ist derzeit dabei, die Waggons mit einem Bergungskran anzuheben und von der Unfallstelle zu entfernen. Eine akute Gefahr für die Bevölkerung bestehe derzeit nicht, teilte die Polizei weiter mit. (shh, mit dpa)