Keine Angst, hier kommt jetzt keine Wahlempfehlung. Das machen die Kirchen in Deutschland nicht. Das ist auch richtig so. Aber wir empfehlen etwas anderes: das christliche Menschenbild.
Das Wort zum SonntagEin Plädoyer für die Einzigartigkeit

Eine Drohnenshow in Düsseldorf zeigt einen Schmetterling (Symbolbild)
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Oft zitiert in den letzten Wochen, bin ich mir nicht sicher, ob alle wissen, was damit gemeint ist. Es ist komplex. Das Bild vom Menschen. Was ist der Mensch? Ein „Ebenbild Gottes“, heißt es in der Bibel im Schöpfungsbericht. Mehr geht kaum. Große Wertschätzung. Jeder von uns ist wunderbar und einzigartig. Und muss sein Lebenswert nicht durch Arbeit, Herkunft oder Reichtum begründen. In jedem funkelt etwas Kostbares, Göttliches. Auch wenn man es manchmal nicht sieht.
Dann aber erzählt die Bibel in unzähligen Geschichten vom Menschen ganz anders: zum Beispiel von Kain und Abel, wo ein Bruder den anderen tötet, oder davon, dass Menschen gigantische Türme in den Himmel von Babel bauen, die wieder jämmerlich einbrechen, und von der Sintflut, der ersten großen menschenverursachten Klimakrise. Die zehn Gebote (nicht töten, nicht lügen usw.) sind nicht zufällig vom Himmel gefallen. Das christliche Menschenbild ist gebrochen und wohl so realistisch wie kein anderes.
Für Christen gibt es darum nicht den perfekten Menschen. Jeder sieht das, der ehrlich und demütig morgens in den Spiegel schaut. Menschen sind aufeinander angewiesen – und auf Vergebung.
Das alles schwingt auch in dem Text mit, durch den sich die Kirchen unter dem Slogan „Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt“ zuletzt in den Wahlkampf eingeschaltet haben. Ist das die Empfehlung für eine Partei? Nein. Aber für eine Haltung, die unserer Gesellschaft trägt. Und die mir Orientierung gibt, am Sonntag mein Kreuz an der richtigen Stelle zu machen.!