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Sehnsuchtsort LeuchtturmWas die Leuchtfeuer an der Nordsee so besonders macht

Lesezeit 5 Minuten
Leuchtturm2_Getty_RelaxFoto.de

Sehnsuchtsort Leuchtturm

  1. Leuchttürme erzählen Geschichte. Sie sind Sehnsuchtsort für Seefahrer, aber genauso für Romantiker.
  2. Welches Leuchtfeuer brannte eigentlich zuerst in der Nordsee?
  3. Welcher Leuchtturm ist der höchste? Welcher der stärkste?
  4. Sechs Leuchtfeuer, ihre Geschichten und Besonderheiten.

Sie wachen seit Jahrhunderten über Küsten und Inseln. Leuchttürme sind Sehnsuchtsorte für Seefahrer in Not, aber ebenso für Romantiker, Nostalgiker, oder Wanderer. Wir haben sechs schöne Leuchttürme an der deutschen Nordsee ausgesucht -  jeder Turm hat seine Besonderheit.

Der Einzigartige: Juist

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Das Memmertfeuer auf Juist steht auf dem Land, nicht am Wasser.

Eigentlich strahlt ein Leuchtturm sein kraftvolles Licht ja aufs Meer hinaus, um den Seefahrern bei der Bestimmung ihrer Position zu helfen und sie frühzeitig vor Gefahren zu warnen. Der Leuchtturm Memmertfeuer auf Juist schickt sein Licht aber nicht aufs Meer, sondern aufs Land, er steht auch nicht auf der Seite zur Nordsee, sondern auf der Wattseite zum ostfriesischen Festland gerichtet. Das macht den 1939 ursprünglich auf der kleinen Vogelinsel Memmert vor Juist erbauten Leuchtturm weltweit einzigartig. Erosionsbedingt stand der Turm 1986 auf einmal im Wasser und konnte  nicht mehr betrieben werden. Bewohner setzten sich so vehement für den Erhalt des Leuchtfeuers auf der Insel ein, dass er teils abgetragen und neu aufgebaut wurde. Das Licht des Memmertfeuers dient zwar nicht mehr der Schifffahrt, dafür leuchtet er aufs Land der schönen Insel Juist.

Der Stärkste: Helgoland

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Er hat die stärkste Lichtkraft: Leuchtturm auf Helgoland.

Der rotbraune, 34 Meter hohe viereckige Ziegelturm mit weißem Kopf steht auf dem Oberland, an der Westseite der Hochseeinsel Helgoland. Mit etwa 28 Seemeilen Sichtweite (knapp 52 Kilometern) besitzt der im zweiten Weltkrieg erbaute Leuchtturm noch heute das lichtstärkste Leuchtfeuer an der deutschen Nordseeküste. Als Flakturm gebaut und 1952 als Ersatz für den im Krieg zerstörten alten Leuchtturm wurde er in Betrieb genommen und ist  noch   voll in Funktion. Eine Besonderheit ist der Atombunker, der zu Zeiten des Kalten Krieges in den Turm eingebaut wurde. Die vielen Antennen auf dem Turm lassen erahnen, dass das Leuchtfeuer nur noch eine Nebenrolle zur Sicherung der Schifffahrt zu spielen scheint.  Mit der  Radaranlage wird der gesamte Schiffsverkehr in der Deutschen Bucht überwacht, die zu den meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt gehört. 

Der größte der Westküste: Amrum

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Der höchste der Westküste: Leuchtturm auf Amrum

Mit einer Höhe von 41,8 Metern thront er königlich über dem Südteil der Insel und darf sich stolz der höchste Leuchtturm der Westküste nennen. Das klassisch rotweiß gestreifte Wahrzeichen von Amrum war zugleich der erste an dieser Küste. Nachdem in der Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen den Inseln Sylt und Amrum gleich mehrere Schiffe gesunken waren, wurde heftig darüber diskutiert, wo in der Region am besten ein Leuchtfeuer gebaut werden sollte.

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Im November 1874 wurde der Leuchtturm auf Amrum auf einer 25 Meter hohen Düne errichtet. Heute können Besucher, nachdem sie 297 Stufen hinauf geklettert sind, den herrlichen Panoramablick von der Aussichtsplattform aus genießen. Beliebt sind hier vor allem auch Hochzeiten. Besichtigt werden kann der Leuchtturm auf Amrum im Sommer montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr.  

Der Alte: Pellworm

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Seit über 100 Jahren ist der Leuchtturm von Pellworm im Dienst.

Seit über 100 Jahren ist er schon im Dienst und wacht heute noch über das Meer: Nach nur einjähriger Bauzeit stand der Leuchtturm 1907 auf 127 Eichenpfählen, die rund 14 Meter tief in den Marschboden gerammt wurden. Bis zum Jahre 1977 lebte und betreute ein Leuchtturmwärter das Pellwormer Leuchtfeuer. Seitdem wird der Turm von der Leitzentrale des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Tönning ferngesteuert. Der unter Denkmalschutz stehende 25 Meter hohe Leuchtturm von Pellworm  ist trotz moder Navigationshilfen wie GPS und Radar weiterhin von großer Bedeutung und in voller Funktion. Mit  seinen vielen bullaugenförmigen Fenstern scheint er bis heute  alles im Blick zu haben.  Er hat inzwischen aber auch als beliebte Hochzeits-Location Berühmtheit erlangt. Der rote Turm mit weißem Band steht an der Südseite der Marschinsel Pellworm, hinter dem Seedeich.

Der erste im Meer: Roter Sand

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Er war der erste im Meer: Leuchtturm Roter Sand, nordöstlich von Wangerooge.

Er ist Denkmal, Seezeichen und Symbol für die Schifffahrt: Seit 135 Jahren trotzt der Leuchtturm Roter Sand den Wellen der Nordsee, die nordöstlich der Insel Wangerooge, zwischen Bremerhaven und Helgoland, gegen sein Fundament donnern.  Erstmals strahlte sein Feuer am 1. November 1885 über das Meer und verhalf seitdem tausenden von Schiffen, sicher die Küste zu finden.  Seinen Namen erhielt der Leuchtturm   von der Sandbank auf der er steht, die mit rotem Muschelkalk besetzt ist. Während des Deutschen Kaiserreichs galt er als Symbol des technischen Fortschritts. Das Fundament entstand mit der gleichen Technik, die heute für moderne Windkraftanlagen auf hoher See angewendet wird. Der rotweiße Leuchtturm gilt als erstes Offshore-Bauwerk der Welt. Seine dreieckige Kuppel in über 50 Metern Höhe erinnert dabei eher an ein kleines Schlösschen mit Turmzimmer.

Der Achteckige: Norderney

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Der achteckige Turm von Norderney.

Besonders schön ist der Weg dorthin, durch die Dünen und über den Zuckerpatt. Mit dem Rad fährt man nur rund 30 Minuten vom Stadtzentrum.

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Stolz thront der 54,6 Meter hohe Backstein-Turm auf einer etwa zehn Meter hohen Düne in der Mitte der Insel. Er liegt  unweit vom Inselflugplatz und wurde von 1871 bis 1874 erbaut. Mit dem Leuchtturm Norderney öffnete damals das höchste Bauwerk der Insel seine Pforten. Wer es schafft die 254 Stufen bis zur Aussichtsplattform zu erklimmen, wird mit einem wunderbaren Panoramablick belohnt. Von Anfang April bis Ende Oktober kann der achteckige Leuchtturm besichtigt werden. Bis heute steht das Seezeichen im Dienste der Schifffahrt. Eine 400 Watt starke Halogendampflampe hat das ursprünglich mit Petroleum befeuerte Leuchtfeuer längst ersetzt und sorgt dafür, dass es 20,7 Seemeilen (38,4 Kilometern) weit zu sehen ist.